Die schmerzhafte Trauer um eine vermisste Person

03 November, 2020
Die Trauer um eine vermisste Person führt zu einem Schmerz, bei dem die Realität einer Person schwer zu erklären und zu verstehen ist. Es ist eine Art von Leiden, bei dem Worte nicht erklären können, was ein Mensch empfindet.

Die Trauer um eine vermisste Person ist wirklich extrem schwer, denn sie wird auch von einem Gefühl der Leere begleitet. Eine Leere, die so tief ist, dass du deine Ziele und den Sinn des Lebens neu überdenkst. Trauer ist bei einem Verlust normal. Aber was passiert, wenn dieser Schmerz sehr intensiv ist und immer wieder kommt und geht? Der Schmerz, nicht zu wissen, was mit einer vermissten Person passiert ist, hat enorme Auswirkungen auf die Angehörigen. Mit diesem Thema wollen wir uns in unserem heutigen Artikel eingehender befassen.

Zunächst einmal ist Trauer eine Reihe von Phänomenen, die nach einem Verlust auftreten. Sie gehen über das Psychologische hinaus, denn sie umfassen auch physische, anthropologische, wirtschaftliche, soziale und spirituelle Aspekte. Ein Verlust ist „ein Entzug oder Mangel an Menschen, Dingen oder mentalen Repräsentationen, der affektive, kognitive und Verhaltensreaktionen in Gang setzt“ (Tizón, 2013).

vermisste Person - trauernde Frau

Trauer um eine vermisste Person

Menschen trauern, wenn es zu einer plötzlichen und unerwarteten Trennung von einem geliebten Menschen kommt. Obwohl verschiedene Gründe zu diesem Verschwinden geführt haben können, sind die immensen Auswirkungen doch stets die gleichen. Das liegt daran, dass die Stille und der Mangel an Informationen jene Menschen verfolgen, die den vermissten Menschen am nächsten stehen. Es ist eine quälende Ungewissheit.

Wenn ein Mensch verschwindet, versucht die Familie oft, den Schritten des geliebten Menschen zu folgen, um Hinweise darauf zu bekommen, wo die vermisste Person sein könnte. Aber manche Bemühungen könnten sogar gegen Gesetze verstoßen und letztendlich gibt es keine Möglichkeit, die Wahrheit herauszufinden. Darüber hinaus könnte es sogar gefährlich sein, wenn du dich auf eigene Faust auf die Suche machst und keine staatliche Unterstützung erhältst.

Wenn ein Mensch spurlos verschwindet, ist es praktisch nicht möglich, zu wissen, ob die vermisste Person noch am Leben ist oder nicht. Genau diese Situation macht es auch so schwer zu trauern. Eine der am häufigsten gestellten Fragen im Trauerprozess um eine vermisste Person ist folgende: Wie kann ich den Verlust eines geliebten Menschen akzeptieren, wenn ich noch nicht einmal weiß, was mit ihm geschehen ist?

Warum sprechen wir über unterbrochenen Schmerz?

Die Trauer um eine vermisste Person führt zu einem unterbrochenen Schmerz, weil er sich immer wieder einmal abschwächt und du neue Hoffnung schöpfst, diesen Menschen wiederzufinden. Es ist, als würdest du inmitten eines Sturmes ein Licht sehen, das dir sagt, dass du nicht aufgeben sollst und dieser Mensch zurückkommen wird.

Daher ist es eine Art intermittierender Schmerz, er wird schwächer und lässt für eine Weile nach. Dies geschieht aufgrund der Angst, die du um diesen geliebten Menschen hast, die dich von ihm fernhält und dich ihm gleichzeitig auch ganz nahe sein lässt. Dennoch ist diese Situation sehr schwer, denn der Schmerz ist nach wie vor noch da, er “pausiert” nur für eine kurze Weile. Darüber hinaus führt dieses permanente Wechselbad der Gefühle zu extremem Stress und Ängsten, die nicht vorübergehen.

Das quälende Gefühl der Unsicherheit bleibt, wenn du um eine vermisste Person trauerst. Besonders, wenn es ein erzwungenes Verschwinden war. Es führt zu unendlich großem Leid, einem Schmerz, den du überhaupt nicht in Worte fassen kannst. Es ist ein Schmerz, mit dem du nicht umgehen kannst, weil dieser Verlust so anders ist als alles, was du bisher erlebt hast.

Trauer um eine vermisste Person – wie man mit dieser Situation umgehen kann

Wie soll man den Verlust eines Menschen akzeptieren, der möglicherweise wiederkommt? Welche Worte könnten diesen unglaublichen Schmerz beschreiben? Wie kannst du mit diesem Gefühl der Leere fertig werden?

