Die Realität akzeptieren: Warum das so wichtig ist

28 September, 2020
Wenn dir eine Situation oder eine Sache nicht gefällt, hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Du kannst sie entweder verändern oder du kannst diese Realität akzeptieren. Allerdings ist die zweite Option manchmal die einzige, die sich dir tatsächlich bietet.

Wenn du mit etwas konfrontiert wirst, was dir nicht gefällt, kannst du auf unterschiedliche Weise darauf reagieren. Du kannst dich über dein Unglück beklagen, daran arbeiten, die Situation zu verändern oder diese Realität akzeptieren und versuchen, bestmöglich damit umzugehen, damit sie dich nicht permanent gedanklich beschäftigt.

Vielleicht wirst du darüber sprechen oder dich dazu entscheiden, die Situation einfach zu ignorieren. Du kannst sie in deinen Gedanken akzeptieren oder jeden Menschen, der darüber spricht, aus deinem Gedächtnis streichen. Wie du dich auch entscheidest, eines steht fest: Irgendwann musst du die Realität akzeptieren. Häufig führt daran kein Weg vorbei.

Mit anderen Worten, einige Dinge in deinem Leben werden weiterhin existieren, ob du sie nun magst oder nicht. Um zu vermeiden, dass sie sich negativ auf dein Wohlbefinden auswirken, besteht deine einzige Option letztendlich darin, zu lernen, damit zu leben. Vermutlich hast du schon Übung und Erfahrung damit. Wenn wir Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und pflegen, bedeutet das immer auch, dass wir gewisse Eigenheiten akzeptieren müssen, die wir nicht unbedingt schätzen.

Realität akzeptieren - Frau blickt aus dem Fenster

Du kannst die Realität akzeptieren, indem du Unvollkommenheit akzeptierst

Wenn du dich großzügig und idealistisch fühlst und einen guten Tag hast, wirst du dich glücklich schätzen, einen Fehler gemacht zu haben. Denn ohne Fehler kannst du nicht lernen oder vorankommen. Gestern hast du es vermasselt, aber heute wirst du glänzen.

Sicherlich, das hört sich wunderbar an. Aber wie oft hast du dich schon über deine eigene Vergesslichkeit geärgert? Wie viele Gläser hast du schon aufgrund deiner Ungeschicklichkeit zerbrochen? Du hast die Größe einer Parklücke falsch eingeschätzt und das Auto hinter dir angefahren. Dein Arzttermin war nicht diese, sondern erst nächste Woche…

Es ist vollkommen egal, wie sehr du dich über diese Situationen und über dich selber ärgerst und wie viel Zeit und Energie du in die Frustration darüber investierst. Fakt ist, dass du in deinem Leben immer wieder solche scheinbar dummen Fehler machen wirst. Allerdings geht es hierbei nicht darum, dass du aus ihnen große Lehren für dein Leben ziehen kannst. Hierbei handelt es sich schlichtweg um Dinge, die einfach passieren. Und diese Realität musst du akzeptieren.

Erwartungen

Nur selten entwickeln sich die Dinge genauso, wie du sie dir in deinem Kopf ausgemalt hast. Keine noch so akribische Planung kann dich auf IRGENDEINE unvorhergesehene Situation vorbereiten. Wenn du dir eine Liste mit allen Dingen machst, die möglicherweise passieren könnten, wird der letzte Punkt immer “unter anderem” lauten.

Daher lohnt sich das einfach nicht. Wenn du übermäßig vorsichtig oder zurückhaltend bist, nur um bestimmte Ereignisse zu vermeiden, übersiehst du dabei eine einfache Realität: Die meisten Umstände sind unvorhersehbar.

Daher bürdest du dir bei dem Versuch, immer und auf alles vorbereitet zu sein, eine extrem schwere Last auf. Außerdem führt dieses Verhalten dazu, dass du nur langsam und behäbig reagierst, obwohl du eigentlich dynamisch und flexibel agieren müsstest. Die Geschichte der Menschheit hat uns eines immer wieder gelehrt: Beständigkeit ist die Ausnahme und nicht die Regel.

