Depression: 4 therapeutische Metaphern zum Nachdenken

Therapeutische Metaphern ermöglichen es, die eigene Situation anhand einer Idee oder einer Geschichte aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Depression: 4 therapeutische Metaphern zum Nachdenken

Letzte Aktualisierung: 18. April 2022

Therapeutische Metaphern werden im Zusammenhang mit Depressionen oft in Ansätzen wie der Akzeptanz- und Commitment-Therapie verwendet. Das Ziel dieser Metaphern ist es, den Patienten eine andere Perspektive auf ihre Situation zu geben und sie in die Lage zu versetzen, ihre Realität auf eine tiefere, reflektiertere und originellere Art und Weise zu analysieren.

Es sollte jedoch beachtet werden, dass diese sprachlichen Mittel die Person nicht dazu bringen, ihre Depression von einem Tag auf den anderen zu überwinden. Es ist ein weiterer Schritt, eine weitere Strategie in dem Instrumentarium, das Psychologen zur Verfügung steht, um den therapeutischen Prozess der Patienten zu fördern.

Außerdem wecken diese dialektischen Übungen unabhängig vom Alter der Person Ideen, laden zur Konfrontation ein und durchbrechen oft sogar negative Denkmuster.

In seinem Buch “A Psychotherapist’s Therapeutic Metaphors” stellt Sheldon Kopp eine breite Palette von therapeutischen Metaphern zusammen. Auch George W. Burns liefert mit seinem Buch “Healing with Stories: Cases for Using Therapeutic Metaphorseine neuere, ausführliche Arbeit zu diesem Thema.

Solche Strategien werden schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Milton Erickson, der Pionier der Muskelentspannung und Hypnose im therapeutischen Prozess, betonte, dass er in seinen Sitzungen immer therapeutische Metaphern verwendete. Sie bieten eine Möglichkeit, den Verstand der Patienten zu aktivieren, sie in eine Situationen zu bringen, die eine Konfrontation und eine Entdeckung auslösen können.

“Im Allgemeinen wird eine Metapher als eine Redeweise definiert, bei der eine Realität in Begriffen einer anderen ausgedrückt wird. Auf diese Weise können wir das, was der Patient erlebt, erhellen, damit er es anders sehen kann.”

Sheldon Kopp

Depression: therapeutische Metaphern zum Nachdenken

Therapeutische Metaphern als Instrument bei Depressionen

Ein erster Aspekt, den du bei den therapeutischen Metaphern bedenken solltest, ist, dass sie nicht immer nützlich sind. Wenn die Patientin oder der Patient beispielsweise an einer schweren Depression leidet und nicht in der Lage ist, die Aufmerksamkeit zu fokussieren und zu reflektieren, ist nicht der richtige Zeitpunkt für eine Metapher gegeben.

Anschließend sehen wir uns vier verschiedene Metaphern an, die hilfreich sein können. Die psychologische Fachkraft entscheidet, ob der richtige Zeitpunkt gegeben ist.

1. Die Metapher des Sumpfes

Stell dir vor, dass es dein Lebensziel ist, den Gipfel eines wunderschönen Berges zu erklimmen. Du machst dich auf den Weg zu diesem magischen Ziel und stößt plötzlich auf ein Hindernis: ein Sumpf breitet sich vor dir aus. Du fällst hinein, du versinkst langsam und versuchst trotzdem vorwärtszukommen. Mit jedem Schritt versinkst du etwas tiefer im Schlamm.

Reflexion⇒ Auf der Reise des Lebens sind wir gezwungen, Hindernisse zu überwinden. Depressionen sind nur ein weiterer Teil des Weges zur Selbstverwirklichung, zum Gipfel des Berges. Ob du willst oder nicht, du bist gezwungen, dich aus dem Sumpf zu ziehen, um dein Ziel zu erreichen. Es handelt sich um einen Prozess, den du früher oder später mithilfe der Therapie überwinden wirst.

