Der magische Stein – eine Geschichte über geistige Blindheit

· 30. November 2018

Dies ist eine alte Geschichte über geistige Blindheit, die mehrere Generationen erleuchtet hat. Die Alten sagen, dass es in einem fernen Land, das von Weisen bewohnt wurde, mehrere Alchemisten gab. Unter ihnen einer, der entschlossen war, den Stein der Weisen zu entdecken. Wie die meisten Menschen wissen, versetzte dieser seinen Besitzer in die Lage, jegliches Metall in Gold zu verwandeln.

Mehr als reich zu werden, wollte der Alchemist eine Herausforderung überwinden, die niemand sonst bewältigen konnte. Deshalb widmete er alle seine Tage und Nächte der Erforschung der Geheimnisse der Natur. Er verbrachte mehrere Jahre damit. Die Geschichte über geistige Blindheit erzählt weiter, dass der Alchemist nach genau 13 Jahren erreichte, wonach er sich so sehr sehnte.

Zuerst war er von seiner Entdeckung fasziniert. Endlich hatte er den Stein der Weisen in seiner Macht und er hatte vollbracht, was so viele vor ihm nicht erreicht hatten. Da seine Herausforderung bestanden war, verblasste nun aber sein Interesse an dem Thema. Deshalb warf er den Stein der Weisen während einer Reise fort, an den Straßenrand, wo jeder ihn finden konnte. Er war nicht länger an ihm interessiert.

„Du hast mehr Fähigkeiten, als du selbst denkst; aber um zu wissen, ob die Münzen aus gutem Gold bestehen, musst du sie rollen, sie in Umlauf bringen. Gib deinen Schatz aus.“

Gregorio Marañón

Die erste Etappe in der Geschichte über geistige Blindheit

Der Geschichte über geistige Blindheit zufolge machte der Alchemist kein Geheimnis aus seiner Tat. Das Gerücht begann, sich zu verbreiten, und erreichte schließlich die Ohren eines Mannes, der seine Armut und Einsamkeit zutiefst bedauerte. Als er erfuhr, dass der Alchemist den Stein der Weisen auf irgendeinem Weg zurückgelassen hatte, konnte er nicht mehr schlafen.

Jede Nacht stellte er sich vor, wie sein Leben aussehen würde, wenn er diesen Wunderstein finden könnte. Er müsste keine Not mehr leiden und sicherlich würde auch seine Einsamkeit enden. Er wusste, dass reiche Männer viele Freunde haben und von den Menschen um sie herum geschätzt werden.

Der Mann kam zu dem Schluss, dass dies die Chance seines Lebens war. Was auch immer nötig sei, er war bereit, den Stein der Weisen zu suchen und zu finden. Motiviert von diesem Wunsch nahm er seine wenigen Sachen und begann im Morgengrauen eine lange Reise. Es dauerte zwei Monate, bis er die Heimat des Alchemisten erreichte, und dort begann seine Suche.

Alchemist

Eine beschwerliche Durchreise

Der Mann begann seine lange Reise durch den nördlichen Teil des Landes. Er ging den ganzen Tag, bis die Müdigkeit ihn überwältigte. Er hob jeden Stein auf, den er am Straßenrand sah. Dann rieb er ihn an seiner stählernen Gürtelschnalle und wartete einen Moment lang. Als er sah, dass nichts passierte, setzte er seinen Weg fort.

Die Reise war wirklich schwierig. Manchmal fand er bis zu hundert Kieselsteine auf einem einzigen Haufen und es war notwendig, sie alle auszuprobieren, wenn er nicht am Stein der Weisen vorbeigehen wollte. An manchen Tagen konnte er kaum eine oder zwei Meilen zurücklegen. Aber die Geschichte über geistige Blindheit besagt, dass dieser Mann völlig entschlossen war, sein Ziel zu erreichen. Er wollte unter keinen Umständen klein beigeben.

Es vergingen Tage, Wochen und dann Monate. Kaum bemerkt, verbrachte der Mann in unserer Geschichte acht Jahre mit der Suche. Manchmal wirkte er wie eine Maschine. Immer das Gleiche tun: auf den Boden schauen, nach Steinen suchen und einen nach dem anderen ausprobieren.

Steine

Die Auswirkungen der geistigen Blindheit

Eines Tages ging er zu Fuß und ging wie gewohnt seiner Beschäftigung nach, als er sich plötzlich müde fühlte. Er beschloss, sich hinzusetzen und sich im Schatten einer schönen Weide auszuruhen. Plötzlich sah er auf die Schnalle an seinem Gürtel und seine Augen leuchteten auf: Sie war zu Gold geworden. Er konnte es nicht glauben. Er sprang vor Glück, schrie nur: „Ich habe es geschafft! Ich habe es geschafft!“  Und er tanzte wie ein Narr.

Er war jedoch besorgt, weil er nicht bemerkt hatte, wann sich seine Schnalle in Gold verwandelt hatte. Vielleicht war es vor Kurzem passiert, oder vielleicht auch nicht? Vielleicht wirkte der Stein der Weisen sofort oder der Effekt setzte verzögert ein? Welcher Stein hatte diese Wirkung auf das Metall erzeugt? Er war wie gelähmt. Er blickte zurück und sah mehrere Haufen Steine, die er gerade durchprobiert hatte. Welcher von ihnen war der Wunderstein?

Violetter Stein

Da wurde ihm klar, dass er lange Zeit nicht darauf geachtet hatte, was er tat. Er ging seiner Routine mechanisch, mit Müdigkeit und ohne große Hoffnung nach. Deshalb hatte er nicht auf das Wunder geachtet, das geschehen war.

Er war auf dem richtigen Weg und gleichzeitig verirrte er sich. Die Geschichte über geistige Blindheit endet mit der Aussage, dass der Weg, den wir beschreiten, um Glückseligkeit in etwas Äußerem zu suchen, anstrengend und undankbar ist. Ebenso anstrengend und undankbar ist die Reise, die ohne Rücksicht auf den Weg zurückgelegt wird.