Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora

Wie eine Medaille hat auch die Hoffnung zwei Seiten. Sie kann motivierend wirken, jedoch auch zum Verhängnis werden. Dieser Mythos lehrt uns dennoch, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.
Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora

Letzte Aktualisierung: 12. Juli 2021

Es gibt mehrere Versionen über den Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora. Sie sind alle höchst interessant, dennoch ist eine besonders bewegend. Sie erzählt, dass Zeus, der Gott der Götter, in einem Krieg gegen die Titanen triumphierte. Dabei halfen ihm einige der Riesen, den Sieg zu erringen, unter anderem Prometheus und sein Bruder Epimetheus.

Als Dank ermöglichte Zeus den beiden, zusammen mit den anderen Göttern auf dem Olymp zu leben. Diese wiederum beauftragten sie, Leben auf der Erde zu erschaffen. Epimetheus ging voran und schuf unendlich viele Tiere, die den Planeten bevölkerten. Prometheus, der ebenfalls an diesem kreativen Akt teilnehmen wollte, kam zu spät.

Als er sah, dass die Erde bereits von Tieren bevölkert war, weinte Prometheus. Seine Tränen fielen zu Boden und bildeten Schlamm. Dann kam es ihm in den Sinn, diesen zu formen und den Menschen zu erschaffen, den Göttern so ähnlich wie möglich. Das erfüllte ihn mit Freude.

Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.

Thukydides 

Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora

Die Verteilung der Geschenke

Die Götter hatten befohlen, nicht nur die Erde zu bevölkern, sondern auch alle Wesen mit Gaben und Fähigkeiten zum Überleben auszustatten. Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora erzählt, dass Epimetheus seinem Bruder erneut voraus war. Er versuchte, gerecht zu sein, um keinem Wesen Vorteile zu verschaffen.

Epimetheus gab einigen Tieren Kraft, reduzierte jedoch ihre Beweglichkeit. Er machte andere gebrechlich, stattete sie als Ausgleich jedoch mit Flügeln aus. Anderen wiederum verlieh er List oder Schnelligkeit. Er vergaß jedoch völlig, den Menschen ein Geschenk zu machen, die Prometheus geschaffen hatte.

Nach dem Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora, erkannte Prometheus bei seiner Ankunft diese Vergesslichkeit. Die Götter waren zufrieden, denn sie sahen, dass sie den Menschen verschiedene Aufgaben anvertrauen konnten, die ihnen selbst zu anstrengend waren. Sie behandelten die Menschen ihren Gelüsten entsprechend und nutzten sie aus. Prometheus empfand tiefe Traurigkeit.

Feuer und der Mythos von Prometheus

Tief bewegt vom Schicksal der Menschen, beschloss Prometheus, ihnen ein Geschenk zu machen. Sie sollten alleine überleben und sich so vom Joch der Götter befreien können. Er besuchte die Werkstatt des Feuergottes Hephaistos und stahl das Feuer für die Menschen. Sie schätzten das Geschenk, da es ihr Überleben garantierte. Hephaistos hingegen war voller Wut.

Die Menschen verehrten Prometheus nach diesem nützlichen Geschenk. Dies weckte allerdings die Eifersucht von Zeus, der zusammen mit Hephaistos einen Plan ausheckte, um den Titanen zu bestrafen, der es gewagt hatte, sie herauszufordern. Zeus wollte sich auch an den Menschen rächen, die den Titanen verehrten und nicht ihn, den Gott der Götter.

Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora besagt, dass Zeus den Titanen zu einem schrecklichen Felsen im Kaukasus bringen ließ. Dort fesselte ihn Hephaistos mithilfe anderer Götter. Zeus schickte einen Adler, der die Leber von Prometheus verzehrte. Nachts wuchs dieses Organ wieder und am nächsten Tag kehrte der Adler zurück. Die Strafe sollte sich ewig wiederholen. Die Schreie von Prometheus waren auf der ganzen Welt zu hören.

Der Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora

Die Büchse der Pandora

Nach dem Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora war auch der Plan, die Menschen zu bestrafen, sehr grausam. Zeus nahm einen Steinblock und schnitzte eine Frau, die er Pandora nannte. Er verlieh ihr die Schönheit der Göttinnen und die List der Götter. Außerdem gab er ihr unstillbare Neugier mit auf den Weg. Dann leitete er sie an, Epimetheus zu verführen, der ihr zu Füßen fiel.

Pandora hatte eine Büchse dabei, in der die Götter alle Übel des Planeten verwahrt hatten: Wut, Verbrechen, Ungerechtigkeit, Wahnsinn, Krankheit… alles Böse, was es gab. Die Büchse enthielt nur ein gutes Element: die Hoffnung. Doch sie war ganz unten, unter allen Untugenden vergraben. Die Götter warnten Pandora, die Büchse auf keinen Fall zu öffnen. Sie wussten allerdings, dass sie wegen ihrer Neugier nicht gehorchen würde.

Pandora öffnete die Büchse schließlich und das Übel verteilte sich über die ganze Welt. Als sie dies bemerkte, schloss sie die Büchse, doch nur die Hoffnung blieb zurück. Deshalb heißt es, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Herkules kam unterdessen zu dem Stein, an den Prometheus gefesselt war. Mit einem Pfeil gelang es ihm, den Adler zu töten, der seine Eingeweide verschlang. Dann befreite er den Titanen. Aus Dankbarkeit enthüllte dieser ihm den Weg zu den goldenen Äpfel der Hesperiden.

Gedanken über den Mythos der Büchse der Pandora

An diesem Mythos sehen wir, dass Hoffnung für die Griechen damals kein Geschenk war, sondern Unglück zur Folge hatte. Warten bedeutet, dass es an etwas mangelt. Es bedeutet, zu wollen, was man nicht hat, und folglich handelt es sich um einen Zustand der Unzufriedenheit.

Wenn du hoffst, gesund zu werden, bist du krank; wenn du auf einen Job wartest, bist du arbeitslos; wenn du reich sein möchtest, bedeutet dies, dass du kein Geld (oder zu wenig) hast. Hoffnung ist aus dieser Perspektive also nicht als positiv zu werten.

Die Populärkultur begreift die Hoffnung jedoch als Antrieb, der dem Leben einen Sinn gibt. Dies bedeutet, dass sie uns eine Zukunft gibt, die wir anstreben müssen. Es geht um die Notwendigkeit, die Gegenwart zu überwinden und zu verbessern.

Wie eine Medaille hat auch die Hoffnung zwei Seiten. Sie kann motivierend wirken, jedoch auch zum Verhängnis werden.

Es gibt keine schlimmere Hoffnung, als auf eine Liebe zu warten, die nie kommt; das Glück herbeizusehnen, das sich nie finden lässt… Ist es also nötig, sich von der Hoffnung zu verabschieden? Lehrt uns nicht die Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist? Gibt sie uns nicht Vertrauen in die Gegenwart und neuen Mut für die Zukunft?  Oder verhindert die Hoffnung, Verlorenes zu akzeptieren? Hält sie uns davon ab, uns zu verändern und zu wachsen?

Hoffnung kann nicht allgemein als gut oder schlecht gewertet werden. Jede Situation ist anders, das Wichtigste ist deshalb, die Grenze zu finden und zu wissen, wann Hoffnung zerstörerische Eigenschaften annimmt.

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  • Flahault, F. (2013). El crepúsculo de Prometeo. Contribución a una historia de la desmesura humana. Barcelona: Galaxia Gutenberg.