Die 8 Entwicklungsphasen nach Erik Erikson

· 16. Januar 2017

Erik Erikson war ein Psychoanalytiker aus den USA, der eine weithin akzeptierte Theorie zur Persönlichkeitsentwicklung veröffentlicht hat.

Wir alle durchleben einige Krisen in unserem Leben und wir gewöhnen uns daran, sie als etwas Negatives anzusehen. Aber für Erik Erikson sind Krisen „notwendige Prozesse, die Evolution und Veränderung antreiben. Krisen sind Situationen, die uns erlauben, uns zu ändern, zu wachsen und mehr über uns zu lernen.“ 

Er sagte, dass sich Menschen fortwährend verändern und sich stets neues Erfahrungen und Wissen aneignen. Wenn dem nicht so wäre, würden wir in einer Phase unserer Entwicklung stecken bleiben. Manche Menschen weigern sich, zu reifen, während andere dazu verdammt sind, unreif aufzuwachsen. Das hängt hauptsächlich von dem Kontext ab, in dem sie aufwachsen. Erik Erikson glaubte, dass die Reise des Lebens aus acht Phasen oder Zyklen besteht, und dass jede davon von einem bestimmten Konflikt gekennzeichnet ist.

Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit 40 das Gesicht, welches das Leben ihm gegeben hat, und mit 60 das Gesicht, das er verdient.

Albert Schweitzer

erikson

Erikson’s Entwicklungsphasen

Die acht Phasen der menschlichen Entwicklung nach Erik Erikson sind die folgenden:

1. Ur-Vertrauen vs. Ur-Misstrauen (0-1 Jahre)

Neugeborene etablieren eine Beziehung der Abhängigkeit, besonders zu ihren Müttern. Durch sie werden ihre Bedürfnisse vollkommen erfüllt. So eine Zuwendung garantiert, dass sie lernen, zu vertrauen. Das gilt immer dann, wenn man sich stets um ihre fundamentalen Bedürfnisse kümmert.

Mit der Entwicklung ihrer Sinne beginnen sie, ihre Umgebung wahrzunehmen. Dann gehen sie auf Entdeckungsreise. Ihre erste große Errungenschaft ist es, keine Angst in Abwesenheit ihrer Mutter zu spüren, also ihre Angst, von ihr verlassen zu werden, zu überwinden. Sonst wachsen sie auf und werden skeptisch und misstrauisch.

2. Autonomie vs. Scham (1-3 Jahre)

Während dieser Phase entwickelt das Kind die Fähigkeit, sich selbstständig von einem Ort zum nächsten zu bewegen. Zurückzubleiben oder zu weinen ist nun ihre Art, zu versuchen das zu bekommen, was sie wollen. Wenn das Umfeld nicht darauf eingeht, was das Kind braucht, dann werden die Kinder beginnen, an sich zu zweifeln und Angst davor haben, Initiative zu ergreifen.

Der Scham des Kindes drückt sich dadurch aus, nicht gesehen werden zu wollen. Sie verstecken ihre Gesichter, machen Theater und weinen oder drücken ihre emotionale Überlastung auf andere Weise aus. Die leitende Hand sollte stark und gleichzeitig beruhigend sein, sodass sie Autonomie entwickeln können.

3. Initiative vs. Schuldgefühl (3-6 Jahre)

Wenn es eine Sache gibt, die in dieser Phase heraussticht, dann ist es die Initiative des Kindes. Besonders wenn sie spielen, entdecken sie die verschiedenen Rollen der Menschen in der Gesellschaft und erfüllen sie. Das Kind braucht es, sich zu identifizieren und Rollen auszuprobieren. In dieser Phase beinhaltet Initiative auch schon das Planen dieser Rolle, die sie erfüllen werden.

Konkurrenzkampf und Eifersucht können während dieser Phase auch auftreten. Das Kind will als etwas Besonderes behandelt werden und lehnt jeden Moment ab, in dem die Mutter jemand anderem Aufmerksamkeit schenkt. Wenn es keine relativ privilegierte Behandlung erfährt, nährt das Gefühle von Schuld und Angst.

