Das Schlangenparadoxon und die ewige Wiederkunft

Das Paradoxon der Schlange stellt einen logischen Ansatz dar, der mit der Idee der Unendlichkeit zusammenhängt. Verschiedene Religionen, Philosophen und führende Physiker haben sich damit beschäftigt.
Das Schlangenparadoxon und die ewige Wiederkunft

Letzte Aktualisierung: 31. Oktober 2021

Das Schlangenparadoxon bezieht sich auf die ewige Wiederkunft, ein Gedanke, der nicht nur Nietzsche, sondern auch viele andere Philosophen und Denker beschäftigte.

Die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt und somit einen Kreis bildet, war bereits in der Ikonographie des antiken Ägyptens beliebt. In Griechenland erhielt dieses Zeichen der ewigen Wiederkehr den Namen “Ouroboros”. Dieses Symbol stellt einen geschlossenen Kreislauf dar, ein autarkes Wesen. Die Schlange verzehrt sich selbst, ihr Ende entspricht dem neuen Anfang. Der Zirkelschluss stellt die zyklische Wiederholung dar, die Ewigkeit der sich ständig verjüngenden Schlange.

Dieser Prozess der Regeneration ist gleichzeitig ein Symbol der Unsterblichkeit, denn der Ouroboros tötet sich selbst und erweckt sich selbst zum Leben, befruchtet sich selbst und gebiert. Er symbolisiert denjenigen, der aus dem Aufeinandertreffen von Gegensätzen hervorgeht, und stellt somit das Geheimnis des Rohstoffs dar, der unbestreitbar aus der Wurzel des menschlichen Unbewussten stammt.”

Carl Jung

Das Schlangenparadoxon: Endlichkeit und Unendlichkeit

Das Paradoxon der Schlange, das im Ouroboros dargestellt wird, bezieht sich auf die gespannte Beziehung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen. Es repräsentiert ebenfalls die Zyklizität der Existenz und stellt damit das Konzept der linearen Zeit infrage, in der wir uns immer vorwärts bewegen und Vergangenes zurücklassen.

Die Figur des Ouroboros ist eine Metapher für die Begegnung zwischen dem Anfang und dem Ende in einem einzigen Punkt. Aus dieser Perspektive gibt es in Wirklichkeit keinen Anfang und kein Ende, sondern eine ewige Wiederholung von Zyklen, in denen alles zu seinem Ursprung zurückkehrt. Daher wäre die Zeit nicht linear. Es könnte also das Paradoxon entstehen, durch die Rückwärtsbewegung voranzukommen und den Anfangspunkt zu erreichen.

Gleichzeitig bezieht sich das Schlangenparadoxon auf das Konzept der “Unendlichkeit”. Diese Vorstellung kann sich auf ein immense Zahl beziehen, die nicht abgegrenzt werden kann. Das Schlangenparadoxon bezieht sich jedoch darauf, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt, wie es im Ouroboros dargestellt wird, denn Anfang und Ende sind Realitäten, die sich immer treffen.

Das Schlangenparadoxon und die Unendlichkeit

Das Schlangenparadoxon und die Unendlichkeit

Die Zeit als Kreislauf bezieht sich außerdem auf folgende Realität: Jeder Augenblick der Gegenwart wird von der Zukunft verschlungen. Die Schlange beißt sich selbst in den Schwanz und verschlingt sich selbst. Sie zeigt sich im menschlichen Leben selbst: Es wird aus dem Nichts geboren und kehrt mit dem Tod dorthin zurück.

Die Art und Weise, wie wir die Zeit messen, spiegelt diese Realität wider. Die Pfeile der Uhr gehen von einem Punkt aus und legen einen kreisförmigen Weg zurück, bis sie zu diesem Punkt zurückkehren. Dieser Zyklus wiederholt sich ewig. Er wiederholt sich jede Stunde, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr. Dass sich die Zahl von Jahr zu Jahr ändert, ist nur ein kulturelles Element. Im Grunde handelt es sich jedoch um unendliche Zyklen.

Ein sehr interessanter Aspekt dabei ist, dass das griechische Symbol des Ouroboros universell wurde. Diese Ikonographie ist jedoch auch in anderen Kulturen zu finden, beispielsweise bei den Azteken, die sie durch eine gefiederte Schlange darstellen. In der Tat ein merkwürdiger Zufall.

Das Schlangenparadoxon und die Zeit

Die ewige Wiederkehr

Die meisten östlichen Kosmologien basieren auf diesem Prinzip des zyklischen Ablaufs der Realität. Im Westen postulierte Nietzsche das Prinzip der “ewigen Wiederkehr“, das populär wurde, aber wenig Kontinuität im Denken anderer Philosophen fand. Ein solches Prinzip kann auf zwei Arten formuliert werden: zum einen quasi-mathematisch und zum anderen ontologisch.

Aus mathematischer Sicht würde es etwa so aussehen: Die Zeit ist unendlich, aber die Materie und Energie des Universums ist endlich. Wenn das so ist, ist die Art der Kombination von Materie und Energie endlich. Deshalb wird sich dieselbe Kombination in dieser unendlichen Zeit mehrmals wiederholen.

Mit anderen Worten: Was gewesen ist, wird wieder sein. Die Moleküle, aus denen mein Körper besteht, werden sich irgendwann wieder auf die gleiche Weise verbinden und ein anderes Wesen hervorbringen, das genauso ist wie ich.

Aus ontologischer Sicht ist die ewige Wiederkehr eine Bestätigung für die Vergänglichkeit des Lebens: Wir bewegen uns auf unser eigenes Nichts zu. Jung seinerseits spricht von “Regeneration”, dem Prozess, sich im übertragenen Sinne selbst zu töten, um sich Leben zu schenken. Er weist darauf hin, dass dies die eigentliche Wurzel unbewusster Prozesse ist.

Abschließend muss gesagt werden, dass der Physik das Thema des Schlangenparadoxons und der ewigen Wiederkehr nicht fremd ist. Zwei Physiker, Turok und Steindhart, sind der Meinung, dass es eine alternative Erklärung für die Entstehung des Universums gibt und dass sie zyklisch ist. In ihrer Hypothese ist die sogenannte “dunkle Energie” der Schlüssel zu allem: Sie erzeugt endlose Zyklen, die mit einem “Knall” beginnen und genau so weitergehen.

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  • Barbieri, J. H. (2011). Physis frente a Nómos: el eterno retorno. Díkaion: revista de actualidad jurídica, 20(1).