Der Zulliger-Test für die Personalauswahl

23 Oktober, 2020
Der Zulliger-Test besteht aus drei verschiedenen Tintenklecksbildern, anhand derer Psychologen die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen und dessen psychische Gesundheit bewerten. In Unternehmen wird dieser Test häufig bei der Einstellung neuer Mitarbeitender eingesetzt.

Der Zulliger-Test, kurz auch Z-Test genannt, ist ein projektiver Test, der im Jahr 1942 entwickelt wurde. Auf den ersten Blick könntest du ihn leicht mit dem Rorschach-Test verwechseln, den die meisten Menschen kennen. Allerdings ist der Zulliger-Test anders aufgebaut und bietet gegenüber seinem berühmten “Cousin” einige Vorteile. Denn er ist wesentlich einfacher durchführbar und seine Interpretationsparameter sind schneller.

Dennoch verfolgt auch dieser Test die gleichen Ziele wie jedes andere projektive Testverfahren: Er beschreibt die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen mittels eines psychoanalytischen Ansatzes. Infolgedessen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass dieser Test zahlreiche Kritiker hat. Allerdings macht ihn das nicht weniger interessant. Denn einer seiner häufigsten Anwendungsbereiche ist die Auswahl möglicher Kandidaten im Einstellungsprozess von Unternehmen.

Ein positiver Aspekt dieses Tests, der ihn von anderen projektiven Tests wie dem Test zum Zeichnen einer Person im Regen, dem Baum-Test und dem Murray-Test abhebt, ist, dass verschiedene Daten seine Gültigkeit bestätigen. Statistische Studien dieses Tests verleihen ihm eine Validität, die ihn für die Personalabteilung zu einem nützlichen Instrument macht.

Zulliger-Test - Menschen vor einer Zielscheibe

Der Zulliger-Test: Was er bewertet und wie Arbeitgeber ihn nutzen

Es ist kein Zufall, dass dich der Zulliger-Test an den Rorschach-Test erinnert. Der Schweizer Psychiater Hans Zulliger, der diesen Test entwickelte, war einer von Hermann Rorschachs Schülern. Außerdem ist Dr. Zulliger bekannt für seine einflussreiche Arbeit als Kinderpsychoanalytiker und als Förderer der psychoanalytischen Pädagogik.

Vor dem Höhepunkt seiner Karriere arbeitete er einige Jahre mit Rorschach zusammen. Sein Ziel war es, mittels des klassischen Tintenkleckstestes ein tieferes Verständnis der menschlichen Persönlichkeit zu erlangen. Außerdem trug ein weiterer externen Faktor zur Entwicklung seiner beruflichen Karriere bei: der Zweite Weltkrieg. Als der Krieg begann, suchte die Schweizer Armee nach einem Test für die Rekrutierung und Hans Zulliger wurde mit dieser Aufgabe betraut.

Daraufhin führte Zulliger Intelligenztests, Persönlichkeitstests und auch Rorschach-Tests durch. Allerdings erkannte er, dass die Tintenkleckstests viel zu komplex waren, um sie effizient nutzen zu können. Denn das Militär benötigte zu jener Zeit einen effektiven, schnellen und einfach zu verwaltenden Test, der mit durchschnittlich 30 Personen zur gleichen Zeit durchgeführt werden konnte.

Er brauchte nicht sehr lange, um ein neues Testverfahren zu entwickeln, den sogenannten Zulliger-Test. Und mit diesem werden wir uns nachfolgend etwas eingehender beschäftigen.

Was bewertet der Zulliger-Test?

Der Zulliger-Test ist ein projektiver Test. Was genau bedeutet das? Es handelt sich um ein Instrument, das viele subjektive Antworten liefert. Die Antworten entstehen aufgrund von Reizen, die die Vorstellungskraft, Sensibilität, Wünsche, Persönlichkeitsmerkmale usw. des Probanden anregen.