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4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6 Jahre – Pubertät)

Nun wird das Kind eingeschult. Egal ob es sich wohl oder unbefriedigt in der Schule fühlt, erntet das Kind nun Anerkennung für das, was es in dieser neuen Umgebung tut. Es ist in einer Position, sich neues Wissen und Fähigkeiten anzueignen und produktiv zu werden.

Unsere Kultur hat ein hohes Level an Spezialisierung erreicht, was unsere Gesellschaft komplexer gemacht und unsere individuelle Initiative begrenzt hat. Das Risiko, das Kinder in dieser Phase eingehen, ist folgendes: Wenn sie nicht genug Anerkennung bekommen, dann fangen sie damit an, sich fehl am Platz zu fühlen, was zu Minderwertigkeitsgefühlen führen kann.

5. Identität vs. Identitätsdiffusion (Jugendalter)

Diese Phase ist durch Zweifel an allem charakterisiert, auf das sie einmal vertraut haben. Das ist alles Wissen, Können und alle Erfahrungen, die sie gesammelt haben. Diese Zweifel beruhen auf den biologischen Veränderungen, die ihre Körper durchlaufen, und der Persönlichkeitskrise, die davon verursacht wird.

Jugendliche machen sich sorgen über ihr Bild und führen ständige Kriege zwischen dem, was sie bis jetzt getan haben, und dem, was sie in der nahen Zukunft sein werden. Sie kommen mit ihren Identitäten durcheinander, werden idealistisch und sind sehr leicht zu beeindrucken.

Wenn sie diese Phase gut durchlaufen, dann werden sie dazu fähig sein, sich eine solide Identität zu schaffen. Wenn nicht, dann versuchen sie jemand zu sein, der sie nicht sind.

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6. Intimität vs. Isolation

Das ist die Phase, in der sich der junge Erwachsene in der Position befindet, berufliche, emotionale und politische Verpflichtungen einzugehen und im Gegenzug dafür etwas zu opfern und etwas zu erhalten. Wenn er aus Angst nicht dazu fähig ist, diese Beziehungen mit der Welt zu schaffen, dann leidet er später womöglich unter Isolation.

Hier helfen Entscheidungen und Herausforderungen dabei, Stabilität zu erlangen. Es ist auch die Zeit, in der die Konzepte von Familie, Freundschaft und Arbeit gestärkt werden. Im Grunde genommen gehen die Menschen in dieser Phase die letzten Schritte zum Erwachsensein.

7. Generativität vs. Stagnation

Erikson hat Generativität als das Verlangen, in einem reiferen Alter die kommende Generation zu gründen und zu führen, definiert. Wenn das nicht passiert, dann beginnt ein Prozess der persönlichen Stagnation, der mit dem Gefühl, keinerlei Einfluss auf die Zukunft zu haben, einhergeht.

Nur wenn Menschen beides, Scheitern und Triumph, erlebt haben, Ideen verbreitet und diesen Ideen Zeit und Sorgfalt gewidmet haben, dann können sie sagen, dass sie eventuell gereift sind, dass sie Vollkommenheit erlangt haben.

8. Integrität vs. Verzweiflung

Die letzte Phase des Lebens kann entweder friedlich und ruhig oder voller Unruhe und Angst sein. Es kommt alles darauf an, wie wir die vorhergehenden Phasen durchlaufen haben. Im hohen Alter sollte eine Person dazu in der Lage sein, eine weise Beurteilung ihres Lebens anzufertigen, in der das Anerkennen der Realität und ihr Verständnis der Welt Vorrang haben.

Sie werden in dieser Phase Erfülltheit erfahren, wenn sie Überlegung mit Erfahrungen kombinieren können. Wenn es irgendwelche ungelösten Konflikte oder Phasen gibt, die nie überwunden wurden, dann entwickeln sie dagegen oft eine tiefe Angst vor Krankheit, Leid und Tod.