Intelligente Menschen lernen aus den Fehlern anderer

8. Juni 2017 en Psychologie 286 Geteilt

Die Idee, dass wir aus unseren Fehlern lernen, ist fast eine absolute Wahrheit, vor allem, wenn wir jederzeit gründlich beobachten, analysieren und gleichzeitig auf unsere Intuition hören. Deshalb sagt man auch, dass wir es vermeiden müssen, einen Fehler nochmals zu begehen, wenn wir einmal aus ihm gelernt haben.

In diesem Sinne ist es ein Leichtes, unsere eigenen Fehler zu erkennen. Aber was ist mit den Fehlern anderer? Das Leben ist kurz und wir haben nicht genug Zeit, alle Fehler selbst zu begehen. Warum also nicht auf die Fehler anderer achten, um zu verhindern, dass wir sie selbst begehen? Dabei geht es nicht nur um Zeit, sondern auch darum, die negativen Konsequenzen diesen Fehlers zu vermeiden.

Ein Fehler, aus dem du nichts lernst, ist ein Fehler, den du wieder begehen wirst

Von Geburt an beginnen wir uns darüber bewusst zu werden, dass Misserfolge auf lange Hinsicht ein Weg zur Wahrheit sind. In den ersten Jahren unseres Lebens versagen wir häufig, aber wir lernen, die Früchte dieses Versagens zu ernten, die einen intensiven und fortwährenden Geschmack haben. In höherem Alter werden die Konsequenzen zwar komplizierter, machen aber den Prozess deshalb nicht ungültig.

Diese Konsequenzen sind ebenfalls eng verbunden mit der positiven Seite, die wir aus diesen Ereignissen ziehen können. Das bedeutet, dass die Fehler mit den negativsten Folgen meist auch jene sind, welche die Kraft haben, uns zu verändern. Wir sollten also nicht vergessen, dass es gerade das Hinnehmen der Konsequenzen sein kann, das uns eine große Lektion ist, nicht nur der Fehler an sich.

„Fehler“, sagte er mit Nachdruck, „sind mir auch wichtig. Ich streiche sie nicht aus meinem Leben oder Gedächtnis. Und ich gebe nie anderen die Schuld dafür.“

Andrzej Sapkowski

Wir lernen, unsere schlechten Erfahrungen in einer Kiste wegzusperren, auf der steht „nicht wiederholen“. Trotzdem entkommen diese fehlerhaften Strategien zum Glück manchmal aus der Kiste: nur weil sie unter bestimmten Umständen nicht funktioniert haben, heißt das nicht, dass das unter anderen Umständen auch so ist. Vielleicht sind wir mit 18 noch nicht bereit, unser eigenes Unternehmen zu gründen, aber mit 30 sind wir es. In der Zwischenzeit haben wir Erfahrungen gesammelt und aus den richtigen und falschen Entscheidungen, die unsere Chefs mittlerweile getroffen haben, gelernt.

Aufmerksam bleiben ist eine Verteidigungsstrategie

Jemand hat einmal gesagt, dass man alle Menschen in drei große Gruppen unterteilen kann: eine, die aus ihren Fehlern lernt; eine, die das nicht nur mit ihren eigenen, sondern auch mit den Fehlern der anderen macht; und eine, die keines von beidem tut.

Es ist gut, zu dieser zweiten Gruppe zu gehören, ganz besonders, weil es die Wahrscheinlichkeit verringert, dass wir in einen Brunnen fallen, nur um zu beweisen, dass er da ist. Aufmerksam zu verfolgen, was um uns geschieht, ist eine Verteidigungsstrategie, die uns vor vermeidbarem Leid bewahrt.

„Denn wir alle sind verantwortlich für unsere Fehler, und die Verbindung zu diesen Fehlern ist manchmal stärker als alles andere.“

Belén Gopegui

Andere bringen uns konkret etwas über Situationen bei, ohne dass wir sie selbst erleben müssen. Indem wir unser inneres Auge benutzen, sind wir in der Lage, ihnen mit Empathie und Bescheidenheit zu begegnen, ohne sie zu verurteilen oder kritisieren. Wir können dies auf eine sensible und vorsichtige Weise tun, indem wir uns auch die möglichen Konsequenzen überlegen, die aus einer alternativen Handlung gefolgt wären.

Es gibt immer etwas dazuzulernen

Welche Gründe kann es außerdem geben, auf das Verhalten der anderen zu achten? Vielleicht ist der wichtigste Grund der, dass es immer etwas Neues gibt, das man lernen kann. In diesem Sinne ist das Leben ein steter Lernprozess.

Diese Möglichkeit, zu lernen, ist eines der Geschenke des Lebens. Lernen ist außerdem neben dem Vergnügen, das es mit sich bringt, das aber nur einige für sich entdecken, eine pragmatische und intelligente Tätigkeit. Vielleicht beseitigt es nicht alle Hindernisse auf unserem Weg, aber wir werden dadurch in der Lage sein, einige von ihnen zu erkennen und zu umgehen.

„Wir sollten uns dafür entscheiden, das meiste Gelernte zu vergessen und zu lernen, was uns nicht beigebracht wurde.“

Ronald Laing

Deshalb ist es essenziell, dass wir zu jenen weisen Menschen gehören, die von den guten Dingen, die uns das Leben zu bieten hat, profitieren. Zu leben, ohne auf seine eigenen oder die Fehler anderer zu achten, ist wirklich keine clevere Art, durch die Welt zu gehen.

Auch interessant