Das WhatsApp-Pärchen: Nachrichten in Beziehungen

· 26. April 2019

WhatsApp-Nachrichten, in denen es heißt „Guten Morgen, ich vermisse dich“ oder „Wie läuft dein Tag?“ sind einfache Gesten, die unsere romantischen Beziehungen bereichern. Die zunehmende Nutzung von Messengern in Beziehungen und die Abhängigkeit vom doppelten blauen Häkchen, das anzeigt, ob die Nachricht gelesen wurde oder nicht, können jedoch manchmal zu extremen Situationen führen, zu Kontrollzwang und Missverständnissen, die unnötige Konflikte hervorrufen.

Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior  veröffentlichte Studie zeigt, wie sehr sich unsere Beziehungen in den letzten Jahren verändert haben. In dieser Studie wurden US-Amerikaner im Alter zwischen 18 und 45 Jahren nach der Bedeutung von WhatsApp und ähnlichen Anwendungen in ihrem täglichen Leben befragt. Insbesondere fragten die Forscher auch nach der Verwendung von Nachrichtendiensten in ihren Beziehungen. Die Ergebnisse könnten nicht eindeutiger sein: Die Verwendung von Messengern ist wichtig für praktisch jede Beziehung und ist gleichzeitig ein Messinstrument für ihre Qualität geworden.

Das Texten ist für die meisten von uns inzwischen eine unverzichtbare Kommunikationsform. Wir verwenden diese Dienste insbesondere, um mit unserer Familie, Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. Da bleibt es eben nicht aus, dass wir sie auch mit unserem Partner benutzen. Die unmittelbaren Reaktionen auf die Nachrichten des anderen und das damit verbundene Gefühl der Nähe stärken vor allem jene Beziehungen, die sich im Anfangsstadium befinden. Die Dinge scheinen jedoch kompliziert zu werden, wenn wir unsere Beziehung vertiefen und das Stadium erreichen, in dem wir mehr Zeit miteinander verbringen.

Messaging-Dienste können Beziehungen bereichern oder zerstören. Laut Experten spiegele der Umgang mit unseren Handys die Art und Weise wider, wie wir mit unseren Mitmenschen in Beziehung treten, aber auch, wie wir uns in Beziehungen verhalten.

Sind WhatsApp-Nachrichten gut für unsere Beziehungen?

Nachrichten in Beziehungen: Wie wirken sie sich auf uns aus?

Textnachrichten sind oft feinfühlig geschrieben, kommen aber aus der Distanz. Sie können nicht nur unsere Beziehung stärken, sondern auch einen liebevollen Impuls geben, wenn wir ihn am dringendsten brauchen. Außerdem können sie die Verbindung zu unserem Partner intensivieren. Das Ganze hat jedoch einen Haken – oder auch zwei: Paartherapeuten berichten zunehmend darüber, dass das Phänomen des Messaging ein zweischneidiges Schwert sei, das die Partnerschaft belaste.

Viele unserer Meinungsverschiedenheiten und Probleme rühren von der Hypervernetzung, die uns umgibt, denn wir kanalisieren unsere Ängste und Obsessionen heute vor allem digital, und zwar einschließlich unserer Unsicherheiten. Folglich kommt es zu Reaktionen wie Eifersucht, Argwohn und Zwangsgedanken. Um die Auswirkungen dessen besser zu verstehen, müssen wir die unterschiedlichsten Aspekte berücksichtigen, auf die sich Messaging-Dienste in unseren Beziehungen auswirken.

Wie WhatsApp unsere Beziehungn beeinflussen kann

  • Dauernder Kontakt. Zu Beginn einer Beziehung verschicken wir wahrscheinlich jede halbe Stunde Mitteilungen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass es ab einem bestimmten Punkt unmöglich wird, diesen Kommunikationsfluss aufrechtzuerhalten. In diesem Fall wird einer der beiden Partner möglicherweise misstrauisch oder panisch und fragt sich, ob etwas nicht stimme.
  • Unsere Geduld wird getestet. Messaging in Beziehungen stellt diese mitunter auf die Probe, und zwar mit diesem doppelten blauen Häkchen, das erscheint, nachdem unser Partner unsere Nachricht gelesen hat. Denn wenn eine Nachricht nach dem Lesen nicht beantworten wird, kommen schnell Misstrauen und Frustration auf.
  • Ist der Partner online? Zu sehen, dass unser Partner online ist, aber sich nicht mit uns unterhält, kann zu unangenehmen und widersprüchlichen Gedanken führen. Tatsächlich hören manche Leute auf, produktiv zu arbeiten, weil sie ständig überprüfen, ob ihr Partner online ist, und sich dann wundern, mit wem er sich wohl unterhalten mag.
  • Messaging-Dienste dienen auschließlich der indirekten Kommunikation. Trotz der verbreiteten gegenteiligen Meinung können diese Apps zur Fehlkommunikation führen. Und Fehlkommunikation kommt weniger häufig vor, wenn wir von Angesicht zu Angesicht miteinander reden. Dies liegt daran, dass wir die grundlegende nonverbale Kommunikation unseres Partners entschlüsseln können, wenn wir persönlich mit ihm reden. Und wir können einander berühren, was kein Smiley zu vermitteln mag.
  • Passiv-aggressives Verhalten. Messaging-Dienste sind bestens geeignet, um passiv-aggressive Verhaltensweisen zu fördern. Es gibt viele Studien, die diese Tatsache belegen. Zum Beispiel ist Manipulation, entweder durch Belästigung oder durch Unterbrechen des Kontakts, ein unreifes, aber durchaus übliches Verhalten, das zu unangenehmen Situationen führen kann.
Nachrichtendienste wie WhatsApp machen das Texten zu einem Teil der Beziehung.

Wenn wir unsere Liebe in der Tasche tragen

Die Tatsache, dass wir über ein Mobiltelefon oder einen Computer verfügen, bedeutet nicht, dass wir sie auch richtig nutzen würden. Insbesondere dann nicht, wenn wir Messaging-Dienste wie WhatsApp verwenden. Denn dann scheinen wir zu denken, dass wir unseren Partner stets in der Tasche hätten. Im 21. Jahrhundert ist Liebe tragbar geworden! Aber wir nutzen dieses Kommunikationswerkzeug oft falsch.

Daran sind nicht die neuen Technologien oder der wissenschaftliche Fortschritt schuld. Viel eher sind wir die Schuldigen, weil wir uns nicht in Einklang mit diesen großartigen Ressourcen entwickeln, die schließlich da sind, um unser Leben zu erleichtern.

Paar in intimer Umarmung

Heutzutage legen Kurzmitteilungen, Smileys und Häkchen unsere Unsicherheiten in der Beziehung offen. Außerdem kann Eifersucht durch Nachrichten, Sprachnachrichten und Emojis viel leichter ausgedrückt werden und so negativ die Beziehung beeinflussen. Wir sollten versuchen, das zu vermeiden, indem wir uns im Umgang mit unseren Geräten schulen. Schließlich liegt es an uns, diese Ressource zu einer Bereicherung für unsere Beziehungen zu machen, indem wir bei uns selbst anfangen. Wir können dies tun, indem wir unsere Emotionen verwalten, unserem Partner vertrauen und uns bewusst machen, dass persönliche Kommunikation weiterhin die befriedigendste Art der Unterhaltung ist. Diese ist aber nicht durch eine App zu erreichen, sondern nur von Angesicht zu Angesicht.