Allerdings kannst du natürlich auch nicht einfach all deine Erwartungen über Bord werfen und ausradieren. Genauso wenig kannst du vermeiden, dass du einen ersten Eindruck gewinnst und gewisse Vorurteile hast (wie beispielsweise den Halo-Effekt). Denn deine Erwartungen bestimmen natürlich verschiedene Elemente deiner Psyche, darunter so wichtige wie deine Selbstwirksamkeit oder deine Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

Realität akzeptieren: Wir arbeiten oft nur mit dem, was wir selber wahrnehmen

Eine Statue ist nicht hässlich. Ein Mensch ist nicht per se ehrlich oder ein Lügner. Obwohl er oder sie sich möglicherweise in den meisten Fällen so verhält, bedeutet das aber nicht automatisch, dass dieser Mensch immer und in jeder Situation so handelt. Oder dass er sein Verhalten nicht auch an das jeweilige soziale Umfeld anpassen würde. Tatsächlich verhalten wir uns alle manchmal so, aber das bedeutet nicht automatisch, dass wir egoistisch oder heuchlerisch sind.

Wenn du auf dem Bildschirm ein Foto betrachtest, können zwei Punkte näher oder weiter voneinander entfernt sein, je nachdem, wie stark du das Bild vergrößerst. Je nach Perspektive und Zoom können Hamburg und Wien sehr nahe beieinander oder auch sehr weit voneinander entfernt sein.

Der Vorteil bei einer geographischen Betrachtung ist der, dass wir beide uns darauf einigen können, denselben Bezugspunkt und einen absoluten Wert zu nutzen. Dann wird unsere persönliche Meinung dabei keine Rolle spielen. Allerdings wird es weitaus schwieriger, wenn wir versuchen, diese Methode in die Welt der Psychologie zu übertragen. Stelle dir beispielsweise vor, dass Hamburg und Wien sich permanent bewegen, wodurch sich die Entfernung zwischen ihnen fortlaufend verändert.

Was würdest du in diesem Fall als Referenzpunkt nutzen? Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre der einzige Bezugspunkt das, was du in diesem Moment auf deinem Bildschirm siehst. Warum? Weil es sehr bequem ist, nur auf der Basis deiner eigenen Wahrnehmung und Perspektive zu handeln und dabei nur die Informationen zu nutzen, die dir in diesem bestimmten Moment zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten, du arbeitest häufig mit einem Standbild, obwohl du eigentlich viel lieber 360-Grad-Videos haben wolltest. Allerdings ist das nicht möglich und somit nur ein weiteres Beispiel dafür, dass du die Realität akzeptieren musst.

Realität akzeptieren - Blick durch ein Brillenglas

Du vergisst manche Dinge und auch das musst du akzeptieren

Es liegt mir auf der Zunge… Das Wort, an das ich mich zu erinnern versuche, ist wie eine Insel. Ich weiß genau, wo sie liegt, aber ich kann die Brücke nicht finden, die mich zu diesen wunderschönen Stränden bringen könnte. Ich kenne die Bedeutung des Wortes, weiß genau, wann ich es das letzte Mal verwendet habe, welchen Anfangs- oder Endbuchstaben es hat. Obwohl ich mich an all diese Details erinnere, fällt mir dieses Wort einfach nicht ein.

Du erkennst dieses Gesicht in der Warteschlange und weißt auch, dass ihr zusammen zur Schule gegangen seid. Aber wie heißt dieser Mensch? Er hat gleich neben Johannes gesessen und der Mathematiklehrer hat ihn im Unterricht immer mit seinem Namen angesprochen. Du siehst, das ist eine weitere Realität, die du akzeptieren musst: diese leicht anarchistische Art und Weise, wie dein Gedächtnis funktioniert.

In diesem Artikel sind wir nur auf einige der Realitäten eingegangen, die du akzeptieren musst. Wenn diese Dinge passieren, können sie sehr frustrierend und ärgerlich sein. Welche würdest du auf deiner Liste ergänzen und warum?