Das Salomon-Paradoxon oder wie du dir selbst helfen kannst

04 April, 2021
Das Salomon-Paradoxon bezieht sich darauf, dass manche Menschen ausgezeichnet über die Probleme anderer urteilen und ihnen Ratschläge geben, ihre eigenen Probleme jedoch nicht bewältigen können.

Das Salomon-Paradoxon beschreibt ein Verhalten, das viele Menschen kennen. Jeder Mensch zeichnet sich durch Einfallsreichtum und Einfühlungsvermögen aus und kann dadurch einfach Beziehungen zu anderen aufbauen und die richtigen Worte finden. Viele sind jedoch unfähig, diese positiven Eigenschaften sich selbst gegenüber zu zeigen.

Sie geben also anderen den besten Rat, wissen jedoch nicht, diesen bei sich selbst anzuwenden. Es ist immer einfacher, anderen gute Ratschläge zu geben, als sich um seine eigenen inneren Probleme zu kümmern oder die Verantwortung für die eigenen Handlungen zu tragen.

Wenn du der beste Freund anderer, aber dein schlimmster Feind bist, dann brauchst du eine Lösung. Tatsächlich gibt es eine hilfreiche Strategie, um auf dieses merkwürdige und doch häufige Paradoxon zu reagieren.

Zwei Menschen, die sich unterhalten

Was ist das Salomon-Paradoxon?

Unter König Salomon stellen wir uns in der Regel einen weisen Menschen vor, der gerechte Urteile fällt. Es wird berichtet, dass viele weite Reisen unternahmen, um König Salomon um Rat zu bitten. Und da er darin sehr geschickt war, erreichte er großen Ruhm und Bewunderung.

Doch trotz seiner Begabung, die vielen von großer Hilfe war, war König Salomon auch für seinen unangemessenen Lebensstil bekannt. Er traf für sich selbst schlechte Entscheidungen, und zwar nicht nur einmal. König Salomon konnte seine Leidenschaft für Geld und Frauen nicht kontrollieren. Er versäumte es außerdem, seinen eigenen Sohn richtig zu erziehen, was das Ende seines Königreiches bedeutete.

Noch heute sprechen wir deshalb von einem Salomon-Paradoxon, wenn Menschen die Probleme anderer umsichtig und vernünftig beurteilen, ihre eigenen jedoch nicht in den Griff bekommen.

Warum sind Menschen umsichtiger bei fremden als bei eigenen Problemen?

Viele Menschen sind es gewohnt, immer die freundliche Schulter zu sein, an die sich in schweren Zeiten alle anlehnen können. Sie sind sehr hilfsbereit und geben tolle Ratschläge. In der Tat sind ihre Vorschläge oder Empfehlungen so gut argumentiert, dass es anderen leicht fällt, danach zu handeln. Sie sind positiv für diejenigen, die sich den Herausforderungen des Lebens alleine stellen müssen.

All die intellektuelle und logische Brillanz, die sie bei anderen anwenden, ist jedoch nicht vorhanden, wenn es um ihre eigenen Probleme geht. Darüber hinaus machen Menschen, die unter dem Salomon-Paradoxon leiden, die offensichtlichsten Fehler und haben die am wenigsten angepassten Verhaltensweisen. Sie fragen sich oft: “Wie kommt es, dass ich anderen wertvolle Ratschläge geben kann und sie selbst nicht befolge?”

  • Der Schlüssel ist psychologische Distanzierung. Mit anderen Worten: Du kannst die Dinge klarer sehen und die am besten geeignete Strategie erkennen, wenn du nicht unmittelbar davon betroffen bist.
  • Wenn man die Dinge im Blick hat, aber nicht Teil des zugrundeliegenden Systems ist, kann man unterschiedliche Möglichkeiten erkennen und demnach mehr Lösungen finden.
  • Man ist wie ein externer Beobachter und nimmt intuitiv wahr, was andere nicht wahrnehmen. Man wird zum idealen Ideenjäger, solange man sie nicht selbst umsetzen muss.

Die kognitive Verzerrung von König Salomons Paradoxon

Jeder Mensch empfindet Zuneigung für seine Freunde, seine Familie und jeden, der ihm nahe genug steht, um ihn um Rat zu fragen. Nun verbirgt sich hinter König Salomons Paradoxon eine kognitive Verzerrung, und die geht so: Menschen schlussfolgern besser, wenn sie von bestimmten Dingen nicht direkt betroffen sind.

Es ist einfach, Dinge zu raten wie: “Du musst es nur wagen!”, “Das Leben ist zu kurz, um in deiner Angst gefangen zu sein.”, “Am Ende wirst du nur die besten Gelegenheiten verpassen, also ändere deine Einstellung”.

Dies sind definitiv effektive, spritzige und sogar inspirierende Ratschläge. Es nützt dir jedoch nichts, zu dir selbst zu sagen: “Komm, sei mutig und tu es!”, wenn du dich an einem Scheideweg befindest.

Der Verstand handelt nicht mit so viel Elan und Entschlossenheit, wenn Widrigkeiten im Weg stehen. Dein Denken verfängt sich im Netz von Angst, Unsicherheit und Abwehrmechanismen, wenn du die Person bist, die vor einem Problem steht. Daher kann man seinem eigenen Rat meistens nicht folgen.

Eine Frau, die über König Salomons Paradoxon nachdenkt

Wie du deine Weisheit für deine eigenen Herausforderungen und Probleme nutzen kannst

Natürlich wäre es sehr hilfreich, auch über die eigenen Probleme richtig urteilen zu können, um diese zu lösen. Doch wie kannst du dein bester Berater und unfehlbarster Entscheidungsträger sein?

Igor Grossman von der University of Michigan ist ein erfahrener Psychologe auf dem Gebiet der Weisheit. In seinen Forschungen weist er darauf hin, dass es dem berühmten letzten Monarchen des vereinigten Königreichs Israel vielleicht besser ergangen wäre, wenn er sich vorgestellt hätte, er würde eine Reise unternehmen, um sich von einem anderen weisen König beraten zu lassen. Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass die beste Strategie, um Lösungen für deine täglichen Herausforderungen zu finden, darin besteht, dir für einen Moment vorzustellen, dass dein Problem nicht deines ist, sondern das eines anderen. Damit erhöhst du die psychologische Distanz. Das ist eine wertvolle und effektive Möglichkeit, die dir bei der Ideenfindung hilft, deine Perspektive verändert und neue Möglichkeiten eröffnet.

Stelle dir auch Fragen in der dritten Person wie: “Warum fühlt er/sie sich so?” oder “Was kann er/sie tun, um sich besser zu fühlen?” Das sind wirksame Impulsgeber, um Lösungen zu suchen und Maßnahmen zu ergreifen. Du bist dein bester Verbündeter in Zeiten der Not. Beherzige also diesen Rat und setze ihn in die Praxis um.

  • Grossmann, I. y Kross, E. (2014). Exploring Solomon’s Paradox: Self-Distancing Eliminates the Self-Other Asymmetry in Wise Reasoning About Close Relationships in Younger and Older Adults.Psychological Science, 25(8), pp. 1571 – 1580.