Der Primacy-Effekt und die veränderte Wahrnehmung

Hast du das Gefühl, dass du dich besser an das erinnerst, was dir zuerst gesagt wird? Darum geht es beim Primacy-Effekt - erfahre mehr über dieses Phänomen!
Der Primacy-Effekt und die veränderte Wahrnehmung

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2022

Der Primacy-Effekt oder Primäreffekt beschreibt ein Phänomen, das mit unserer Aufmerksamkeit und unserem Gedächtnis zusammenhängt. Die Aufmerksamkeit ermöglicht uns die Konzentration auf Reize aus der Umwelt und das Gedächtnis hilft uns, die dadurch aufgenommenen Informationen zu speichern.

Der Primacy-Effekt kombiniert diese beiden Fähigkeiten, damit wir uns besser an Informationen erinnern können. Er beschreibt das Phänomen, dass wir uns an früher aufgenommene Informationen besser erinnern als an später erhaltene Daten.

Wir erklären dir heute Interessantes über diesen Effekt und warum es dazu kommt. Du erfährst auch, warum der Primäreffekt in der Werbung und im Marketing wichtig ist.

Primacy-Effekt: Was ist das?

Der Primacy-Effekt ist ein Phänomen der Grundlagen- und Kognitionspsychologie. Er bewirkt, dass wir uns an die zuerst aufgenommene Information besser erinnern als an später erhaltene Daten. Ein Beispiel dafür ist, wenn dir eine Liste von Wörtern vorgelesen wird, an die du dich erinnern sollst. Du wirst die ersten Wörter dieser Liste besser im Gedächtnis bewahren (Primäreffekt) und auch die letzten (Recency-Effekt).

Primacy-Effekt: Was ist das?

Der Primacy-Effekt und das Langzeitgedächtnis

Es wird angenommen, dass der Primacy-Effekt auftritt, weil die ersten Elemente oder Informationen besser in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert werden als die nachfolgenden. Dieses Phänomen wird jedoch bei Listen von Wörtern oder Gegenständen oder bei schnell dargebotenen Informationen abgeschwächt, da wir in diesem Fall weniger Zeit haben, sie im Langzeitgedächtnis zu speichern.

Außerdem erhöht sich durch die Präsentation von Gegenständen am Anfang die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gegenstände öfter wiederholt werden als andere, was die “Übertragung” von Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis wahrscheinlicher macht.

Das Ergebnisprimat

Interessanterweise glauben Forscher, dass der Primacy-Effekt auch auftritt, wenn wir lernen, Entscheidungen auf der Grundlage früherer Erfahrungen zu treffen. Was wir zuerst gelernt haben (und die erste Belohnung, die wir erhalten haben), würde also unsere zukünftigen Entscheidungen stärker beeinflussen als spätere Erfahrungen.

In diesem Fall sprechen wir von einem spezifischeren Phänomen: dem Ergebnisprimat. Mit anderen Worten: Die ersten Ergebnisse, die wir bei bestimmten Aufgaben oder Handlungen erzielen, bedingen unsere zukünftigen Handlungen. 

Beispiel für den Primacy-Effekt

1946 führte Solomon Asch, ein amerikanischer Psychologe, der für seine Beiträge zur Sozialpsychologie bekannt ist, eine Studie durch, in der er den Primacy-Effekt nachwies. Die Teilnehmer der Studie hörten sich eine Liste von Adjektiven an, die eine Person beschreiben. Es war so: Wenn den Teilnehmern von jemandem erzählt wurde, der “neidisch, stur, fleißig und intelligent” ist, hatten die meisten einen schlechten Eindruck von der Person.

Wenn sie jedoch dieselben Wörter in einer anderen Reihenfolge hörten, bei der die positiven Adjektive (fleißig und intelligent) an den Anfang gestellt wurden, hatten sie einen besseren Eindruck von der beschriebenen Person. Das könnte damit zu tun haben, dass wir meist die wichtigen Dinge an den Anfang stellen und erst danach ins Detail gehen.

Wie beeinflusst uns der Primacy-Effekt?

Wir haben am Beispiel von positiven und negativen Adjektiven gesehen, dass uns dieses Phänomen bei der Beurteilung von Menschen beeinflussen kann. Auch der erste Eindruck, den wir uns von einer Person machen, könnte damit im Zusammenhang stehen.

Wie beeinflusst uns der Primacy-Effekt?

Marketing und Werbung

Der Primacy-Effekt ist in der Werbung und im Marketing ein wichtiges Instrument. Experten versuchen, relevante Botschaften an den Anfang zu stellen, damit sie effektiver sind. Sie wissen, dass die ersten und letzten Worte oder Bilder besser im Gedächtnis bleiben und Konsumenten zum Kauf anregen.

So sind Werbespots, die eine Sendung zur Hauptsendezeit unterbrechen, effektiver als Werbungen, die zwischen anderen Werbespots gesendet werden. Besonders erfolgreich ist zum Beispiel die erste Werbung direkt nach den Neujahrsglocken.

“Das Produkt ist dasselbe, der Unterschied liegt in der Kommunikation.”

Oliviero Toscani

Der Primacy-Effekt hängt mit grundlegenden kognitiven Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis zusammen. Du weißt jetzt Bescheid und kannst dir dieses Phänomen zunutze machen, damit dir gewisse Dinge besser im Gedächtnis bleiben.

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