Der dunkle Reiz von Antihelden

Helden wurden von Antihelden verdrängt, da diese heutzutage wesentlicher attraktiver zu sein scheinen. Dies liegt daran, dass sie verletzlich, unglücklich und größtenteils das Produkt einer gescheiterten Gesellschaft sind. Lies weiter, um mehr über sie zu erfahren!
Der dunkle Reiz von Antihelden

Letzte Aktualisierung: 22 Mai, 2021

Die dunkle Anziehungskraft von Antihelden ist in unserer modernen Kultur und Gesellschaft weit verbreitet. Sie umfasst Charaktere unterschiedlichster Art. Beispielsweise Walter White, Tony Soprano, Don Draper, Marvel´s Daredevil, Jessica Jones, Maleficent usw. In der Welt des Kinos, des Fernsehens, der Comics und der Literatur gibt es viel mehr Antihelden als Helden. Antihelden sind faszinierend. Ihre moralischen Werte sind oft fragwürdig und ihr Verhalten teilweise sogar strafbar. Trotzdem fühlen sich viele Menschen immer noch von ihrer dunklen Seite angezogen.

Darüber hinaus steht auch fest, dass derartige psychologische Profile in den letzten zehn Jahren zugenommen haben. Menschen fühlen sich nicht länger von den tugendhaften Figuren angezogen, wie sie Carl Jung in seinem Archetyp des Helden definiert hat, der aus irgendeinem Grund gegen das Böse gekämpft hat. Die ewigen Retter, die Licht brachten und die Dunkelheit bekämpften, sind heute keine Inspiration mehr.

Aber warum ist das so? Was ist geschehen? Es gibt keinen einzigen Grund, sondern viele verschiedene Ursachen dafür. Der Anthropologe Levi-Strauss sagte, dass kein Mythos, keine Legende oder keine archetypische Figur zufällig ist, weil all diese Wesenheiten ihre Repräsentation in der realen Welt haben. In gewisser Weise haben die Menschen begonnen, sich diesen fehlbaren, unvollkommenen und manchmal sogar unmoralischen Charakteren näher zu fühlen als den glorreichen Helden von einst.

Wenn du mehr über die Ursachen und die innere Erleichterung erfahren möchtest, die sich hinter der Figur des Antihelden verbirgt, solltest du unbedingt weiterlesen!

Antihelden - Walter White aus Breaking Bad

Der dunkle Reiz von Antihelden

Die Ära der Helden scheint vorbei zu sein. Vielleicht endete ihre Glanzzeit viel früher als dies hätte sein sollen. Figuren wie Herkules oder Perseus haben längst ihren einstigen Glanz verloren. Ja, die Welt der Literatur brachte unvergessliche Persönlichkeiten wie den Grafen von Monte Cristo hervor, aber es war James Joyce, der dieses Konzept erneuerte. Er schenkte der Welt seinen Roman Ulysses (englisch für Odysseus), in dem die Menschen plötzlich mit einer Gruppe von Antihelden in Berührung kamen, die an das Komische und Tragische grenzten.

In gewisser Weise hat jeder Antiheld genau die gleichen Zutaten: den Schleier des Traumatischen und die Kehrseite des Komischen. Der Joker ist ein Beispiel hierfür, und obwohl man ihn manchmal für einen Bösewicht halten mag, trägt er die Essenz des Antihelden in seiner DNA. Er ist ein Mann mit einer schrecklichen Vergangenheit, der sich als Clown verkleidet, über Grausamkeit lacht und sich ein Lächeln auf ein von Traurigkeit gezeichnetes Gesicht malt.

Es ist leicht, sich in einen Antihelden hineinzuversetzen, weil er nicht immer glücklich ist und das in der heutigen Zeit leicht zu verstehen ist.

Authentische und unvollkommene Antihelden

Aber es ist wichtig, den Antihelden aus dem Lehrbuch nicht mit demjenigen zu verwechseln, der einfach nur unvollkommen ist. Tony Stark (Ironman) und Batman symbolisieren Letzteres. Sie haben Licht- und Schattenseiten, der eine ist exzentrisch und sogar unverantwortlich, der andere hat eine komplizierte Vergangenheit, die den Tod seiner Eltern einschließt. Dennoch sind sie beide Helden. Es sind Charaktere, die große Probleme lösen und, wie Carl Jung es nannte, den Archetyp des Erlösers symbolisieren.

