Der Mythos von Dionysos - Gott des Weines und der Freude

20 Juli, 2020
Der Mythos von Dionysos unterscheidet sich von den meisten anderen Geschichten, da ihm die extrem tragischen Aspekte anderer mythologischer Charaktere fehlen. Im Gegenteil, er ist ein Gott, der mit Wein und Leidenschaft für viel Freude, Lebendigkeit und ekstatische Zustände sorgt.
 

Der Mythos von Dionysos – in der römischen Mythologie auch als Bacchus bekannt – erzählt die Geschichte eines vitalen und lebensfrohen Halbgottes, der stets für eine Party zu haben war. Er galt als Gott des Weines und der Freude, der Fruchtbarkeit und auch als Inspirator der rituellen Ekstase.

Es gibt zwei grundlegende Versionen über den Ursprung dieses Mythos. Die erste Version des Mythos von Dionysos besagt, dass er der Sohn des Zeus, dem Gott der Götter, und der Persephone, der Königin der Unterwelt, war.

Hera, die eifersüchtige Ehefrau von Zeus, beschloss, dieses Kind zu töten. Um diesen Plan umzusetzen, rief sie die Titanen zu Hilfe, die den Jungen mit Spielzeug zu sich lockten. Dionysos folgte den Titanen und diese töteten ihn. Anschließend rissen sie ihn in sieben Stücke, kochten und aßen ihn.

Daraufhin rächte sich Zeus, der seinen Sohn sehr liebte, indem er die Titanen mit einem Blitz vernichtete. Dann entdeckte er, dass sie Dionysos Herz noch nicht verspeist hatten und nutzte es, um ihn wieder zum Leben zu erwecken.

 

Die Legende besagt, dass aus der Asche der Titanen die Menschheit geboren wurde. Weil die Titanen Dionysos verspeist hatten, vereinigen alle Menschen die vergnügungssüchtige Natur von Dionysos und die Aggression der Titanen in sich.

Mythos von Dionysos - Götter des Olymps

Der Mythos von Dionysos: Andere Versionen

Die zweite Version des Mythos von Dionysos ist vermutlich die bekannteste. Sie beginnt mit einer wunderschönen Prinzessin namens Semele.

Zeus verliebte sich auf den ersten Blick in sie und nahm eine menschliche Gestalt an, um sie zu besuchen. Schon bald konnte er ihr Herz erobern und verführte sie. Als sie schwanger wurde, beschloss Zeus, ihr zu sagen, wer er wirklich war.

Auch in dieser Version des Mythos von Dionysos spielt die Eifersucht von Hera eine bedeutende Rolle. Als sie von der Untreue ihres Ehemannes erfuhr, beschloss sie, sich ebenfalls in einen Menschen zu verwandeln und stellte sich bei Semele als Amme vor.

 

Sie brachte Semele dazu, ihr zu verraten, wer der wirkliche Vater des Jungen war. Daraufhin sagte Hera zu Semele, dass Zeus vielleicht gar nicht der sei, für den er sich ausgab. Auf diese Weise sorgte sie dafür, dass sich Zweifel und Bedenken in Semeles Gedanken ausbreiteten.

So stellte Hera sicher, dass Semele Zeus darum bat, sich ihr als Gott und nicht als Sterblicher zu zeigen. Da der Gott des Olymps versprochen hatte, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, konnte er ihr diesen natürlich auch nicht ausschlagen.

Daher verwandelte er sich in Blitz und Donner. Allerdings wurde die Prinzessin vom Blitz getroffen und verstarb, denn Sterbliche konnten nicht überleben, wenn sie die Kräfte eines Gottes gesehen hatten. Aber Zeus konnte seinen Sohn Dionysos retten, der sich im Bauch der schwangeren Semele befand, und nähte ihn in seinen Oberschenkel ein.

Ein glücklicher Gott

Der Mythos von Dionysos erzählt, dass Zeus seinen Sohn in die Obhut von Ino, der Schwester der toten Prinzessin, und deren Mann gab. Allerdings war Hera nach wie vor eifersüchtig und so unternahm sie alles, was in ihrer Macht stand, um die Adoptiveltern in den Wahnsinn zu treiben. Daraufhin beschloss Zeus, Dionysos in eine kleine Ziege zu verwandeln und übergab ihn an Hermes, welcher ihn in die Obhut der Nymphen gab, die ihn aufzogen.

 

Dionysos wurde von den Nymphen und Silenos aufgezogen. Silenos war häufig betrunken, aber er hatte die Gabe der Prophezeiung. An der Seite von Silenos, den Nymphen, Satyrn und Mänaden wuchs Dionysos heran.

Er war ein schöner, lebensfroher und dynamischer junger Mann. Dionysos war es, der den Anbau von Wein und die Gärung der Trauben zu Wein entdeckte. Später unternahm er weite Reisen, um die Geheimnisse der Weinkunst zu lehren.

Auf seinen Reisen erlebte Dionysos große Abenteuer. Das bekannteste ereignete sich, als er an der Küste war: Piraten entführten ihn, weil sie dachten, er wäre ein Prinz, und wollten ein Lösegeld für ihn fordern. Allerdings hatten sie sich wohl auch in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können, was ihnen dann widerfuhr.

Mythos von Dionysos - Frau mit einem Rotweinglas
 

Dionysos und der Kult des Vergnügens

Als die Piraten versuchten, Dionysos zu fesseln, hielt nicht ein einziger Knoten in ihrem Seil. Der Gott verwandelte sich in einen Löwen und ahmte den Klang vieler Flöten nach, was die Entführer verrückt machte. In ihrer Panik stürzten sie sich ins Meer und Dionysos verwandelte sie in Delphine. Nach dieser Legende sind Delphine tatsächlich reuige Piraten. Das ist auch der Grund, warum sie Schiffbrüchigen zu Hilfe kommen.

Dionysos heiratete Ariadne aus Mitleid, nachdem sie erst von einem Minotaurus befreit und danach verlassen wurde. Später, als er seine Arbeit beendet hatte, den Menschen die Weinherstellung beizubringen, bat er darum, zum Olymp gehen zu dürfen. Dionysos erscheint in unzähligen Geschichten und war ein bei den Griechen ausgesprochen beliebter Gott.

Sein Wunsch, den Olymp zu besuchen, wurde ihm gewährt. Bevor er sich allerdings aufmachte, um die anderen Götter wieder zu treffen, stieg er in die Unterwelt hinab und holte seine Mutter Semele, die dann ein Sternbild wurde. Dionysos wird mit Partys, Spaß, Ekstase, Theater und Vergnügen assoziiert.

 

Detienne, M. (2009). Dioniso a cielo abierto. Un itinerario antropológico en los rostros y las moradas del dios del vino. Lingua, 16, 00.