Die Art und Weise, wie du andere beschreibst, sagt viel über dich aus

· 3. Dezember 2018

Die Art, wie du andere beschreibst, definiert dich. Die Art und Weise, wie du diejenigen, die dich umgeben, beurteilst und einschätzt, lässt einen Teil deiner Persönlichkeit erkennen. Es sind subtile, aber dennoch eindeutige Pinselstriche deiner Identität und sogar deines Selbstwertgefühls. Das ist etwas, das wir zweifellos täglich sehen und auch erleiden, wenn andere uns Eigenschaften zuschreiben, die nichts mit uns zu tun haben.

Seien wir ehrlich, wir alle urteilen über die, denen wir jeden Tag begegnen. Es ist ein mehr als offensichtliches Bedürfnis unseres Gehirns, zu versuchen, unsere Umwelt zu kontrollieren und zu verstehen, was uns erwartet. Wir stehen also vor einem völlig normalen und sogar offensichtlichen psychologischen Prozess, einem Mechanismus, der die Amygdala in ihrer Arbeit lenkt, um unser Überleben zu sichern.

„Diskretion in Worten ist mehr wert als Eloquenz.“

Francis Bacon

In einer interessanten Studie, die an der University of Psychology in New York (New York, USA) durchgeführt und im Journal of Neuroscience  veröffentlicht wurde, wird uns gesagt, dass diese kleine Gehirnstruktur in wenigen Millisekunden entscheidet, ob jemand vertrauenswürdig ist oder nicht, ob diese Person für uns interessant ist oder zu vermeiden ist. Tatsächlich könnten wir sagen, dass für unser Gehirn der erste Eindruck alles sie, obwohl es offensichtlich interessante Nuancen gibt.

Wenn also die Amygdala diese sehr schnelle Beurteilung, ob jemand vertrauenswürdig ist, durchführt, ist derjenige, der dann auf die Bühne tritt, ein Filter unserer Persönlichkeit. Die Amygdala wird diejenige sein, die sich wegen oder trotz dieser ersten Einordnung dafür entscheidet, sich dieser Person zu nähern (oder nicht), um zu überprüfen, ob das erste Urteil richtig ist. Sie wird auch diejenige sein, die abfällige Zuschreibungen macht (oder nicht), die ihm Misstrauen entgegenbringt, die im Wesentlichen artikuliert, vermittelt und bestimmt, wie wir mit anderen umgehen.

Chef schreit seine Angestellten an

Die Art und Weise, wie du andere beschreibst, verrät dich

Ein chinesisches Sprichwort besagt, dass du eine Person allein mit dem Gewicht deiner Zunge zerquetschen könntest. Das ist eine große Wahrheit und niemand kann bezweifeln, dass die Bewegungen einer Zunge viel Schaden anrichten und viel Unheil verursachen können. Das ist etwas, was die meisten von uns jeden Tag in verschiedenen Kontexten sehen, bei auf der Arbeit, zu Hause, unter Freunden …

Im Rahmen unserer Sozialisierungsprozesse kommunizieren wir Menschen miteinander. So ist es üblich, uns bei diesen Interaktionen freundlich, korrekt und fürsorglich zu zeigen. Wenn es jedoch ein weitverbreitetes Virus gibt, dann ist es die Ausübung von Kritik, die Verwendung von Etiketten und Verachtung. Es gibt zu viele Profile, die anderen beinahe ausschließlich negative Eigenschaften zuschreiben. Wie eine Übung, um täglich zu trainieren, wie dieser Brauch, der mehr als eine spontane Laune eine Gewohnheit ist.

„Du bist, was du sagst.“  Diese Aussage ist nicht unsere, sondern die von Dr. Skowronski von der Wake Forest University in North Carolina (USA), der detaillierte Untersuchungen zu Persönlichkeitsstilen und den Zuschreibungen, die wir machen, durchführte. Er belegte, womit wir diesen Beitrag eingeleitet haben: Die Art und Weise, wie du andere beschreibst, definiert dich. Wir sind, was wir sagen, wir sind alles, was wir daraus ableiten und auf die Menschen um uns herum projizieren.

Mann vor einer Reihe von Spiegeln

Wer abfällige Etiketten benutzt, trägt eine dunkle Brille

Es gibt den, der nicht sehen will. Der trotz kurzsichtigem Blick immer eine dunkle Brille trägt, der sich durch eine verschwommen wahrgenommene Welt bewegt, der besser zu misstrauen ist. Es sind diese Profile, die sich von Stereotypen mitreißen lassen und nicht darüber hinausschauen wollen, sind diejenigen, die verachten und objektifizieren, diejenigen, die die verspotten und kritisieren, die nicht so sind, denken und fühlen wie sie.

Wenn die Art und Weise, wie wir andere beschreiben, einen Einblick in unsere Persönlichkeit gibt, zeigen diejenigen, die stets negative und kritische Etiketten verwenden, eine innere Leere, in der das mangelnde Selbstwertgefühl lebt, in der die Anwendung der Disqualifikation sowohl Frustration als auch Unglück transparent macht.

Wer die Zugehörigkeit praktiziert, trägt eine rosa Brille

In den bereits erwähnten Untersuchungen der Wake Forest University konnte etwas sehr Auffälliges beobachtet werden: Die Menschen, die am wenigsten urteilten, waren diejenigen, die die Zugehörigkeit am ehesten praktizierten. So lassen sich diejenigen, die sich durch Positivität, Optimismus und ein gesundes Selbstwertgefühl auszeichnen, von Vorbewertungen nicht so sehr mitreißen und ziehen es vor, Kontakt aufzunehmen und Nähe herzustellen.

Nur wenn wir zulassen, dass die Verwendung von Bewertungen, Etiketten und Schlussfolgerungen mit geringer oder gar keiner Solidität abgelegt wird, erhöhen sich die Möglichkeiten der Zugehörigkeit zu den Menschen um uns herum, sind wir in der Lage, neue, bereichernde Freundschaften zu schließen, respektvollere Umgebungen mit viel weniger Vorurteilen zu gestalten.

 

Brille in öder Landschaft

Abschließend möchte ich sagen, dass wir daher die übermäßige Verwendung unserer dunklen Brille vermeiden sollten. Sie mag manchmal nützlich sein, um uns vor bestimmten schädlichen Reflexen zu schützen, das ist klar, aber es ist immer besser, Filter zu entfernen und unsere Sicht so weit wie möglich zu erweitern. Ein wacher, interessierter und bescheidener Blick wird stets mehr Dinge erfassen als die Augen, die es gewohnt sind, in der Dunkelheit zu leben.

Wenn du andere ohne das Gewicht von Misstrauen, Vorurteilen und Spott beschreibst, gibst du dir selbst die Möglichkeit, größere Synergien mit den Menschen um dich herum zu erzeugen, frei von Stereotypen und Schubladendenken. Nutze diese Chance!