Dein Gehirn vervielfacht Probleme: Hier ist der wissenschaftliche Beweis dafür!

Das Gehirn vervielfacht Probleme infolge einer kognitiven Verzerrung, die zur Bildung und Entwicklung von Mustern führt. Diese werden dann ohne einen triftigen Grund verallgemeinert oder übermäßig häufig angewendet.
Dein Gehirn vervielfacht Probleme: Hier ist der wissenschaftliche Beweis dafür!

Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2020

Viele Menschen beklagen sich darüber, dass nur selten ein Problem auf einmal auftritt. Denn meistens ergeben sich gleich zwei oder drei daraus. Sie glauben, dass es einfach kein Ende zu nehmen scheint, wenn eine solche Phase begonnen hat. Aber all das ist keine schlechte Fügung des Schicksals. Stattdessen ist hierfür eine kognitive Verzerrung verantwortlich und Wissenschaftlern gelang der Beweis: Dein Gehirn vervielfacht Probleme.

Zu dieser Schlussfolgerung gelangten sie, nachdem sie verschiedene Experimente durchgeführt hatten. Aber dennoch stellt sich die Frage: Warum  vervielfacht das Gehirn Probleme? Nun, obwohl es sich um ein wirklich sehr faszinierendes und komplexes Organ handelt, hat auch das Gehirn seine Grenzen.

Derartige Einschränkungen ergeben sich aus der Tatsache, dass der Geist dazu tendiert, Muster für alles zu erstellen, um dadurch Energie zu sparen. Allerdings können diese generalisierten Muster zu Missverständnissen führen.

Die wichtigste Erkenntnis in Bezug auf die Tatsache, dass das Gehirn Probleme vervielfacht, besteht in Folgendem: Informationen erlauben es uns, kritisch und aufmerksam dafür zu sein, wie Gedanken funktionieren. Dann können wir dem erforderlichenfalls auch Grenzen setzen. Andernfalls würden die Schwierigkeiten und emotionalen Belastungen, die das Gehirn kreiert, zu unnötigem Stress und Problemen führen.

“Wir können unsere Probleme nicht mit dem gleichen Denken lösen, mit dem wir sie erschaffen haben.”

-Albert Einstein-

Gehirn vervielfacht Probleme - Gehirn aus Wolken

Dein Gehirn vervielfacht Probleme

Um den Mechanismus zu erklären, mit dem das Gehirn Probleme vervielfacht, hat David Levari, ein Psychologe von der Harvard University, einen anschaulichen Vergleich genutzt. Er sagte, dass das Gehirn angesichts von Angst auf ähnliche Weise reagiere wie ein nachbarschaftliches Überwachungssystem.

Ein solches System wird aktiv, wenn sich Nachbarn aus verschiedenen Gründen in ihrer Gemeinschaft nicht mehr sicher fühlen. Die Rolle der Nachbarn ist es, die anderen Nachbarn zu warnen, wenn sie fremde Personen oder verdächtige Aktivitäten beobachten, die zu Überfällen oder anderen Verbrechen führen könnten. Wenn sie entdecken, dass etwas nicht in Ordnung ist, verständigen sie umgehend die Polizei, sodass diese die erforderlichen Maßnahmen einleiten kann.

Derartige Systeme funktionieren normalerweise und führen dazu, dass sich alle Nachbarn relativ sicher fühlen. Obwohl es ein logischer Gedanke wäre, anzunehmen, dass sich die Zahl der Notrufe reduzieren würde, ist das tatsächlich nicht der Fall. Was stattdessen passiert, ist, dass die Nachbarn Gefahren in Situationen oder Handlungen zu erkennen glauben, die sie vorher gar nicht für verdächtig gehalten hätten.

Es ist so, als ließe sich ein Alarm, der eingeschaltet worden ist, nicht mehr abstellen. Das Gehirn funktioniert in ähnlicher Weise. Sobald aufgrund eines bestehenden Problems verschiedene Warnungen und Alarmsignale ausgelöst wurden (und jedes Problem beinhaltet eine implizite Gefahr), können sie nicht mehr “ausgeschaltet” oder blockiert werden und das Gehirn scheint sie noch weiter zu verstärken.

Ein aufschlussreiches Experiment

Nach der Durchführung verschiedener Experimente gelangten die Experten zu der Schlussfolgerung, dass das Gehirn Probleme vervielfacht. Eines der bekanntesten Experimente, welches sich später auch in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer verbreitete, wurde in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Für dieses Experiment versammelten die Forscher 1.000 Teilnehmer, die ein völlig normales Sehvermögen hatten. Die Forscher zeigten den Probanden ein Bild, das sich aus 1.000 Farbpunkten zusammensetzte. Die Farben reichten von einem sehr intensiven Blau bis zu tiefem Violett. Die verschiedenen Farbschattierungen waren dabei zufällig verteilt.

Anschließend baten sie die Teilnehmer, zu sagen, welche der Punkte blau und welche violett waren. In der ersten Sitzung erkannten die meisten die blauen Punkte ohne Probleme.

Allerdings schien das Konzept von Blau in den folgenden Sitzungen immer stärker zuzunehmen. Daher hielten die Teilnehmer am Ende auch jene Punkte für blaue Punkte, die eindeutig violett waren. Aber was bedeutet das nun?

Gehirn vervielfacht Probleme - besorgte Frau

Die Vorurteile und Verzerrungen deines Gehirns

Das Experiment zeigt, dass das Gehirn tatsächlich dazu neigt, immer starrere Muster zu erzeugen. Das ist auch der Grund, warum die Teilnehmer, die zu Beginn des Experimentes ganz klar blaue von violetten Punkten unterscheiden konnten, anschließend glaubten, dass alle Punkte blau wären.

Aber warum ist dies nun ein Beweis dafür, dass dein Gehirn Probleme vervielfacht? Wenn du ein Problem hast, entsteht ein subjektives Warnsignal. Daraufhin unternimmst du Anstrengungen, um dieses Problem zu lösen. Aber auch nachdem du das Problem gelöst hast, wendet dein Gehirn diese kürzlich identifizierten Risikofaktoren ebenso auf andere Phänomene an, selbst wenn sie in keiner Weise in diese Kategorie fallen.

Wir wollen dies an einem alltäglichen Beispiel verdeutlichen. Eine Person hat sich mit ihrem Chef gestritten und dieser Streit war ziemlich heftig. Anschließend gehen beide wieder zu ihrem Schreibtisch zurück. Dort angekommen kann diese Person ihren Stift nicht mehr finden. Aber das liegt nicht daran, dass der Stift etwa verloren gegangen wäre. Vielmehr liegt das daran, dass diese Person immer noch von diesem Streit betroffen und irritiert ist. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass diese Person dann sagt “Heute geht auch wirklich alles schief”, obwohl das tatsächlich überhaupt nicht der Fall ist.

Dein Gehirn vervielfacht Probleme: Abschließende Gedanken

Dies geschieht auch in großen Krisenzeiten, einfach aufgrund der Tragweite des Problems. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ein heftiger Wirbelsturm oder ein großes Erdbeben als Vorboten des Weltuntergangs gedeutet werden, obwohl dies tatsächlich gar nicht der Fall ist. Das Gehirn befindet sich einfach in einem Alarmzustand. Daher treten dann auch negative Gedanken in den Vordergrund.

Kurz gesagt, du solltest wachsam sein, damit diese kognitive Verzerrungen nicht alle Situationen deines Lebens überlagern und beeinträchtigen.

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  • Aguado, L. (2002). Procesos cognitivos y sistemas cerebrales de la emoción. Revista de neurología, 34(12), 1161-1170.