Das Schicksal macht keine Hausbesuche

· 5. November 2018

Das Schicksal, auch Geschick, Los oder Stern genannt, macht keine Hausbesuche. Wenn wir es treffen wollen, müssen wir hinausgehen und es finden. Denn selbst wenn wir denken, dass die Realität dazu da wäre, unsere Wünsche wie durch Zauberei zu befriedigen, werden unsere Wünsche erst dann wahr, wenn wir anpacken, um sie zu erfüllen. Und selbst das mag manchmal nicht ausreichen.

Ich wage zu behaupten, dass die besten Momente unseres Lebens in der Regel diejenigen sind, in denen wir die Zügel über unser Leben in die Hand nehmen, nach unseren Entscheidungen handeln und irgendwie die Kontrolle über unser Schicksal erlangen. Anstatt zum Universum zu beten oder darauf zu warten, dass sich Sterne nacheinander ausrichten, sollten wir deshalb darüber nachdenken, was wir erreichen wollen, und sobald wir uns im Klaren sind, uns an die Arbeit machen, um den Weg zu unseren Zielen zu finden.

Gestalte dir dein Schicksal, wie auch immer du willst, denn du wirst nie wissen, wann du das Schicksal des Todes erreichst.

Wir schreiben das Schicksal mit unseren Entscheidungen

Das Schicksal entsteht aus jedem Schritt, den wir gehen, und aus jeder Entscheidung, die wir treffen. Doch zu viele Menschen glauben, dass es wahr würde, wenn sie einfach loslassen und sich wünschen, dass etwas passiert. Aber das stimmt nicht. Der einzige Weg, das zu bekommen, was wir wollen, ist, dafür zu kämpfen.

Mann mit Fahrrad blickt gen Himmel, symbolisch für das Schicksal

Auf der anderen Seite glauben einige, dass jeder Mensch mit einem bestimmten Schicksal auf diese Welt käme. Nach dieser Idee hätten wir alle eine Aufgabe zu erfüllen, eine Botschaft müsste übermittelt oder eine Arbeit abgeschlossen werden. Wir wären nicht zufällig hier, es gäbe einen Zweck für unsere Existenz.

Nun ist es nicht so wichtig, was wir im Bezug auf den Tod annehmen, denn jeder von uns hat sein eigenes Schicksal, das aus den Fäden seiner Entscheidungen geschaffen wird. Das einzige Gebot ist, ihm zu folgen, für es zu kämpfen, es zu akzeptieren. Jeder von uns muss in jedem Moment seines Lebens das tun, was er für richtig hält.

„Du musst auf etwas vertrauen: auf deinen Instinkt, dein Leben, dein Karma, was auch immer. Diese Perspektive hat mich nie enttäuscht, und sie hat den Unterschied in meinem Leben gemacht.“

Steve Jobs

Schicksal: Aberglaube oder Realität?

Zum Schluss teilen wir eine Geschichte mit dir, die analysiert, wie das Schicksal unser Leben beeinflussen kann oder nicht. Wir hoffen, sie gefällt dir.

David war ein frommer und aufmerksamer Mann. Eines Nachts, während er schlief, erschien ihm im Traum ein Engel. „David“,  sagte der Engel,ich bin vom Himmel gekommen, um dir einen Wunsch zu erfüllen. Gott hat beschlossen, dich zu belohnen und über mich diese Botschaft zu senden. Du kannst verlangen, was immer du willst – wenn du aufwachst, wirst du es bekommen. Wenn du aufwachst, wirst du dich an alles erinnern, was passiert ist, und du wirst wissen, dass es kein Produkt deines Geistes ist. Nun frage ich: Was willst du am meisten?“

David dachte einen Moment nach und erinnerte sich dann daran, dass es ein Thema gab, das ihn in letzter Zeit sehr beschäftigte. Es war sein eigener Tod. Ermutigt durch den Engel, bat er um Folgendes: „Ich möchte, dass du mir sagst, an welchem Tag und zu welcher Zeit ich sterben werde.“  Nachdem er das gehört hatte, wurde der Engel blass und zögerte. Er antwortete schließlich: „Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen kann.“ „Du hast mir gesagt, ich könnte verlangen, was ich will. Nun, das ist, was ich will“,  entgegnete David.