Aber tatsächliche Antihelden retten niemanden. Denn sie haben selber zu viel zu tun, als dass sie jeden Tag aufstehen würden, um ein Retter zu sein. Es sind Figuren, die aus Widrigkeiten, Traumata, Verlust und Verrat hervorgehen. Sie erschaffen sich daraus ihre eigene Welt, in der ihre eigenen Gesetze gelten und ihr eigenes Wertesystem herrscht, welches sich von dem der Mehrheit unterscheidet.

Gut und Böse lösen sich auf und diese Charaktere können sich in beiden Sphären bewegen. Sie sind zu großen Taten fähig und Meister darin, die Regeln zu brechen.

Ihre dunkle Anziehungskraft beruht auf Empathie

Obwohl die Leute Helden bewundern, identifizieren sich dennoch mit den Antihelden. Wie kann das sein? Ist es nicht widersprüchlich, dass man sich mit Charakteren wie Walter White oder Tony Soprano identifizieren und genießen kann, was sie tun? Dies passiert, weil der menschliche Sinn für Empathie uns dazu bringt, uns mehr mit denen zu identifizieren, die unglücklich, verzweifelt, frustriert sind und die sich gegen ein gescheitertes System auflehnen und zur Wehr setzen.

Walter White zum Beispiel ist aufgrund seiner Krebsdiagnose ein sehr sympathischer Charakter. Er ist Chemielehrer an der High School. Dennoch hat er keine andere Wahl, als Methamphetamin herzustellen, um seine Familie zu ernähren. Dann ist da noch Maleficent, eine Fee, die von einem Liebhaber verraten und missbraucht wurde, und der sie nicht nur verlassen, sondern ihr buchstäblich die Flügel abgeschnitten hat.

Es ist ziemlich einfach, sich mit derartigen Figuren zu identifizieren. Ihre dunkle Seite ist attraktiv, weil du dich in das Motiv einfühlen kannst, das sie dorthin geführt hat.

Der Antiheld befreit dich in einer gescheiterten Gesellschaft

Der Punisher, Daredevil, Jessica Jones… In den letzten Jahren gab es eine Vielzahl von Adaptionen dieser Figuren auch jenseits der großen Kinoleinwände. Irgendetwas an diesen Antihelden wirkt wie ein Balsam, ein kathartisches Mittel. Sie repräsentieren viele der Dinge, die Menschen gerne tun würden, aber nie in die Tat umsetzen würden. Diese Antihelden brechen das Gesetz im Namen der Gerechtigkeit. Und sie tun dies in der Überzeugung, dass ihr Handeln in einer gescheiterten Gesellschaft gerechtfertigt ist.

Es gibt Zeiten, in denen der Antiheld drastische Maßnahmen gegen Ungerechtigkeit ergreift. Außerdem sind ihre extremen Reaktionen durchaus attraktiv und der Zuschauer bewundert ihre Entschlossenheit angesichts der Dinge, die er selbst nie zu ändern wagen würde.

Antihelden - Angeline Jolie als Maleficent

Der Antiheld ändert sich nie (und niemand will das)

Der dunkle Reiz von Antihelden lässt sich nicht verleugnen, er existiert. Und dies, obwohl sie lügen, grausam, verräterisch und sogar gewalttätige Mörder sind. Sie können durchaus sehr widersprüchlich sein. Oft hasst du sie und willst dich eigentlich nicht weiter mit ihnen beschäftigen. Ja, irgendwann vermeidest du sie sogar, weil sie gegen deine eigenen ethischen und moralischen Prinzipien verstoßen. Aber früher oder später willst du mehr über sie wissen. Daher schaust du dir dann also einen weiteren Film oder eine weitere Episode dieser Serie an. Oder du liest einen weiteren Comic oder ein weiteres Buch…

Tief in deinem Inneren willst du nicht, dass sich diese Figuren verändern. Wenn ein Superheld zum Beispiel vom Pfad des Guten abweicht, tut er sein Bestes, um wieder auf den richtigen Weg zu zurückzugelangen. Im Gegensatz dazu wird der Antiheld nie versuchen, sich zu verändern, und genau das mögen die meisten Menschen an ihm: seine (oder ihre) Unvollkommenheit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Helden heute von Antihelden verdrängt wurden. Sie fungieren in gewisser Weise als Spiegel der dunkelsten Sehnsüchte der Menschen; jener Sehnsüchte die man niemals jemandem offenbaren würde.

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