Der neueste Film von Tarantino: Once Upon a Time in Hollywood

15. Dezember 2019
Once Upon a Time in Hollywood ist der neueste Film des gefeierten Regisseurs Quentin Tarantino. Viele Leute wussten nicht genau, was sie von diesem Film erwarten sollten, nachdem sie die Vorschau gesehen hatten. Aber wieder einmal ist es Tarantino gelungen, die Vergangenheit neu zu erzählen und sein Publikum damit zu überraschen.

Tarantino hat es wieder geschafft. In unserer rastlosen und ungeduldigen Welt gelang es ihm, viele Menschen in die Kinos zu bringen und sie mit seinem neuesten Film für beinahe drei Stunden zu begeistern. Kein Zuschauer nahm während dieser Zeit ein Smartphone in die Hand, weil jeder vollkommen von der Geschichte auf der Leinwand gefesselt war.

Tarantino schenkte uns ein weiteres Juwel, eine Ode an die siebte Kunst, die ganz ohne Tricks und Täuschungen auskommt. Once Upon a Time in Hollywood ist das neueste Meisterwerk dieses Regisseurs, der seit Jahrzehnten schon die kollektive Phantasie anregt.

Wenn ein Künstler etwas erschafft, das seine wahren Gefühle ausdrückt und reflektiert, dann spürt man genau das auch in seinen Werken. Tarantinos Publikum wartet stets sehnsüchtig auf sein nächstes filmisches Werk. Gleichzeitig verfügt er inzwischen auch über die finanziellen Mittel, um genau die Filme zu drehen, die er machen möchte.

Dabei ist es ihm völlig egal, ob das, was er tun möchte, „richtig“ ist oder ob es dem neuesten Trend entspricht. Er schafft Filme, um sich mit den Themen und Fetischen zu beschäftigen, die ihn interessieren. Außerdem schreibt er die Geschichte neu. Dabei interpretiert er vergangene Ereignisse und beschreibt, wie diese geschehen sein könnten.

Tarantino erweitert die Grenzen jedes Mal

Once Upon a Time in Hollywood liefert den besten Beweis dafür, dass noch nicht alle Themen behandelt wurden. Außerdem zeigt er, dass nicht alle kommerziellen Filme gleich sind. Vielmehr wird offensichtlich, dass es immer noch Menschen gibt, die sich sehr gerne für ein paar Stunden von einem Film verzaubern und in eine andere Zeit versetzen lassen.

Dabei spürt das Publikum, dass Tarantino diesen Film ausschließlich für sich selber gemacht hat. Daher entwickelt sich die Geschichte, die er erzählt, auch genau so, wie sie sich entwickelt. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Filmen behält er sich bei diesem das Beste bis ganz zum Schluss auf.

Intertextualität ist für Tarantino der Schlüssel seiner Filme

Quentin Tarantino hat sich sein Wissen über Filme angeeignet, indem er selber Filme angesehen hat. Dabei hat er sich besonders mit den Klassikern, den lange vergessenen und denen beschäftigt, die sonst kaum jemand sehen wollte. All das war die Inspiration für seine eigenen Filme. Dadurch macht er seinem Publikum deutlich, dass Kunst überall zu finden ist.

Bereits in seinem ersten Film wurde deutlich, dass Tarantino seine Filme so gestaltet, wie er sie haben möchte. Dies wird von der Musik bis zu den fortlaufenden Referenzen auf andere Filme deutlich. Wenn wir seine Filme ansehen, dann gewährt uns dies Einblick in seine Gedanken und wir erfahren etwas mehr über das Leben dieses Mannes.

Tarantino Filme können dir auch die Geschichte der Filmkunst näher bringen. Sie könnten dich so neugierig machen, dass du beginnst, dich intensiver damit zu beschäftigen, dir Italowestern anzusehen oder dich an alten Kung Fu Filmen zu erfreuen. Während deiner Recherchen wirst du einige Kleinode der Filmgeschichte entdecken, die uns die Filmindustrie vorenthalten wollte.

