Die 4 Traueraufgaben nach William Worden

Der Trauerforscher William Worden hat ein Modell mit vier Traueraufgaben entwickelt, um Menschen nach dem Verlust einer geliebten Person zu helfen, ihre neue Situation zu akzeptieren und in die Zukunft zu blicken.
Die 4 Traueraufgaben nach William Worden

Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2021

Die vier Traueraufgaben nach William Worden entstanden aus dem Wissen, dass Trauer ein aktiver Prozess ist, der die Abarbeitung verschiedener Aspekte erfordert. Viele andere Modelle teilen den Trauerprozess in Phasen ein, die Betroffene durchlaufen müssen. Dies ist jedoch nicht unbedingt positiv, da Trauernde dabei eine passive Rolle annehmen und den Ablauf der verschiedenen Phasen ohne ihr eigenes Zutun vollziehen.

Der Trauerforscher William Worden hat deshalb die Methode der vier Traueraufgaben entwickelt, um diese schwierige Situation aktiv zu durchleben und einfacher bewältigen zu können. Damit kann der Trauerprozess auf eine gesunde Weise erfolgen, ohne chronische Schmerzen zurückzulassen. 

Ich will nicht sagen: Weint nicht; denn nicht alle Tränen sind ein Übel.

J.R.R. Tolkien

Eine Frau, die eine andere tröstet


Verlust

Wir erleben im Laufe des Lebens verschiedenste Arten von Verlusten, die nicht immer negativ belastet sind. Einige Beispiele dafür sind folgende: 

  • Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen
  • Verminderte Funktionalität durch den Verlust geistiger oder körperlicher Fähigkeiten
  • Verluste im beruflichen Umfeld, zum Beispiel eine Kündigung
  • Durch Krieg oder Naturkatastrophen verursachte Schäden oder Verluste
  • Verluste materieller Dinge, beispielsweise durch Diebstahl
  • Trennung oder Scheidung

Trauer

In der Trauerphase müssen betroffene Menschen lernen, sich an ihr neues Leben anzupassen. Wenn es sich um den Verlust einer geliebten Person handelt, verändert sich das Leben und die Person durchläuft intensive Emotionen. 

William Worden hat ein Modell mit spezifischen Traueraufgaben entwickelt, um den Prozess zu vereinfachen. Dabei geht es um eine aktive Rolle, die jedoch nicht im Widerspruch zur Idee des Trauerprozesses steht, der Zeit braucht.

Die vier Traueraufgaben nach William Worden

Die Aufgaben reichen vom Akzeptieren der Realität bis zur Anpassung an die neue Situation. Trauer ist ein Prozess und kein Zustand, daher fördern die Aufgaben die kognitive Verarbeitung, die den Umgang mit dem Verlust erleichtern.

1. Traueraufgabe nach William Worden: Den Verlust als Realität akzeptieren

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, entsteht das Gefühl der Unwirklichkeit. Die erste Aufgabe ist deshalb, sich dem Tod dieser Person zu stellen und zu akzeptieren, dass sie nicht mehr da ist. Trauernde Personen stellen sich oft vor, dem geliebten Menschen auf der Straße zu begegnen oder sie reservieren weiterhin einen Platz für die Person, wenn sie in ein Restaurant gehen. In anderen Fällen erschwert der Glaube an die Reinkarnation die Akzeptanz der neuen Situation.

2. Traueraufgabe nach William Worden: Die Verarbeitung des Schmerzes nach William Worden

Der körperliche und emotionale Schmerz in einem Trauerprozess ist real. Wenn dieser Schmerz nicht erkannt wird, können physische oder psychische Probleme entstehen. Nicht jeder Mensch erlebt Trauer mit der gleichen Intensität, manche empfinden keinen Schmerz, sondern nur Leere.

Wenn die trauernde Person nicht fähig ist, den Verlust zu akzeptieren und den Schmerz zu verarbeiten, ist die  psychologische Unterstützung eines Experten zu empfehlen.

3. Traueraufgabe nach William Worden: Die Anpassung an die neue Situation ohne die geliebte Person

Die Anpassung an die neue Situation ohne den geliebten Menschen erfordert die Verarbeitung verschiedener Aspekte. Die trauernde Person muss eventuell verschiedene Aufgaben und Rollen selbst übernehmen, was im Alltag oft schwierig ist.

Sie muss ihre eigene Identität neu definieren und sich weiterentwickeln, was gleichzeitig neue Chancen und  Lebensmöglichkeiten bedeutet. Die zurückgebliebene Person muss sich in ihrer neuen Rolle zurechtfinden und vielleicht neue Aufgaben übernehmen, die sie sich nie zugetraut hätte. Dies kann ihr Selbstwertgefühl stärken und ihr weiterhelfen.

Eine trauernde Frau

4. Traueraufgabe nach William Worden: Die Beziehung zu der verstorbenen Person im neuen Leben

Die vierte Traueraufgabe nach William Worden beschreibt die Notwendigkeit, eine dauerhafte Verbindung mit dem verstorbenen Menschen zu finden. Es geht um gemeinsame Erinnerungen, jedoch auch um den Aufbruch in ein neues Leben.

Dies ist eine der schwierigsten Aufgaben, doch sie ist wichtig, um nicht in der Vergangenheit zu verweilen. Wenn die trauernde Person nicht selbst in der Lage ist, Erinnerungen zu bewahren, aber trotzdem loszulassen und in die Zukunft zu blicken, kann eine psychologische Intervention notwendig sein. Es geht darum, positive Gedanken an die verstorbene Person zu bewahren, sich jedoch an das neue Leben anzupassen, ohne an psychologischen Problemen zu leiden.

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