Der Mythos von Charon, dem Fährmann der Unterwelt

09 Oktober, 2020
Der Mythos von Charon ist eine Geschichte über einen sehr interessanten Charakter, dessen Aufgabe darin bestand, die Toten zu ihrem endgültigen Aufenthaltsort zu bringen: in den Hades (die Unterwelt). Charon war ein mysteriöses Wesen mit einer unangenehmen Persönlichkeit. Er war eine Kreatur der Nacht und der Schatten.

Der Mythos von Charon erzählt von einem der rätselhaftesten Charaktere der griechischen Mythologie: dem Fährmann der Unterwelt. Seine Aufgabe bestand darin, die Seelen der kürzlich Verstorbenen in den Hades zu bringen, wo sie für immer verbleiben würden.

Charon ist ein zerlumpter und nachlässiger alter Mann mit einem verfilzten weißen Bart. Auch sein Gesicht ist grimmig, schmutzig und düster und seine Einstellung ist boshaft. Der Mythos von Charon besagt, dass er sein Boot mithilfe einer Stange bewegt und die Segel gehisst hat. Außerdem soll sein Boot stets rostig und nahezu baufällig gewesen sein.

Charon war auf dem Fluss Acheron unterwegs, was “Fluss des Leidens” bedeutet. Seine Arbeit war endlos und langweilig und daher verhielt er sich auch ziemlich mürrisch. Die einzige Situation, die ihn aus seiner endlosen Routine herausholte, war die, als eine lebende Person in die Unterwelt eindringen wollte. Dies passierte mit Herkules und Orpheus. Aber ansonsten bestand sein Leben aus einer endlosen Wiederholung dieser Routine.

Mythos von Charon - verwüsteter Ort

Der Ursprung des Mythos von Charon

Der Mythos von Charon erzählt, dass der Fährmann der Unterwelt der Sohn von Nyx und Erebos war. Außerdem war er in so ferner Vergangenheit geboren, dass es keine Erinnerung an seine Geburt gab. Seine Mutter Nyx war die Göttin der Nacht. Sie war so überwältigend schön, dass sogar Zeus sie fürchtete. Darüber hinaus war sie die Tochter von Chaos und war an der Erschaffung des Universums beteiligt.

Sein Vater Erebos war der Gott der Finsternis und der Schatten. Daher regierte er über die tiefen Nebel, die die Enden der Welt umgaben. Darüber hinaus war er in allen unterirdischen Plätzen zugegen. Tatsächlich war er der Bruder der Nyx und die beiden hatten zwei gemeinsame Kinder: Aether, die Personifikation der Helligkeit und des Lichts und Hemera, die Personifikation des Tages.

Nach dem Mythos von Charon gelang es Nyx, noch weitere Kinder ohne die Beteiligung ihres Bruders und Ehemannes Erebos zu empfangen. Daher hatte der Fährmann noch viele weitere Geschwister: Moros, das Schicksal; Ker, der gewaltsame Tod; Thanatos, der Totengott; Hypnos, der Gott des Schlafes; Geras, die Personifikation des hohen Alters; Oizys, die Personifikation von Jammer und Elend; Apate, Täuschung und Betrug. Außerdem noch Nemesis, die Rachegottheit; Eris, Zwietracht; Philotes, die Göttin der Freundschaft; Momos, Tadel und Schmähsucht. Darüber hinaus die Hesperiden, Nymphen und Töchter des Abends; die Oneiroi, die Götter der Träume; die Keren, Verkörperung von Zerstörung und Tod und die Moiren, die Schicksalsgöttinnen.

Der Mythos von Charon, dem Fährmann

Der Mythos von Charon besagt, dass der Name dieses Charakters wörtlich “intensive Helligkeit” bedeutet. Das liegt daran, dass Menschen in der Sekunde vor dem Sterben ein ganz besonderes Funkeln in ihren Augen haben, so sagt man. Und dies wird durch den Namen des Fährmanns angedeutet. Tatsächlich sind zwei sehr verbreitete Übersetzungen “der mit dem wilden Blick” oder “der mit dem feurigen Blick“.

Einige erzählen, dass die Moiren, Charons Schwestern, ihn dazu aufforderten, seine Pflicht zu erfüllen. Sie riefen ihn mit wütender Ungeduld an, wenn ein Mensch im Sterben lag. Und das war der Zeitpunkt, an dem Charon das Ufer erreichte und auf die Seelen der kürzlich Verstorbenen wartete.

Allerdings konnten nicht alle von ihnen mit ihm den Acheron, den Fluss des Leidens, überqueren. Denn jede Seele benötigte eine Münze, um für die Reise zu bezahlen.

Daher begruben die Griechen ihre Toten stets mit einer Münze unter der Zunge. Denn diese Münze war die Bezahlung für den Fährmann, der die Verstorbenen in den Hades bringen sollte. Wenn ein Verstorbener also keine Münze hatte oder nicht angemessen bestattet worden war, musste er für hundert Jahre am Ufer des Flusses umherwandern. Nach Ablauf dieser Zeit ermöglichte Charon ihm dann eine kostenlose Überfahrt.

Mythos von Charon - der Tod auf einem Boot

Charon und Hades

Außerdem berichtet uns der Mythos von Charon, dass es nur zwei Sterblichen gelang, in den Hades zu gelangen, ohne bei diesem Versuch zu sterben. Einer von ihnen war Herkules, den Charon in die Unterwelt nahm, ohne selber genau zu wissen, warum. Außerdem hatte er auch keine Bezahlung von ihm gefordert. Aus diesem Grund bestraften ihn die Götter und er musste ein Jahr im Gefängnis verbringen.

Der andere Sterbliche war Orpheus. Er konnte die Schwelle übertreten, nachdem er den Fährmann mit seiner magischen Musik verzaubert und unterworfen hatte. Darüber hinaus gewährte Charon auch der Göttin Psyche, der Göttin der Seele, Einlass. Er konnte sich der Tricks nicht erwehren, die sie angewandt hatte, um ihn zu verwirren.

Obwohl Charon hauptsächlich am Fluss Acheron tätig war, konnte er außerdem auch andere Flüsse der Unterwelt befahren, wie beispielsweise den Kokytos, den Fluss der Klage; Phlegeton, den Flammenstrom; Lethe, den Fluss der Unachtsamkeit und Styx, den Fluss der Unverwundbarkeit.

De Velasco Abellán, F. P. D. (1988). El origen del mito de caronte. Investigacion sobre la idea del paso al mas alla en la atenas clasica (Doctoral dissertation, Universidad Complutense de Madrid).