Der Polygraf: Funktioniert er?

· 8. Februar 2019

Der Polygraf, umgangssprachlich als „Lügendetektor“ bezeichnet, ist ein Instrument, das im 20. Jahrhundert erfunden wurde. Der Begriff leitet sich von „poly“ ab, das „viele“ bedeutet, und Graph, was sich auf Grafik und Schreiben bezieht. Man könnte also auch sagen, dass ein Polygraf ein Gerät ist, das viele Graphen gleichzeitig erzeugen kann. Aber was zeigen diese Graphen an? Sie zeichnen die physiologischen Reaktionen, die ein Befragter erlebt, auf.

Der Polygraf wurde aufgrund der Idee entwickelt, dass sich Emotionen in körperlichen Reaktionen ausdrücken können. Wenn wir beispielsweise Angst verspüren, führt diese Angst zu Schwitzen, erhöhter Herz- und Atemfrequenz. Der Polygraf wird vor allem bei Personen verwendet, die verdächtigt werden, ein Verbrechen begangen zu haben. In den USA verwenden Juristen ihn, um festzustellen, ob ein Angeklagter während seiner Aussage die Wahrheit sagt.

Eine kurze Geschichte des Polygrafen

Seit den 1920er Jahren versuchten Menschen, ein Gerät zu entwickeln, das erkennen könnte, ob jemand betrog oder nicht. Schließlich wurde der Polygraf entwickelt, wobei William Marston für dieses Projekt verantwortlich war. Er erstellte eine Kurve basierend auf zahlreichen Blutdruckmessungen und zog daraus Rückschlüsse, wann ein Proband log oder die Wahrheit sagte. Wissenschaftler akzeptierten die Anzeigen seines Lügendetektors jedoch nicht als Beweis. Tatsächlich genehmigte die wissenschaftliche Gemeinschaft es nicht als zulässiges Verfahren.

Später baute John August Larson, ein Psychiater und Polizist aus Kalifornien, USA, eine modifizierte Version des Lügendetektors seines Vorgängers Marston. Larson wollte die polizeilichen Sicherheitskräfte modernisieren und die Brutalität verringern, die manchmal während Zeugenaussagen verwendet wurde, um ein Geständnis zu erpressen. Neben dem Blutdruck maß Larson auch den Atemrhythmus. Dies tat er, um die Genauigkeit der Ergebnisse zu erhöhen. Daher begann die Polizei 1924, den Polygrafen bei ihren Ermittlungen zu verwenden.

Aber Larsons Gerät wurde noch weiterentwickelt. Leonarde Keeler verbesserte den Polygrafen. Er fügte eine neue Variable hinzu, nämlich die elektrodermale Aktivität. Die elektrodermale Aktivität bezeichnet das Ausmaß, in dem unsere Haut Elektrizität leiten kann. Wissenschaftler glaubten, dass Zweifel, also auch Lügen, die elektrodermale Aktivität unserer Haut verstärkten. Diese physiologische Reaktion hängt mit Angst und Furcht zusammen.

Eine Hand wird zur polygraphischen Untersuchung genutzt.

Wie funktioniert ein Polygraf?

Es gibt zwei verschiedene Tests, die häufig eingesetzt und mit einem Polygrafen durchgeführt werden. Die Tests funktionieren unterschiedlich, basieren jedoch beide auf Fragen, die zum Ziel haben, beim Verdächtigen bestimmte emotionale Veränderungen hervorzurufen. Die Idee ist, dass sich die Gefühle des Verdächtigen in seiner physiologischen Reaktionen zeigen.

Vergleichsfragentest (Control Question Test – CQT)

Dies ist der am häufigsten durchgeführte Test. Es gibt drei verschiedene Arten von Fragen, die der Interviewer stellt: die irrelevanten und die relevanten Fragen als auch die Kontrollfragen.

  • Irrelevante Fragen. Diese Fragen sollen keine wichtigen Informationen liefern. Es sind allgemeine Fragen und sie beziehen sich nicht auf den Fall, den der Interviewer untersucht. Es wird nicht erwartet, dass der Interviewpartner bei der Beantwortung dieser Fragen irgendeine Art von Erregung oder Reaktion zeigt.
  • Relevante Fragen. Diese Fragen beziehen sich auf die eigentliche Untersuchung. Es sind spezifische Fragen zu dem Ereignis, das untersucht wird. Die schuldige Person ist dabei stärker erregt (sowohl emotional als auch physiologisch) als eine unschuldige Person.
  • Kontrollfragen. Dies sind vieldeutige Fragen, die sehr ungenau sind. Die Fragen sollen nicht negativ zu beantworten sein, ohne die Antwort anzubezweifeln. Meistens beziehen sich diese Fragen auf nicht fallrelevante Tatsachen, aber sie können sich auf Dinge beziehen, die die Person vor einiger Zeit getan hat und die eine Ähnlichkeit mit dem Ereignis aufweisen könnten, das nun vorgefallen ist. Wenn das Verbrechen beispielsweise ein Mord war, fragt der Interviewer den Interviewpartner, ob er im Laufe seines Lebens schon einmal jemanden verletzt hat. Bei dieser Frage würde eine schuldige und unschuldige Person wohl das gleiche Maß an Erregung zeigen, denn niemand kann sie ernsthaft und sicher verneinen.

