Sechs interessante Fakten über das Leben im alten Ägypten

30 Mai, 2020
Im alten Ägypten entstanden unzählige Innovationen in der Medizin, Wissenschaft und Literatur. Darüber hinaus war diese Gesellschaft im Vergleich zu anderen Kulturen der damaligen Zeit wesentlich egalitärer. Daher wollen wir uns heute näher mit einer der faszinierendsten Perioden in der Geschichte befassen.

Die ägyptische Kultur zählt zu den am meisten bewunderten und mythologisierten Kulturen der Geschichte. Wir sprechen über die wohl erfolgreichste und wohlhabendste Zivilisation in der Geschichte der Menschheit; im alten Ägypten gab es viele große Denker und es gelangen unglaubliche wissenschaftliche, technische und akademische Durchbrüche.

Tatsächlich war Ägypten nach Mesopotamien das zweite Land, in dem sich eine Schriftsprache entwickelte: die berühmten Hieroglyphen.

Das Wort Hieroglyphe setzt sich aus den altgriechischen Worten hierós (heilig) und glyphḗ (Eingeritztes) zusammen. Erstaunlicherweise haben die ägyptischen Hieroglyphen eine vollkommen andere Struktur als die Schriftsprache in den mesopotamischen Gebieten Sumer und Akkad.

Obwohl die Hieroglyphen zuletzt vor vielen Jahrhunderten benutzt und vor beinahe 200 Jahren entschlüsselt wurden, interessieren sich immer mehr Menschen für sie. Aufgrund der Globalisierung und durch die sozialen Netzwerke ist die ägyptische Kultur für viele Menschen wieder interessant geworden. Daher möchten wir dir heute von sechs interessanten Fakten über das Leben im alten Ägypten erzählen.

im alten Ägypten - Pyramide von innen

Sechs interessante Fakten über das Leben im alten Ägypten

1. Die Pyramiden wurden nicht von Sklaven erbaut

Obwohl diese Überzeugung weit verbreitet ist, wurden die Pyramiden im alten Ägypten nicht von Sklaven erbaut. Die Arbeiter, die sie errichteten, hatten Drei-Monats-Verträge und erhielten eine angemessene Bezahlung. Außerdem waren sie sehr angesehen, obwohl sie aus bescheidenen und einfachen Verhältnissen stammten.

Die Bewunderung für diese Arbeiter war so groß, dass diejenigen, die während der Bauarbeiten verstarben, im Pyramidenkomplex von Gizeh bestattet wurden. Auf diese Weise waren sie den Pyramiden sogar noch näher als die Pharaonen selbst und das war natürlich eine große Ehre.

2. Im alten Ägypten wurden Katzen sehr verehrt

Es ist kein Geheimnis, dass die alten Ägypter Katzen sehr verehrten. Dennoch ist es für viele Menschen sehr schwer nachvollziehbar, wie ausgeprägt die Verehrung und Anbetung von Katzen damals war. In der ägyptischen Kultur galten Katzen als Verkörperung von Ra, dem Sonnengott.  Dieser kam auf die Erde, um Apophis, den Gott des Chaos, der die Gestalt einer Schlange hatte, zu töten.

Später wurde Ra ein Untergebener der weiblichen Gottheit Bastet. Sie beschützte die Häuser und war eine Kriegsgöttin. Außerdem machte sie Katzen zu heiligen und unantastbaren Lebewesen, die später zu Haustieren wurden.

3. Die alten Ägypter erfanden den Mörtel

Die Ägypter erfanden dieses Material, welches sie zur Herstellung von Bauelementen verwendeten. Sie benutzten den Mörtel, um die Fundamente der Pyramiden zu errichten. Allerdings gibt es momentan Diskussionen darüber, ob nicht auch die Etrusker an der Erfindung des Mörtels beteiligt waren.

Zum ersten Mal wurde Mörtel beim Bau der Cheops-Pyramide (ungefähr 2600 v. Chr.) verwendet. Danach entwickelten die Ägypter noch weitere Arten von Mörtel und Gips, wie beispielsweise Gipsabdrücke, Deckputze und Dekorationsputze.

4. Die Gesellschaft im alten Ägypten war wesentlich egalitärer als die der Griechen oder der Römer

Im alten Ägypten hatten die Frauen mehr Rechte als ihre griechischen und römischen Zeitgenossinnen. Tatsächlich waren damals Scheidung und Vererbung erlaubt (wie bei den Kelten) und Missbrauch war verpönt.

Darüber hinaus konnten Frauen eigene Unternehmen gründen und führen und unterschiedlichste Berufe ausüben. Die meisten dieser Berufe waren im Gesundheits- und Erziehungsbereich angesiedelt.

“Das Himmelreich liegt in dir und wer sich selber kennt, der wird es finden.”

-Ägyptisches Sprichwort-

im alten Ägypten - Gemälde von Ramses und Moses

5. Der linke Fuß stand immer vorne

Wenn du dir eine Statue ansiehst, die aus dem alten Ägypten stammt, dann wirst du feststellen, dass der linke Fuß immer vorne steht. Da die Ägypter daran glaubten, dass die linke Körperseite das Leben schenkt, weil hier das Herz liegt, stellten sie stets den linken Fuß nach vorne.

Da das auch ihre Feinde wussten, zerstörten sie bei Angriffen auf Tempel stets die linken Beine der Statuen. Dadurch vernichteten sie auf symbolische Weise auch das “Leben” des Pharaos. Dies wiederum bedeutete, dass er dazu bestimmt war, für immer vergessen zu werden.

6. Im alten Ägypten war Rot die Farbe der Trauer

Anders als in unserem Kulturkreis war die Glücksfarbe der alten Ägypter Schwarz. Dieser Glaube entstand, weil sich das Ufer des Nils schwarz färbte, wenn sich der fruchtbare Nilschlamm während der Überschwemmungen dort ausbreitete und das versprach eine gute Ernte.

Die Farbe in den ägyptischen Särgen war Rot. Diese Farbe symbolisierte im alten Ägypten die Wut des Lebens und den Zorn während des Kampfes. Darüber hinaus war es tatsächlich auch das Blut der Tieropfer, die sich nur die Familien der Oberschicht für ihre Beerdigungen leisten konnten, welches die Särge rot färbte.

Die ägyptische Kultur hat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung vieler kultureller (und nicht so kultureller) Elemente in der heutigen westlichen Kultur geleistet. Ihre medizinischen und wissenschaftlichen Errungenschaften werden von praktisch keiner anderen Zivilisation übertroffen. Darüber hinaus ist auch ihre faszinierende Architektur eines der eindrücklichsten Beispiele für einen in der Menschheitsgeschichte nahezu einzigartigen Größenwahn.

  • Dr. Mohammed Ahmed Radi Abouaran, La simbología de los colores en el arte copto, 2012. Universidad de Kafrelsheik (Egipto)