Kunst ist viel weitreichender als das, was gerade modern ist oder dem Zeitgeist entspricht. Sie ist auch keine Politik. Kunst ist eine eigene Kategorie und hat ihren eigenen Wert. Daher solltest du vielleicht auch die Filme eines Regisseurs ansehen, die von dem abweichen, was üblicherweise produziert wird.

Tarantino - Szene aus Once Upon a Time in Hollywood

Ein großes Fragezeichen

Der Trailer zu Once Upon a Time in Hollywood warf bei den Zuschauern mehr Fragen auf als er Antworten lieferte. Selbst eingefleischte Tarantino Fans wussten nicht, was sie von diesem Film erwarten sollten.

Würde der Film von Charles Manson und den Morden handeln, die aufgrund des Manson Family Kultes verübt wurden? Würde er Fiktion sein? Vielleicht eine Hommage an die alten Western-Stars, die auf der Suche nach besseren Rollen nach Europa gegangen waren? Ja… und nein. Once Upon a Time in Hollywood ist all das und viel mehr.

Es gibt zahlreiche Referenzen in diesem Film. Dabei ist es beinahe unmöglich, alle zu erkennen. Versuche, mit deinen Freunden gemeinsam herauszufinden, welche Referenzen ihr erkannt habt. Jeder Mensch hat eigene Wurzeln und einen persönlichen kulturellen Hintergrund. Daher nimmt jeder von uns bestimmte Botschaften wahr, während andere uns nicht erreichen.

Quentin Tarantino hat einen Film über alles gedreht, was er mag. Dabei war es nicht relevant, ob dies Sinn machte oder nicht. Letztendlich entstand daraus eine Geschichte, die so passiert sein könnte… oder auch nicht.

Das goldene Zeitalter Hollywoods

Sogar der Titel ist ein klarer Verweis auf Sergio Leone, einen der Lieblingsregisseure von Tarantino. Zwei Leone Filme tragen einen sehr ähnlichen Titel wie Tarantinos neuester Film. Leone gilt als der Erfinder des Italowestern-Genres und sein letzter Film in diesem Genre hieß Spiel mir das Lied vom Tod (Once Upon a Time in the West). Der andere Film, Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America), sollte sein großer Durchbruch in den USA werden, allerdings war er dort nur mäßig erfolgreich.

Von Anfang an enthält Tarantinos Film viele nostalgische Elemente. Er zeigt, wie das durch die Schauspieler idealisierte Hollywood zu einem feindlichen Umfeld wird, in welchem alle dazu gezwungen werden, mit dem Vorlieb zu nehmen, was in ihrem Alter für sie vorgesehen ist. Daraus entsteht eine bizarre Fabel, die gleichzeitig fantastisch und real ist. Once Upon a Time in Hollywood enthüllt die schlimmste Seite der Filmindustrie.

Dabei geschieht all dies inmitten einer sehr bekannten und tragischen Geschichte: dem Mord an Sharon Tate. Im Film sehen wir sie als lebensfrohe junge Frau, die im Kino sitzt und sich ihre eigenen Filme ansieht.

Die Zuschauer kennen bereits ihr tragisches Schicksal und empfinden daher Mitgefühl für sie. Gleichermaßen einfach fällt es auch, Mitgefühl für einen anderen Charakter zu entwickeln, einen Schauspieler, der Clint Eastwood sein könnte. In der Industrie, die ihn groß gemacht hatte, litt er letztendlich unter den Folgen des Älterwerdens.

Der Film ist voller Nostalgie und Erinnerungen an die glorreichen Zeiten Hollywoods. Allerdings sind diese Erinnerungen vermischt mit der Härte von Tarantinos Tagträumen. Seinem Bestreben, eine eigene Version dessen zu erschaffen, was hätte passieren können. Dabei zeigt er viel choreographierte Gewalt, wie sie auch in seinen anderen Filmen zu sehen ist. Außerdem gibt es viel Ironie. Dadurch wirkt die gezeigte Gewalt schön, pathetisch und gleichermaßen unterhaltsam.