Tatwissenstest

Dies ist ein Test, um das Wissen des Täters zu überprüfen. Es bezieht sich auf Fakten, die nur der Täter kennen kann. Der Interviewer stellt mehrere Fragen, die mehrere Antwortmöglichkeiten haben, wobei nur eine die richtige Antwort ist.

Es versteht sich, dass der Täter weiß, welche Option die richtige ist. Er wird erregter sein, wenn der Interviewer die richtige Antwort vorliest. Der Unschuldige, der den Fall nicht kennt, sollte jedoch bei jeder der Möglichkeiten den gleichen Erregungsgrad zeigen. Dies liegt daran, dass er nicht weiß, was richtig ist, weil er bei der Tat nicht dabei war.

Datenkurven eines Polygrafen

Die Grenzen des Polygrafen

Trotz der Tatsache, dass der Polygraf seit Jahrzehnten verwendet wird, können wir nicht ignorieren, dass es bestimmte Einschränkungen im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit des Geräts gibt. Im Jahr 2003 erstellte der National Research Council (Nationaler Forschungsrat der USA) einen Bericht über den Polygrafen. Er analysierte die psychologischen Ereignisse, auf denen das Resultat des Polygrafen basiert. Der Rat betrachtete auch die Verfahren, die angewandt werden. Dies sind die wichtigsten Schlussfolgerungen der Forscher:

  • Präzision des Polygrafen. Die vom Gerät gemessenen physiologischen Reaktionen zeigen nicht nur Reaktionen auf Täuschungen an. Das heißt, es gibt eine Vielzahl von physiologischen Reaktionen, die ähnlich sind wie bei einem Täuschungsversuch. Dies begrenzt die Genauigkeit der Ergebnisse eines Polygrafen erheblich.
  • Theoretische Grundlagen. Die theoretischen Grundlagen, auf denen der Polygrafentest basiert, sind sehr schwach. Die Begriffe Angst und Erregung sind nicht genau definiert. Aus diesem Grund sind Polygrafenmessungen nicht völlig zuverlässig, da sie nicht ohne Weiteres auf andere Gruppen in der Gesellschaft übertragen werden können. Kurz gesagt, die Daten eines Polygrafen können nicht auf eine beliebige Person angewandt werden, wenn diese noch nicht untersucht und der Apparat auf sie geeicht worden ist.
  • Genauigkeit der Beweise. Die Forschungsergebnisse von Studien stimmen nicht mit Testergebnissen überein. Dieser Mangel an Übereinstimmung kann jedoch zu ernsthaften Problemen führen, da der Polygraf bei der Bewertung unschuldiger Menschen eine hohe Fehlerquote aufweist.

Menschen verwenden den Polygrafen, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt, um einen Verdächtigen zu belasten. Trotzdem sind die Ergebnisse des Polygrafen in keiner Weise aussagekräftig.

Zudem gibt es Tricks, die es erlauben, bei einem Polygrafentest zu lügen. Manche Menschen haben gelernt, ihre physiologischen Reaktionen zu kontrollieren. Sie sind in der Lage, die Maschine so zu manipulieren, dass die Ergebnisse zu ihren Gunsten ausfallen.

Ist der Einsatz eines Polygrafen effektiv?

Obwohl wir nur einige Probleme erwähnt haben, die bei einem Polygrafentest auftreten können, benennt der Bericht noch weitere. Daraus können wir ableiten, dass der Polygraf keine zuverlässigen Resultate liefert. Dies ist sehr besorgniserregend, wenn wir über die vielen Bereiche nachdenken, in denen Polygrafen verwendet werden.

Tatsächlich ist es so, dass der Polygraf mehrere Mängel aufweist. Dies sollte alle Alarmglocken läuten lassen. Denn die Verwendung einer Methode, die keine genauen Ergebnisse gewährleistet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass jemand unschuldig verurteilt wird, erheblich.