2. Die Metapher des Wasserspeiers

Eine Depression ist so, als würdest du einen schweren Wasserspeier auf deinen Schultern tragen. Ein Stein, der dir ständig zuflüstert, wie wenig du wert bist und wie dunkel alles um dich herum ist. Er ist geschickt darin, dir bei fast jeder Gelegenheit zum Verhängnis zu werden, und das Schlimmste ist, dass dieser Wasserspeier nie Ruhe gibt und dich immer mehr belastet.

Reflexion⇒ Du musst diesen Wasserspeier entmachten, ihn von deiner Schulter, aus deinem Leben entfernen. Diese Kreatur, die dir zuflüstert, ist dein innerer Dialog, die psychologische Dimension, die du kontrollieren und zu deinen Gunsten verändern musst.

Therapeutische Metaphern: der Wasserspeier


3. Therapeutische Metaphern: der Lichtschalter

Unter den therapeutischen Metaphern finden wir auch die des Lichtschalters. In diesem Fall geht es um die Idee der negativen Gedanken. Um das zu verstehen, stellst du dir ein Zimmer vor, in dem das Licht kaputt ist. Jedes Mal, wenn du die Schwelle zu diesem Raum überschreitest, greifst du automatisch nach dem Lichtschalter, um das Licht einzuschalten. Du weißt, dass es kaputt ist, aber dein Gehirn versucht, den Schalter zu betätigen, weil es daran gewohnt ist.

Reflexion⇒ So ist es auch bei Depressionen. Die negativen Gedanken entstehen automatisch. Du schaltest sie ständig ein. Denke darüber nach und versuche, sie zu kontrollieren.

4. Der Computervirus

Stell dir vor, du sitzt an deinem Computer und etwas Ungewöhnliches passiert. Plötzlich bekommst du Nachrichten wie “du bist nutzlos”, “es wird alles schiefgehen”, “du wirst immer unglücklich sein”, “du verdienst die Einsamkeit”, “es gibt keine Lösung für deine Probleme” usw. Du fühlst dich alarmiert und verängstigt.

Du weißt, dass es ein Trojaner ist, dass dein Computer infiziert ist. Anstatt den Virus zu entfernen, oder um Hilfe zu bitten, um dies zu tun, beschränkst du dich darauf, weiterzuarbeiten.

Du hast viel zu tun, andere erwarten von dir, dass du Berichte oder Aufträge ablieferst. Also versuchst du, diese Nachrichten zu akzeptieren, während du deine Aufgabe mit großer Mühe erledigst. Nach zwei Tagen, fühlst du dich unfähig, die negativen Nachrichten nehmen dir jede Motivation.

Reflexion⇒ Manchmal musst du innehalten und um Hilfe bitten. Es spielt keine Rolle, was andere von dir erwarten. Wenn du das Problem, das du heute hast, auf morgen verschiebst, wird das Unbehagen nur noch größer.

Therapeutische Metaphern: Nachrichten auf deinem Computer

Therapeutische Metaphern sind nicht nur bei Depressionen nützlich. In gewisser Weise laden sie uns alle dazu ein, nachzudenken, tiefer in unsere persönlichen Realitäten einzutauchen und andere Perspektiven einzunehmen. Ihre Macht ist immens, wir sollten deshalb diese Ressourcen viel häufiger verwenden.

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  • Burns, G. (2009). Healing with Stories: Your Casebook Collection for Using Therapeutic Metaphors. Australian and New Zealand Journal of Family Therapy (Vol. 30, pp. 315–316). https://doi.org/10.1016/S0014-5793(99)00327-0
  • David Gordon (1978) Metáforas terapéuticas para el cambio. Ariel
  • Grinder, R. Bandler, R (1981) Trance-Formations. Explore Press
  • Kopp, Sheldon (2009) Metáforas de un psicoterapeuta. Gedisa.
  • Witztum, E., van der Hart, O., & Friedman, B. (1988). The use of metaphors in psychotherapy. Journal of Contemporary Psychotherapy18(4), 270–290. https://doi.org/10.1007/BF00946010