Manchmal bekommst du das Gefühl, dass du zwei Filme zur gleichen Zeit anschaust. Zwei Wahrheiten oder zwei Lügen, die in einem überraschenden, lächerlichen und gruseligen Ende zusammengeführt werden.

Tarantino - Filmszene aus Once Upon a Time in Hollywood

Ein typisches Tarantino Filmende

ACHTUNG: Ab hier enthält der Artikel Spoiler!

Tarantino erzählt uns eine Geschichte über die vergangenen Zeiten Hollywoods, einem Ort, an dem Träume wahr werden, aber auch ganz schnell wieder platzen können. Er vermischt die Geschichten real existierender Menschen mit Fiktion, obwohl die Produkte, die seiner Vorstellung entsprungen sind, durchaus auch im wahren Leben existiert haben könnten.

Once Upon a Time in Hollywood spielt mit dem, was die Zuschauer über diese Zeit wissen, besonders in Bezug auf die Geschichte von Charles Manson. Tarantino stellt dem Publikum die jungen Frauen aus der Manson Family mit dem bekannten Lied „I’ll Never Say Never to Always“ vor.

Aber würde irgendjemand erwarten, am Ende eines Tarantino Films den tragischen Tod von Sharon Tate zu sehen? Nein, sicherlich nicht. Diese Art von Gewalt mag er nicht, da sie weder ästhetisch, unterhaltsam noch zu Musik choreographiert ist.

Obwohl Sharon Tate nicht zu den wichtigsten Charakteren im Film gehört, spielt Tarantino mit Blockierung und Komposition und lenkt so den Blick des Zuschauers immer wieder auf sie. Beispielsweise lässt er sie auf einer gut besuchten Party in gelber Kleidung auftreten. Dabei ist die Kamera gezielt auf sie gerichtet, so dass sie auf jeden Fall vom Zuschauer wahrgenommen wird. Dadurch wird das Publikum dazu veranlasst, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie ohne viel Dialog kennen zu lernen.

Du lernst Sharon durch die Meinung anderer kennen und durch die Art, wie sie mit ihrem Umfeld interagiert. Würde Tarantino sie wirklich als liebenswerten Charakter darstellen, nur um anschließend ihren tragischen und schrecklichen Tod zu zeigen? Nein, sicherlich nicht. Allerdings gibt er bereits am Anfang des Films einen entscheidenden Hinweis auf das Ende. Um diesen Hinweis zu erkennen, musst du aber sehr genau hinsehen.

Geschichte neu erzählt

In einer Szene, die sich direkt auf seinen Film Inglorious Bastards bezieht, verrät Tarantino dem Publikum ein kleines Geheimnis. Was hat er in Inglorious Bastards getan? Er schrieb die Geschichte neu und verschaffte sich dadurch die Möglichkeit, auf künstlerische Weise Rache an einem der verabscheuungswürdigsten Charaktere der Geschichte zu nehmen. Tarantino selbst ermordete Adolf Hitler.

Nach dieser Referenz ist es nicht mehr allzu schwer, die losen Enden zusammenzuführen. Nein, du wirst keine rohe, tragische und schmerzhafte Gewalt sehen. Tarantino hat die Geschichte umgeschrieben und verwandelt diese in unterhaltsame Gewalt. Er zeigt einen Tanz aus Blut, Flammen und Action.

Dieser Film besteht aus vielen Geschichten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Dennoch werden sie in einem eklektischen Ende zusammengeführt. Dabei achtet Tarantino auf jedes Detail und spielt permanent mit dem Zuschauer. Alles ist in seinen Filmen möglich. Once Upon a Time in Hollywood ist eine Hommage und eine Ode an die siebte Kunst. Der Film ist ein perfektes Beispiel dafür, wie gut Tarantino Geschichten erzählen, die Realität persiflieren, über alles lachen und natürlich das Leben genießen kann.

Obwohl er sich das Sahnehäubchen im Film bis ganz zum Ende aufbewahrt, ist es dennoch kathartisch, eine Erleichterung für dein Gewissen und eine Ode an das, was hätte sein sollen.