Orpheus und Eurydike - Ein Mythos über die Liebe

Der Mythos von Orpheus und Eurydike erinnert uns daran, dass die Liebe alles überwindet und auch nach dem Tod bestehen bleibt. Wenn jemand wirklich liebt, dann wird er nicht zögern, auch in die Hölle zu gehen, nur um bei dem Menschen zu sein, den er liebt.
 

Der Mythos von Orpheus und Eurydike erzählt über jene Art der Liebe, die auch über den Tod hinausgehen kann. Die Legende berichtet uns, dass Orpheus ein ganz besonderes Wesen war. Er war der Sohn von Apollon, dem Gott der Musik und der Künste, und Kalliope, der Muse der Dichtung. Diese Herkunft beschenkte Orpheus mit der speziellen Gabe der Musik.

Orpheus erlernte die Musik von seinem Vater Apollon. Da Orpheus so meisterhaft spielte, schenkte ihm Apollon als Zeichen seiner väterlichen Liebe seine eigene Lyra. Dieses Instrument hatte Hermes aus einem Schildkrötenpanzer hergestellt. Die Geschichte erzählt uns, dass Orpheus auf dieser Lyra so wunderschöne Melodien spielen konnte, wie sie die Welt noch nie zuvor gehört hatte.

Er war so talentiert, dass Götter und Sterbliche gleichermaßen zu Tränen gerührt waren, wenn sie seine Musik hörten. Sogar die wildesten Kreaturen wurden sanftmütig und zahm, wenn sie seine Musik hörten, denn sie wurden von ihr verzaubert. Darüber hinaus war Orpheus ein ziemlicher Frauenheld. Allerdings änderte sich dies in dem Moment, in dem er die Nymphe Eurydike traf.

Orpheus und Eurydike - Skulptur von Orpheus

Orpheus und Eurydike

Orpheus führte ein sorgloses und abenteuerliches Leben. Daher bot er sich an, die Argonauten auf ihrer Reise zu begleiten, auf der sie das Goldene Fließ finden wollten. Die Legende erzählt uns, dass er ihr Leben rettete, als die Meerjungfrauen versuchten, die Seeleute mit ihrem Gesang zu betören. Ihre Stimmen hypnotisierten die Seeleute. Daraufhin wollten sich diese ins Meer stürzen, wo die Meerjungfrauen sie dann verschlingen wollten.

 

Allerdings konnte Orpheus dies verhindern, indem er sein Talent einsetzte. Sobald die Meerjungfrauen anfingen zu singen, spielte er auf seiner Lyra. Da seine Musik viel schöner war als ihr Gesang konnte er ihre Stimmen mit seiner Leier übertönen. Daher erlag letztendlich nur ein einziger Seemann dem Charme der Meerjungfrauen und starb.

Nach dieser Reise trafen sich Orpheus und Eurydike. Sie war eine wunderschöne Nymphe. Eines Tages sah Orpheus ihre Silhouette, die sich im Wasser spiegelte und verliebte sich augenblicklich unsterblich in sie. Schließlich gelang es ihm, ihre Aufmerksamkeit zu erregen und auch Eurydike verliebte sich leidenschaftlich in Orpheus. Die beiden heirateten und für eine Weile lebten sie ein sehr glückliches Leben voller Liebe und Leidenschaft.

Der Verlust von Eurydike

Obwohl Orpheus und Eurydike ein sehr glückliches und erfülltes Leben in ihrem Palast führten, vergaß sie dennoch nie, dass sie eine Nymphe war. Daher konnte sie nicht damit aufhören, immer wieder in die Wälder zu gehen und in der Natur zu sein, die ihr so vertraut war. Als sie eines nachmittags wieder in den Wald ging, sah sie einen Jäger, der ein hilfloses Reh jagte. Als sie dem Tier zur Flucht verhalf, entfesselte sie damit den Zorn des Jägers.

 

Daraufhin sagte er zu ihr, er würde ihr verzeihen, wenn sie einwilligen würde, ihn zu küssen. Natürlich weigerte sich Eurydike, darauf einzugehen, denn sie war eine glücklich verheiratete Frau und wollte ihr Glück nicht aufs Spiel setzen. Allerdings versuchte der Jäger, sie dazu zu zwingen und sie rannte davon. Aber in ihrer Eile trat sie versehentlich auf den Kopf einer schlafenden Schlange. Die Schlange biss Eurydike und die Nymphe verstarb noch an Ort und Stelle.

Als Orpheus vom Tod seiner Frau erfuhr, fiel er in tiefe Trauer und Verzweiflung. Er beschloss, in die Unterwelt zu gehen und sie vom Tod zu erretten. Daher nutzte er seine Lyra und mit seiner wundervollen Stimme gelang es ihm, Charon, den Bootsmann, und Cerberus, den Hund des Hades und Hüter der Unterwelt, dazu zu überreden, ihn zu Persephone, der Königin der Hölle, zu bringen. Als sie seine Musik hörte, war sie davon sehr berührt.

Orpheus und Eurydike - Tunnel

Für immer vereint

Schließlich erlaubte Persephone Orpheus, seine geliebte Frau wieder zum Leben zu erwecken. Allerdings stellte sie ihm eine Bedingung. Während des Rückweges musste Orpheus vor Eurydike laufen und durfte sich nicht umdrehen, bis beide von ihnen wieder vollständig im Sonnenlicht und damit außerhalb der Unterwelt waren.

 

Orpheus willigte ein. Allerdings glaubte er nicht daran, dass Eurydike tatsächlich hinter ihm laufen würde. Er befürchtete, dass ihm anstelle seiner geliebten Frau ein Dämon folgen würde.

Als er schließlich aus der Höhle hervortrat, konnte er der Versuchung nicht länger widerstehen und drehte sich um. Obwohl Eurydike beinahe vollständig im Sonnenlicht war, starb sie erneut. Dies stürzte Orpheus in tiefe Verzweiflung und er spielte weiterhin seine traurige Musik, die sogar die Götter zum Weinen brachte. Die Mänaden, unbeständige und wankelmütige Wesen, verliebten sich in ihn. Aber Orpheus widerstand ihren Versuchen, ihn zu verführen.

Daraufhin töteten sie ihn aus Rache und verteilten seine sterblichen Überreste überall. Aber genau dies führte dazu, dass sich Orpheus und Eurydike in der Unterwelt wiedersehen konnten. Und nun waren sie für immer vereint. Seither sind auf den Wiesen und in den Wäldern wunderschöne Melodien zu hören.

Delgado, R. G. (2003). Interpretaciones alegóricas del mito de Orfeo y Eurídice por Fulgencio y Boecio y su pervivencia en la Patrologia Latina. Myrtia, 10, 17-33.