  • Was diesen Test von anderen derartigen Verfahren unterscheidet, ist seine Validität und die einfache Anwendung.
  • Denn Zulliger hat einen Test entwickelt, mit dem es sehr schnell möglich war, festzustellen, ob ein Mensch psychische Probleme hatte oder nicht. Außerdem half sein Test auch dabei, festzustellen, ob ein Kandidat über die erforderlichen Fähigkeiten für bestimmte Rollen im Militär verfügte.
  • Darüber hinaus konnten anhand des Zulliger-Tests auch individuelle mentale Prozesse bewertet werden: die Ängste, die soziale Anpassungsfähigkeit, die emotionale Welt und die Selbstkontrolle eines Probanden.
  • Und noch heute nutzen viele Personalabteilungen den Zulliger-Test in ihren Auswahlprozessen für die Einstellung neuer Mitarbeitender.

Wie funktioniert dieser Test?

Der Test kann individuell oder in einer Gruppe durchgeführt werden. In beiden Fällen werden dem Probanden drei Tintenklecksbilder vorgelegt. Die Person, die den Test leitet, erklärt, dass die Bilder keine spezielle Bedeutung haben, dass sie aber in jedem Menschen unterschiedliche Dinge hervorrufen können. Daraufhin muss der Testteilnehmer erklären, was er in jedem der drei Bilder erkennt.

  • Das erste Bild ist schwarz und weiß. Es ist das kompakteste der drei Bilder und die Teilnehmer interpretieren es normalerweise nur als ein Konzept. Dieses Ergebnis repräsentiert das tiefe und grundlegende Denken eines Menschen.
  • Das zweite Bild ist interessanter, denn es enthält verschiedene kräftige Farben und ist komplexer. Dieser Tintenklecks erweckt normalerweise mehr Empfindungen und Emotionen beim Probanden. Daher erlaubt die Art und Weise, auf die der Teilnehmer dieses Bild interpretiert, Rückschlüsse auf seine Fähigkeiten, seine Ordnung, Selbstkontrolle usw.
  • Anschließend wird das dritte Bild vorgelegt, welches in den Farben Grau, Schwarz und Rot gestaltet ist. Die Interpretation weist auf Dynamik und Bewegung hin und gibt Hinweise auf soziale Beziehungen.

Wenn der Proband seine Ideen, Gefühle und Bilder niedergeschrieben hat, die die drei Tintenklecksbilder in ihm hervorgerufen haben, werden diese Ergebnisse besprochen. Jeder Teilnehmer erklärt dem Therapeuten oder Psychologen, was er in jedem Detail des Tintenklecksbildes gesehen hat.

Wie erfolgt die Auswertung?

Wie du siehst, können diesen Test nur qualifizierte Fachleute interpretieren, die mit ihm vertraut sind. Für einen Laien wäre es sinn- und nutzlos, dies zu versuchen. Denn ein Verständnis für projektive Testverfahren und Erfahrungen mit dem Zulliger-Test sind von entscheidender Bedeutung.

  • Bei diesem Test gibt es keine richtigen oder falschen Antworten.
  • Die Person, die diesen Test durchführt und leitet, analysiert die individuellen Reaktionen auf die Tintenkleckse und auch die Art und Weise, wie der Teilnehmer diese zum Ausdruck bringt. Je mehr Details und Gefühle der Teilnehmer beschreibt, desto höher ist die Punktzahl. Darüber hinaus wird auch die Originalität der Antworten, die psychologische Kohärenz, die Selbstwahrnehmung, der Denkstil usw. analysiert.

Außerdem ist es erwähnenswert, dass dieser projektive Test, obwohl er eindeutig auf subjektiven Antworten basiert, dennoch eine allgemeine Vorstellung über das Innenleben und die Persönlichkeit einer Person liefert.

Heutzutage nutzen viele Unternehmen neben anderen Tests auch den Zulliger-Test während des Einstellungsverfahrens. Obwohl er vor mehr als 80 Jahren entwickelt wurde, ist er noch immer ein interessantes und nützliches Instrument.

  • Muñoz, Mora Luis. El Test de Zulliger: Evaluado bajo el Sistema Comprehensivo de Exner, Edición Digital.
  • Redondo, Ana Isabel. Estadísticos descriptivos en respuestas al Test de Zulliger en personas de 31 a 40 años, en situación de selección de personal.