Der Ärger, den wir versuchen einzusperren, ist am gefährlichsten

· 13. November 2015

Wenn du sauer bist, warum tust du dann so, als wärst du es nicht? Ja, du sagst sehr oft, dass es nicht so ist. Oft tun wir so, als würden wir uns gar nicht ärgern, um den Anschein zu bewahren und die Umgangsformen aufrecht zu halten. Doch dies schadet nicht nur uns selbst, sondern gibt den Anderen Hinweise darauf, was man tun kann, um dich zu dominieren und um sich dir aufzudrängen.

Das wirkliche Problem besteht darin, dass du nicht weißt, wie du deine Wut kanalisieren kannst und unterdrückst sie deshalb lieber. Sie wird jedoch früher oder später ausbrechen.

Der Grund, warum wir nicht versuchen, zu lernen, wie man die Wut bändigen kann, liegt darin, dass es sich um eine Emotion handelt, an die wir so nicht denken, von der wir glauben, dass sie nicht zu uns passt oder weil wir meinen, sie dominieren zu können. Es wird uns vielmehr beigebracht, dass man sie vermeiden soll, um keine Kollateralschäden in unserer Umgebung anzurichten.

Dadurch lassen sich sehr anstrengende Situationen vermeiden, es kann aber auch negative Konsequenzen haben, wenn man den Ärger komplett unterdrückt. Es kann eine Herausforderung sein, zu wissen, wann man ihn besser vermeidet und wann nicht. Wir möchten dich dazu animieren, mit uns gemeinsam zu analysieren, wann du deine Wut nicht unterdrücken solltest.

Unterdrückte Wut verursacht gesundheitliche Probleme

Wir denken über Gefühle oft so nach, als hätten sie keinen Einfluss auf unseren Körper, als wäre der Körper ein Behälter, in denen sie aufbewahrt werden und ein Mittel, um sie physisch auszudrücken. Man nimmt an, dass sich die Gefühle körperlich genauso ausdrücken, wie sie es in unseren Gedanken tun.

Unterdrückte Wut jedoch kann zu schweren, gesundheitlichen Problemen führen, da die Körper und Geist sehr wohl miteinander in Zusammenhang stehen, auch wenn dies vordergründig nicht so zu sein scheint. Einige dieser möglichen Probleme sind Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, erhöhte Ängstlichkeit, Depression, hoher Blutdruck, Hautprobleme oder Herzprobleme (Herzanfall, Herzjagen).

Du musst einen Weg finden, dich von dieser Wut zu befreien und sie ausdrücken oder sie wird dich zerstören.

Ärger verursacht eine Veränderung deines Verhaltens

Unsere Emotionen bleiben in uns gespeichert, wenn wir uns nicht mit ihnen beschäftigen und dies kann dazu führen, dass sie auf unkontrollierte Weise zum Vorschein kommen.

Es ist möglich, dass wir uns zunächst gut fühlen, da wir einen Wutanfall kontrollieren konnten und so niemanden verletzt oder beleidigt haben, später jedoch – wahrscheinlich – werden wir sie stattdessen an Anderen auslassen – an jenen, die unschuldig sind oder nichts damit zu tun haben, da sie für uns keine Bedrohung darstellen. Du hast nicht die Absicht, ihnen zu schaden, aber deine Wut brennt auf kleiner Flamme in deinem Inneren und dies kann dazu führen, dass sich deine Selbstkontrolle in Luft auflöst.

Die unterdrückte Wut kann auch zu Angststörungen, irrationaler Angst und Raserei führen. Das Gefühl möchte heraus, wo auch immer es kann.

Ärger

Wie und wo soll man Grenzen setzen

Es ist ein erster, wichtiger Schritt, sich bewusst zu machen, dass die Wut ein Teil von uns ist, denn nur so können wir anfangen, gesunde Grenzen zu setzen. Ärgern wir uns wegen etwas, was die Anderen getan haben oder wird die Wut durch eine persönliche Verletzung aus unserer Vergangenheit verursacht, an die wir uns erinnern? Entsteht sie aufgrund einer Schwäche auf unserer Seite oder behandelt man uns wirklich schlecht?

Die Antworten auf diese Fragen entdeckt man, wenn wir uns mit unserer Wut konfrontieren. Diese Erkenntnis wird uns Klarheit schaffen, um gute Entscheidungen treffen zu können, wie wir am besten mit den Beziehungen umgehen, die wir mit anderen Menschen aufgebaut haben. Es ist möglich, dass wir einen Schritt zurück machen müssen, um uns bewusst zu machen, dass die Anderen nicht so schlecht sind, wie wir das geglaubt haben.

Die Anderen müssen wissen, dass sie dir Schaden zufügen

Auch wenn manchmal andere Menschen mit der Absicht handeln, dir zu schaden, ist es mit Sicherheit in der Mehrzahl der Fälle nicht so und niemand will dich wütend machen. Und wir wissen das. Deshalb unterdrücken wir diese Wut. Und wenn wir uns noch dazu schuldig für unsere Wut fühlen, können wir sie in unserem Inneren einschließen und uns selbst die Schuld geben, ohne das wirkliche Problem anzugehen.

Wenn wir uns die Möglichkeit geben, uns zu ärgern und die Motive der Wut zu analyisieren, werden wir uns bewusster über die Ursachen, die hinter ihr stehen. So können wir die richtigen Werkzeuge anwenden, um uns Stück für Stück von dem Ärger zu befreien, ohne größere Schäden anzurichten. Dazu hilft eine Übung zur gesunden Selbstkontrolle.

Es kann angenehm sein, die Wut zu erfahren

Genauso wie dich die unterdrückte Wut schlecht fühlen lässt, entsteht ein tröstendes Gefühl, wenn du sie los wirst. Es ist so, als nehme man ein großes Gewicht von deinem Rücken. Wut auf eine bewusste Art zu erfahren ist eine komplett andere Erfahrung als ihre Negation.

Sie kann uns helfen, uns selbst kennenzulernen und zu verstehen, warum uns bestimmte Dinge aufregen.

Es geht nicht darum, in einem Zustand ständiger Wut zu leben, sondern eben nicht so zu tun, als würde sie nicht existieren. Die Wut ist eine natürliche, menschliche Emotion und wir müssen uns die Erlaubnis geben, sie zu erfahren. Nur so werden wir lernen, sie auf gesunde Weise auszudrücken. Wir sollten nicht nur versuchen, zu vermeiden, dass sie uns dominiert, sondern auch ihren Auslösern aus dem Weg gehen. Und dazu müssen wir sie kennen.