„Ich sagte auch, dass es eine Belohnung für dich war, und wenn ich dir sage, was du von mir verlangst, wirst du wie ein erbärmlicher Mensch leben und die Tage zählen, die dir bis zu deinem Ende bleiben“, sagte der Engel. Das wäre keine Belohnung, sondern eine Bestrafung. Wähle etwas anderes.“

David überlegte und überlegte. Aber wenn die Idee des Todes den Kopf ergreift, ist es schwierig, sie loszulassen. Er hielt an seinem Wunsch fest: „Sage mir dennoch, welcher der Tag meines Todes ist.“

Der Engel erkannte, dass er nichts tun konnte, um ihn von dieser Idee abzubringen, und dass, wenn er ihm nicht antwortete, er auch seine Mission nicht erfüllen würde, nämlich David zu belohnen. Deshalb sagte er widerwillig zu. „Da du ein guter Mensch bist, werde ich also deinen Wunsch erfüllen. Du wirst an deinem Geburtstag sterben.

Nachdem der Engel dies gesagt hatte, verabschiedete er sich. David schlief ruhig bis zum nächsten Morgen. Als er aufwachte, hatte er, wie erwartet, eine lebhafte Erinnerung an das, was er geträumt hatte. Darüber hinaus fühlte er sich geschmeichelt, der einzige Mann zu sein, der vorzeitig wusste, wann er sterben würde.

In den folgenden Tagen und Wochen lief alles gut, zumindest bis sich sein Geburtstag nähert. Als er sich auf diesen Tag vorbereitete, begann David zu zittern. War das nicht der Geburtstag, auf den sich der Engel bezogen hatte? Wozu sollte er noch feiern, wenn er doch nur noch einen Tag zu leben hatte?  Er wurde diese Fragen nicht los.

Da er wohl sterben würde, zog er es vor, zu Hause zu bleiben. David verstand, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er wusste etwas, das er lieber nicht gewusst hätte, denn es diente ihm nur dazu, zu leiden, und diejenigen, die er liebte, schlecht fühlen zu lassen. Schließlich fiel ihm eine vermeintliche Lösung ein: Er würde jeden seiner Geburtstage im Gotteshaus verbringen, da es heißt, dass niemand in einem Gotteshaus sterben müsste.

Und so tat er genau das. Es vergingen zwei oder drei Jahre und an einem seiner Geburtstag, während sich David im Gotteshaus aufhielt, hörte er durch das Fenster die Stimme von jemandem, der voller Verzweiflung schrie: Feuer! Feuer! Das Haus brennt. Alle nach draußen!

David erinnerte sich an die Botschaft des Engels; aber er erinnerte sich auch daran, dass man ihm beigebracht hatte, dass ihm im Gotteshaus nichts passieren könne. Um sich selbst zu überzeugen, wiederholte er: „Nichts kann mir passieren. Gott schützt mich.“

Aber die Stimmen der Straße drängten: „Diejenigen, die im Obergeschoss sind … Hören Sie mich? Alle nach draußen, nachher ist es vielleicht spät! Raus hier!“ 

Treppe gen Himmel

David zitterte wieder. Das passierte ihm, weil er sich selbst retten wollte, weil er versuchte, das Schicksal zu überlisten. Er würde schließlich sterben, als Opfer seines Versuchs, sich selbst zu retten. „Vielleicht reicht die Zeit noch“, sagte er sich schließlich. Und während er das Buch vor sich schloss, sah er auf die Treppe und vergewisserte sich, dass das Feuer noch nicht dort angekommen war. David stieg hinab und versuchte, seinen sicheren Tod zu vermeiden. Er lief die Treppe schnell hinunter, und so stolperte er und kam ins Fallen. Auf der letzten Stufe brach er sich das Genick.

David starb auf der Stelle, an seinem Geburtstag, ohne zu ahnen, dass das Feuer im Haus auf der anderen Straßenseite ausgebrochen war und nie das Gotteshaus erreicht hatte. Seine Sorge um sein Schicksal ließ ihn vor seiner Zeit umkommen.