Katastrophendenken – oder von allem „einen schlechten Film schieben“

· 17. Februar 2019

Katastrophendenken kommt in unserem Leben oft auf zwei Arten zum Ausdruck. Die erste ist, wenn wir eine gegenwärtige Schwierigkeit oder negative Situation größer machen oder gar maximieren. Die zweite kommt zutage, wenn wir in die Zukunft schauen und dabei nur das Worst-Case-Szenario für unsere Probleme oder gegenwärtige Situationen vor Augen haben können.

Umgangssprachlich heißt es, dass diejenigen, die das Katastrophendenken pflegen, „einen schlechten Film schieben“. Das ist es, was los ist: Es ist, als würde der Verstand einen ganzen Film, d. h. eine Abfolge von Ereignissen, produzieren. Das Besondere an diesen Ereignissen ist, dass sie sehr negativ sind oder eine große Zerstörungskraft haben. Wer sich so verhält, tut, als müsse er sich mit seiner eigenen Fantasie geißeln.

Menschen mit einem hohen Maß an Angst und Depressionen hantieren oft mit Katastrophendenken. Es ist eines der Elemente, die genau diese Depression oder Angst erhalten. Dass ihnen diese Ideen in den Sinn kommen, ist die Folge eines Geisteszustandes, der gestört ist. Dieser Geisteszustand veranlasst sie dazu, über das Schlimmste, das Makabre oder das Schreckliche zu fantasieren. Schauen wir mal, worum es dabei geht.

Der Optimist hat immer ein Projekt. Der Pessimist hat immer eine Ausrede.

Die Merkmale des Katastrophendenkens

Das Hauptmerkmal des Katastrophendenkens ist, dass es nicht auf dem Erkennen realer Risiken beruht. Es geht von einem Gedanken aus, der auf der Ebene des Imaginären oder Fantastischen geschaffen und gehalten wird. Mit anderen Worten, die visualisierten Gefahren, Bedrohungen oder Schäden sind grundsätzlich sehr unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich.

Eine Person, die von Katastrophendenken beherrscht wird, mag zum Beispiel das Gefühl haben, dass ihr Herz sehr stark schlage. Sie würde dies nicht mit der Tatsache in Verbindung bringen, dass sie vor einer Weile eine Tasse Kaffee getrunken hat oder in den letzten fünf Minuten sehr schnell gegangen ist. Vielmehr würde sie darin den Beginn eines Herzinfarkts oder den endgültigen Beweis für rapides Altern sehen.

Jemand mit Katastrophendenken wird auch nicht in ein Flugzeug steigen, weil er „spüren kann“, dass er bei einem schrecklichen Unfall umkommen könnte. Oder mitten ins Meer stürzen und von Haien verschlungen würde. Wie auch immer. Wie wir sehen können, sind katastrophale Gedanken in der Regel nicht unmöglich, aber durchaus unwahrscheinlich.

Ein „Katastrophist“ wird die schlechteste aller Optionen wählen, um sich die Zukunft auszumalen. Dies hat natürlich sehr negative Auswirkungen auf seinen emotionalen Zustand und seine Verhaltensmuster.

Frau hält Wolke in der Hand

Der Ursprung dieser Denkart

Hinter dem Katastrophendenken verbirgt sich eine Art Skript, also ein sich wiederholendes Denkmuster. So etwas wie eine Vorlage, die für alles gilt, was uns durch den Kopf geht. Wir programmieren uns selbst, die Welt in schreckliche Bahnen zu lenken.

Warum passiert das? Das haben wir bereits gesagt: Es ist eine Art, die Angst und/oder Depression auszudrücken, die wir mit uns herumtragen. Diese Geisteszustände nähren und ernähren sich selbst. Sie sind wie ein Schneeball, der zu einer Lawine heranwächst. Der Katastrophismus ist eine seiner Erscheinungsformen.

Für einige wird er auch zu einer Art Abwehrmechanismus. Es ist, als ob das Denken an das Schlimmste es ihnen ermöglichen würde, sich später erleichtert zu fühlen, weil dieses unwahrscheinliche Szenario doch nicht eingetreten ist. Irgendwie haben sie das Gefühl, sie müssten zwar leiden, während sie sich in diese Szenerie hineinversetzen, aber es bewahrt sie vor Enttäuschung und Schmerzen. Eine Art „Flucht nach vorn“, die sie jedoch in einen Strang unnötiger Qualen hüllt.

Frau mit Gewitterwolke über dem Kopf als Symbol für Katastrophendenken

Die Folgen vom Katastrophendenken

Katastrophale Gedanken, wie alle unsere Gedanken, werden immer von einer Reihe von Gefühlen und Emotionen begleitet. Indem wir ihnen freien Lauf lassen, gelingt es uns nur, Angst, Wut, Groll, Schuld und Traurigkeit zu fördern. Das heißt, es wird zu einer Art, den Pessimismus in uns zu kultivieren.

Andererseits macht uns das unbewusst auch zu sehr fordernden Menschen. Alles muss perfekt sein oder es versinkt im Chaos. Entweder sind die Menschen tadellos, oder sie üben einen schädlichen Einfluss auf unser Leben aus. So werden wir am Ende ewig Unzufriedene, die die Unvollkommenheit der Realität leugnen und bereits im Vorfeld von allem und jedem enttäuscht werden. Auf diese Weise lebt es sich sicher nicht angenehm.

Nun liegt es an uns, zu beurteilen, ob wir mit unseren Gedanken auf die schiefe Bahn geraten. Vielleicht gehen wir den falschen Weg, um mit früheren Unannehmlichkeiten oder Konflikten umzugehen, die wir nicht gelöst haben.

Katastrophendenken schützt uns nicht und hilft uns nicht, uns zu befreien. Vielmehr entzieht es uns der Initiative und macht uns gleichzeitig unkonform. Vom Samen der Bitterkeit haben wir bereits gesprochen.