Apeirophobie: Die Angst vor der Unendlichkeit

· 7. März 2019

Die Apeirophobie, oder auch die Angst vor der Unendlichkeit, ist eine sehr eigentümliche Phobie, von der nur wenige Menschen wissen. Bevor wir jedoch erklären, worum es sich handelt, werden wir kurz besprechen, was eine Phobie überhaupt ist.

Eine Phobie ist eine intensive und irrationale Angst vor bestimmten Situationen, Objekten, Personen oder Aktivitäten. Das DSM-5 klassifiziert sie als Angststörung. Eines der Hauptmerkmale einer Phobie ist das Bestreben, das zu vermeiden, wovor man Angst hat. Oder zumindest die Angst und das Unbehagen, welche als Ursache der Phobie gilt, zu reduzieren.

In diesem Sinne ist es wichtig, zwischen Phobien und Ängsten zu unterscheiden. Um den Unterschied zu verstehen, müssen wir uns die Intensität der Angst und die daraus resultierenden Konsequenzen vor Augen halten. Vor diesem Hintergrund müssen wir entscheiden, ob eine Angst das Leben der Person erheblich beeinträchtigt. Darüber hinaus handelt es sich dann um eine Phobie, wenn die Angst sich intensiviert und zu Abwehrreaktionen führt.

Angst ist der Schmerz, der aus der Erwartung des Bösen entsteht.“

Aristoteles

Obwohl es keine spezifische Ursache für die Entwicklung einer Phobie gibt, gibt es einige genetische, soziale oder erlernte Faktoren, welche mit ihrer Entstehung verbunden sein könnten. Auch traumatische Kindheitserfahrungen können einen Einfluss haben. Wenn ein Kind beispielsweise eine Dokumentation darüber sieht, wie Schwarze Löcher Sterne „fressen“, kann sich die tiefgreifende Angst einstellen, von einem Schwarzen Loch aufgesaugt zu werden.

Was ist Apeirophobie?

Apeirophobie ist die übermäßige und irrationale Angst, die auf der Unfähigkeit beruht, das Konzept der Unendlichkeit und der Ewigkeit zu begriefen. Diese Angst verursacht körperliches Unbehagen und kann sich zu jeder Tages- und Nachtzeit manifestieren. Schon ein zufälliger Gedanke über die Unendlichkeit des Weltalls kann einen ernsthaften Angstanfall verursachen.

Dabei erzeugt die Vorstellung, mit der Unendlichkeit in Kontakt zu sein, bei den Betroffenen ein Schwindelgefühl. Menschen mit dieser Phobie vermeiden Situationen oder Faktoren, die das Gefühl der Unendlichkeit anregen können. Zum Beispiel der Himmel, der Ozean oder unendliche Zahlenfolgen. Darüber hinaus vermeiden sie auch die Beobachtung ihres Selbst und stellen sich niemals die Ewigkeit vor.

Menschen, die an Apeirophobie leiden, neigen dazu, ihr Leben so vorhersehbar wie möglich zu gestalten. Sie tun dies, um ihre obsessiven Gedanken über die Unendlichkeit oder das Universum in Schach zu halten.

Apeirophobie kann für den Betroffenen sehr belastend sein.

Ursachen der Apeirophobie

Wie alle anderen Phobien auch hat die Apeirophobie keine eindeutige Ursache. Einige Experten haben genetische, soziale und weitere Umweltfaktoren damit in Zusammenhang gebracht. Darüber hinaus interessierte sich der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, für Phobien. Er sagte diesbezüglich, dass sie stets zwei Phasen haben:

  • Erste Phase: Ein Ereignis tritt ein, das große Angst erzeugt. Zur gleichen Zeit nimmt die Person, die die Phobie entwickelt, ein Objekt aus der Außenwelt wahr (wie Spinnen, Pferde, Autos oder die Unendlichkeit) und sieht es fortan als gefährlich oder als Bedrohung an.
  • Zweite Phase: Die Person beginnt, sich auf jede mögliche Weise zu verteidigen, um den Kontakt mit dieser Gefahr oder Bedrohung zu verhindern.

Biologen liefern eine andere mögliche Erklärung von Phobien. Für sie stehen Faktoren wie Genetik und Gehirnchemie im Vordergrund. Wenn diese Faktoren mit den Lebenserfahrungen verschmelzen, kann die Person eine bestimmte Phobie wie beispielsweise die Apeirophobie entwickeln.