Menschen erleben während ihres Lebens verschiedene Arten von Trauer. Manche sind die natürliche Folge einer Veränderung deines Lebenszyklus. Allerdings gibt es auch jene Arten, von denen du dir überhaupt nicht vorstellen konntest, dass sie existieren. Die Wahrheit ist, dass es eine immense Herausforderung ist, sich derartigen Schmerzen zu stellen. Aber selbst wenn du um eine vermisste Person trauerst, gibt es Möglichkeiten, wie du lernen kannst, besser damit umzugehen.

Trauer besteht nach Aussagen von Jorge L. Tizón, einem Mann, der sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat, aus “den psychologischen Prozessen zugunsten der Akzeptanz der neuen internen und externen Realität der betroffenen Person”.

In der Theorie gibt es mehrere Phasen, die trauernde Menschen durchlaufen. Allerdings unterscheidet sich die Trauer um eine vermisste Person so stark von anderen Arten der Trauer, dass du nicht immer diesem typischen Prozess folgen kannst.

Wenn ein trauernder Mensch die sterblichen Überreste des geliebten Menschen vor sich hat, kann er beginnen, diesen Verlust zu akzeptieren. Er wird dadurch greifbarer. Aber wenn ein Angehöriger vermisst wird, fehlt dies den Hinterbliebenen. Daher könnte es sogar sein, dass sie Schuldgefühle entwickeln, weil sie vermuten, dass der geliebte Mensch nicht mehr lebt. Obwohl darüber keine Gewissheit besteht. Möglicherweise haben sie sogar das Gefühl, dass sie den geliebten Menschen durch ihre Trauer “töten”.

vermisste Person - weinende Frau an der Schulter eines Mannes

Was ist mit diesem Menschen geschehen?

Die Familienangehörigen einer vermissten Person bestehen darauf, an diesen Menschen zu denken, als wäre er noch am Leben. Zumindest sagt das Ramírez Guerrero y Salvador in einem Artikel, der im Jahr 2014 in der Revista Internacional de Buena Consciencia veröffentlicht wurde. Allerdings verhindert diese Situation, dass die Angehörigen ihre Trauer überwinden können.

Aber wie kann man denn überhaupt mit dieser Trauer fertig werden? Oftmals ist es sehr schwierig, Dinge in Worte zu fassen, die einem große Schmerzen und Kummer bereiten. Daher könnte es hilfreich sein, wenn du andere Kommunikationsformen ausprobierst. Kunst zum Beispiel.

Der Grund ist, dass du sie als Mittel nutzen kannst, um Informationen auf andere Weise zu übermitteln. Eine, in der dein Unbewusstsein an die Oberfläche kommen kann. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, dass du dir Zeit nimmst und einen Tag nach dem anderen bewältigst und dir darüber bewusst wirst, was geschieht. Im Laufe der Zeit wirst du Symbole finden, die du dann irgendwann auch in Worte fassen kannst.

Außerdem kannst du dich auf Resilienz stützen. Sie besteht darin, das zu überwinden, was dich belastet. Dazu musst du einen Sinn in deinem eigenen Leben finden. Aber du musst nicht damit aufhören, diesen Menschen zu lieben oder zu vermissen. Dennoch ist es wichtig, dass du das “Hier und Jetzt” wahrnimmst und versuchst, weiterzugehen. So wird die Situation weniger schmerzhaft sein. Darüber hinaus kannst du natürlich auch jederzeit psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Abschließende Gedanken

Die Trauer um eine vermisste Person ist keine einfache Aufgabe. Dieser Schmerz lässt sich nur sehr schwer in Worte fassen. Dennoch kannst du ihn benennen, wenn du daran arbeitest. Dazu gehört, dass du den Verlust akzeptieren lernst und gleichzeitig deine Erinnerungen und gemeinsamen Erfahrungen mit diesem Menschen nicht verdrängst. Resilienz ist ein sehr hilfreicher Schutz, um mit dieser Situation fertigzuwerden. Und Kunst kann ein großartiges Instrument sein, das die Brücken baut, die deinem Leben und deinem Schmerz einen Sinn geben.

Ramírez Guerrero, E.S. (2014). El trabajo de Duelo Frente a Personas Desaparecidas. Análisis de Caso. International Journal of Good Conscience.

Tizón, J. L. (2004). Pérdida, pena, duelo. Vivencias, investigación y asistencia, (12). Madird: Grupo Planeta.