Die 6 Regeln der intelligenten Einfachheit

· 7. Dezember 2018

Yves Morieux ist Berater bei der Boston Consulting Group und Professor an verschiedenen Universitäten auf der ganzen Welt. Er hat Unternehmen und ihr Arbeitsumfeld genauer beobachtet. In den letzten Jahren konzentrierte sich seine Forschung auf die Frage, warum es in Unternehmen so viel Unproduktivität und mangelndes Engagement gibt. Seine Überlegungen führten ihn dazu, das Konzept der „intelligenten Einfachheit“ zu entwickeln.

Intelligente Einfachheit ist definiert als die Fähigkeit, komplexe Probleme in konkrete und leicht verständliche umzuwandeln, für die dann Lösungen gefunden werden. Yves Morieux hat dieses Konzept entwickelt, um die Probleme der Zusammenarbeit und Integration in Unternehmen zu lösen. Wir können diese Idee jedoch auf alle Arten von Gruppen und ihre einzelnen Akteure anwenden.

„Der Fehler ist nicht das Scheitern, sondern das Versagen, um Hilfe zu bitten.“

Jorgen Vig Knudstorp

Die sechs Regeln der intelligenten Einfachheit sind Richtlinien, mit denen Unternehmen und Gruppen bessere Ergebnisse in der Teamarbeit erzielen können. Sie sind besonders darauf ausgerichtet, das Arbeitsklima, die Motivation und die Solidarität unter den Arbeitnehmern bzw. Gruppenmitgliedern zu verbessern. Dies wiederum sind Faktoren, die die Produktivität und das Engagement erhöhen.

Schauen wir uns an, wie diese Schritte im Einzelnen aussehen.

1. Verstehen, was andere tun – die Grundlage der intelligenten Einfachheit

Wenn in Unternehmen jeder Arbeitnehmer weiß, was genau seine Kollegen machen, kann er sie auch besser verstehen. Dieses Wissen beschränkt sich nicht nur auf eine grobe Vorstellung von dem, was die Arbeitsaufgabe des Kollegen ist. Jeder muss die Komplexität der Rollen verstehen, die seinen Arbeitskollegen zufällt.

Arbeitnehmer arbeiten nach dem Prinzip der cleveren Simplizität

Wir können diese Regel der intelligenten Einfachheit auch auf andere Gruppen und persönliche Beziehungen anwenden. Das bedeutet, dass wir uns in die Lage einer anderen Person versetzen müssen, wenn wir sie verstehen wollen. Wir müssen die Situation dieser Person in ihrer ganzen Komplexität erfassen und dürfen nicht oberflächlich bleiben.

2. Stärkung der Koordinatoren

Die Stärkung der Koordinatoren am Arbeitsplatz bedeutet, Führungskräften oder Chefs mehr Macht und Autonomie zu geben. Dann können diese sich entscheiden, ohne komplizierten Kontrollprotokollen oder Prozeduren folgen zu müssen. Dies ist besonders wichtig bei Entscheidungen, die mit der Zusammenarbeit zu tun haben.

Wir können dieses Prinzip der intelligenten Einfachheit auch in unserem persönlichen Leben anwenden. Wenn wir nämlich die Entscheidungen derjenigen erleichtern, die eine größere Fähigkeit haben, Interessen miteinander in Einklang zu bringen, dann können Konflikte vermieden werden.

3. Mitspracherecht aller Mitglieder erhöhen

Wenn Arbeitnehmer mehr Mitspracherecht in einer Firma haben, reagieren sie mit einem größeren Maß an Engagement. Daher fordert die intelligente Einfachheit, dass Führungskräfte die Fähigkeit ihrer Mitarbeiter stärken. Dies wird sie ermutigen, ihre eigene Kreativität zur Problemlösung zu nutzen.

Mehrere Mitarbeiter sitzen an einem Tisch und tauschen Ideen aus.

Diese Idee kann auch auf das Familien- und Paarleben angewendet werden. Jedes Familienmitglied bzw. jeder Partner sollte einen Bereich für sich haben, in dem auch bestimmte Aufgaben erledigt werden. Dadurch wird eine höhere Akzeptanz geschaffen.

4. Erweitern wir den „Schatten der Zukunft“

Yves Morieux entwickelte ein interessantes Konzept, das er „Schatten der Zukunft“ nennt. Diesem Konzept zufolge sollten wir in regelmäßigen Abständen Feedback geben und erhalten. Diese Prozesse sollten zyklisch angelegt werden und am Ende dieser Zyklen sollten wir die Konsequenzen unseres Handelns bewerten können.

Feedback ist sowohl in der persönlichen als auch in der beruflichen Welt unerlässlich. Es fördert die intelligente Einfachheit, wenn alle dazu verpflichtet werden. Es hilft auch, Verhaltensweisen in unserem Leben zu identifizieren, die Probleme verursachen.

5. Austausch erhöhen

Wir sollten die Autonomie fördern, aber auch den Austausch. Autonomie ist nicht Autarkie. Wir brauchen andere sowohl bei der Arbeit als auch in unserem persönlichen Leben. Es gibt jedoch Hindernisse, die die Zusammenarbeit erschweren können.

Diese mentalen und manchmal materiellen Barrieren erschweren die Anwendung der Strategien der intelligenten Einfachheit. Aber unser gesunder Menschenverstand sagt uns, dass im Rahmen der Zusammenarbeit unsere Beziehungen gestärkt werden. Teamarbeit verbessert das Umfeld. Kooperative Kulturen funktionieren effizienter und erlangen ein größeres emotionales Wohlbefinden.

6. Belohnen wir diejenige, die zusammenarbeiten

Solidarität ist sehr wichtig für das Erreichen gemeinsamer Ziele. Daher muss eine Eigenschaft wie Kooperation gefördert werden. Wir können das tun, wenn wir die Leistung anderer anerkennen. Dies ist notwendig, um die Zusammenarbeit in unserer Kultur, Familie, Beziehung usw. zu verstärken.

Zeichnung einer Gruppe von Figuren, die zusammen stehen.

Diese Regel basiert auf der Idee, dass wir Schwierigkeiten oder Konflikte besser gemeinsam als allein lösen können. Wenn wir kooperieren, werden die Ergebnisse besser ausfallen. Deshalb ist Solidarität ein wichtiger Wert, um das Miteinander zu stärken und zu fördern.

Zusammenfassend sei gesagt, dass die Regeln der intelligenten Einfachheit das Ergebnis zahlreicher Studien und Überlegungen sind. Sie wurden getestet und haben sich als wirksam erwiesen. Denn so erreichen wir das, was uns wichtig ist, sowohl am Arbeitsplatz als auch in unserem Privatleben: Wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren und den Rest loslassen.