Der Bote der Götter: Maya-Legende über den Kolibri

Für die Mayas war der zauberhafte Kolibri ein magisches Geschöpf, das Freude bringt und zwischen Menschen und Göttern vermittelt.
Der Bote der Götter: Maya-Legende über den Kolibri
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 07. August 2022

Die Maya-Legende über den Kolibri geht auf das Jahr 2000 v. Chr. zurück. Das kulturelle und anthropologische Erbe zeigt die Faszination der Maya für einen Vogel mit den Farben des Regenbogens. Diesem Wesen, das kaum 20 Gramm wiegt und bis zu 60-mal pro Sekunde mit den Flügeln schlagen kann, wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben, unter anderem als Bote der Götter.

Die Schönheit dieses Vogels symbolisierte auch die reine Liebe und die Zerbrechlichkeit des Herzens. Nur wenige Lebewesen in der Natur scheinen so zart und außergewöhnlich zugleich zu sein. Nicht jeder weiß zum Beispiel, dass der Kolibri der Vogel mit dem größten Gehirn im Verhältnis zu seiner Größe ist. Vielleicht hat die Natur, so sagen es die Maya-Götter selbst, dieses Tier absichtlich für einen ganz bestimmten Zweck erschaffen.

Zu den Aufgaben des Kolibris gehörte es, alle Gedanken, Wünsche und Überlegungen der Menschen zu sammeln, um diese Informationen zu den mesoamerikanischen Gottheiten zwischen Guatemala, Belize und Mexiko zu bringen, auch in den westlichen Regionen von Honduras und El Salvador. Ein Teil dieser legendären Vergangenheit des Kolibris ist uns in Form von kuriosen Traditionen erhalten geblieben … Schauen wir uns diese an.

Die Legende besagt, dass jeder, der es wagt, einen Kolibri zu fangen, von den Göttern bestraft wird.

Kolibri
Wenn du einen Kolibri siehst, weißt du, dass eine Person an dich denkt, die dich liebt.

Die Maya-Legende über den Kolibri: Bote der Götter

Es wird oft darauf hingewiesen, dass ein Teil der mesoamerikanischen Kultur in bestimmten Traditionen der modernen Maya immer noch präsent ist. Wenn wir heute das Pantheon der Götter und die Geschichten heraufbeschwören und genießen können, dann liegt das vorwiegend an den Büchern von Chilam Balam. Diese Schriften wurden von den Nachfahren der Mayas während der spanischen Kolonisierung verfasst.

Diese Mythologie nimmt besonders auf zwei Gottheiten Bezug: Tepeu und Kukulkan (Quetzalcoatl für die Azteken) waren die Schöpfer der gesamten bekannten Welt. Sie haben nicht nur die Erde, die Berge, die Flüsse und die Meere geschaffen, sondern auch den Menschen und den Tieren das Leben geschenkt. Letzteren wurden jeweils eine Aufgabe und eine Funktion zugewiesen.

Als die Götter diese komplexe Aufgabe der Schöpfung beendet hatten, erkannten sie jedoch eines: Sie hatten vergessen, einem Boten Gestalt zu geben, einer Kreatur, die als Bindeglied zwischen den Göttern und den Sterblichen dienen sollte. Die Maya-Legende des Kolibris besagt, dass sie einen Jadestein nahmen und dann begannen, einen Pfeil daraus zu schnitzen.

Später, als die Arbeit beendet war, pusteten die Götter den beim Schnitzen entstandenen Staub weg. So erwachte eine kleine, leuchtende Kreatur zum Leben. Sie flog sehr hoch und sehr schnell, mit der Lebendigkeit außergewöhnlicher Kreaturen, mit der Magie von Wesen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen.

Sie hatte die Farben des Regenbogens in ihrem Gefieder und ihre Flügel waren wie die eines Insekts. Die Maya-Götter nannten diesen kleinen Vogel al x ts’unu’um.

Der kleine magische Kolibri

Der Kolibri ist ein Vogel, der so klein und zart ist, dass er sich jeder Blume nähern und sich nähren kann. Es heißt, dass die Maya-Götter von dieser Kreatur fasziniert waren. Sie liebten es, Kolibris bei Regen zu beobachten, denn diese leuchteten in allen Farben, als wäre das gesamte Universum auf dem Federkleid vorhanden.

Die Maya-Legende erzählt, dass der Kolibri zum Überbringer von Botschaften zwischen den Welten wurde. Er trug den Göttern nicht nur vor, was die Menschen dachten, fühlten oder brauchten. Der Kolibri brachte auch Informationen aus dem Jenseits, von den Toten.

Trotz ihrer scheinbaren Zerbrechlichkeit gibt es Kolibris von Alaska bis Chile. Es gibt mehr als 343 identifizierte Arten und die Begegnung mit dieser kleinen Kreatur ist immer sehr erfreulich.

Freude, Glück und Heilung

Die Länder, die das Glück haben, diese wunderschönen Kreaturen in ihrem Ökosystem zu beheimaten, wissen, dass eine Begegnung mit einem Kolibri niemandem gleichgültig ist. Die Legende der Kolibris besagt, dass diese die Überbringer von Freude und Glück sind. Und nicht nur das – die bloße Anwesenheit dieser Vögel hat heilende Eigenschaften.

Mit ihrem nervösen Flattern bringen Kolibris Hoffnung, Freude und Heilung. Das Tier fliegt um den Kopf einer Person herum, um negative Energien zu entfernen, Schmerzen zu lindern und Kummer zu vertreiben. Man muss sich nur das Funkeln seines Gefieders ansehen, um in seinen magischen Bann zu geraten.

Kolibri
Einen Kolibri zu fangen, bringt Unglück – wir sollten das nie tun.

Die Maya-Legende über den Kolibri besagt, dass wir diesem niemals schaden sollten

Ein Kolibri sollte niemals berührt, gefangen oder in einen Käfig gesperrt – geschweige denn getötet – werden. Die Maya-Götter legten einen unerbittlichen Fluch auf die Sterblichen: Wer es wagte, einem Kolibri etwas anzutun, wurde für immer liebeskrank und war dazu verurteilt, einen frühen Tod zu sterben.

Der Kolibri ist ein heiliges Tier. Er ist ein Bindeglied zwischen den Welten, ein treuer Bote, er bringt Freude mit sich und in seinem Körper steckt der außergewöhnliche Abglanz des Universums, des Regenbogens … Der kleine Vogel lädt uns dazu ein, die Welt, das Leben und die Natur zu lieben. Deshalb sollten wir diese zarten, aber immer faszinierenden Wesen respektieren.

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