Wie identifiziert man eine phobische Reaktion?

Eine phobische Reaktion beginnt, wenn eine Person dem Objekt oder der Situation ausgesetzt ist, von der sie glaubt, dass sie gefährlich sei. In der Tat kann diese Reaktion zu einer Panikattacke führen. Die wichtigsten Merkmale einer phobischen Reaktion sind:

  • Auf der physiologischen Ebene: ungewöhnlich hohe Herzfrequenz, Atemnot, Schweißausbrüche, Röte oder Blässe, trockener Mund, Magenverstimmung
  • Auf der motorischen Ebene: zitternde Stimme, entgleiste Mimik, seltsame Bewegungen der Extremitäten, Steifheit und sofortiges Ausweichverhalten
  • Und auf der kognitiven Ebene: negative Interpretation der Situation, Zweifel an der eigenen Fähigkeit zur Bewältigung der Situation und Angst vor dem Tod

Merkmale der Apeirophobie

Die Hauptmerkmale der Apeirophobie sind:

  • Eine irrationale und unverhältnismäßige Angst vor dem Konzept der Unendlichkeit und der Ewigkeit
  • Die Erkenntnis, dass die Begriffe Universum, Unendlichkeit und Ewigkeit jenseits des eigenen und gesamtmenschlichen Verständnisses liegen. Dies verursacht Angstzustände, die es schwierig machen, sich zu konzentrieren und alltägliche Aktivitäten auszuführen.
  • Betroffene neigen dazu, Alpträume zu haben, in denen sie unendlich oft und lange fallen.
  • Aufdringliche und negative Gedanken über die Unendlichkeit treten in Momenten der Selbstbeobachtung, Entspannung oder Imagination auf. Daher werden diese Situationen vermieden.
  • Ein großes Bedürfnis, alles unter Kontrolle und in perfekter Ordnung zu halten. Dieses ergibt sich aus dem Versuch, den Konzepten von Ewigkeit, Unendlichkeit und Unermesslichkeit nicht begegnen zu müssen.
  • Es besteht ein starker Drang, das eigene Leben so vorhersehbar wie möglich zu gestalten.
  • Die Menschen, die darunter leiden, erkennen ihre Phobie als irrationale Angst an, können sie aber nicht kontrollieren.

Menschen mit Apeirophobie vermeiden es, über das Universum nachzudenken.

Wie erkennst du, ob du an Apeirophobie leidest?

  • Du kannst deine Angst vor der Unendlichkeit nicht erklären oder rationalisieren.
  • Sie liegt außerhalb der Kontrolle deines freien Willens.
  • Deine Reaktion auf diese Angst ist, jede Situation zu vermeiden, die mit der Unendlichkeit zusammenhängen könnte.
  • Diese Angst vor der Unendlichkeit hält lange an.
  • Deine Angst vor dem Konzept der Unendlichkeit hindert dich daran, dich an deine Umgebung anzupassen.

Die Behandlung der Apeirophobie

Wie alle phobischen Störungen muss ein Spezialist, wie beispielsweise ein Psychologe oder ein Psychiater, die Apeirophobie diagnostizieren und behandeln. Nur sie als Fachleute sind ausreichend qualifiziert, um im Fall der Fälle eine erforderliche Behandlung einzuleiten.

Phobien werden in der Regel mit einer Psychotherapie behandelt. Nur in den extremsten Fällen, in denen Patienten im Alltag nicht mehr richtig funktionieren können, werden Psychologen sie während der Psychotherapie auch mit Medikamenten behandeln. Ein Psychiater muss den Patienten begutachten und einschätzen, bevor er Medikamente verschreiben kann.

Eine Apeirophobie kann sehr unangenehm sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen Spezialisten aufzusuchen, wenn du davon betroffen sein solltest und wieder ein glückliches Leben führen willst. Ausweichende und obsessive Verhaltensweisen verbrauchen viel Energie und können sehr anstrengend sein. Auf Dauer ist das kaum mehr auszuhalten.

Nicht ausgedrückte Emotionen werden niemals verschwinden. Sie sind lebendig begraben und werden später auf hässliche Art und Weise hervorkommen.“

Sigmund Freud