Das Gute im Leben nutzen, um mit dem Schlechten umzugehen

12. April 2016 en Emotionen 4 Geteilt

Bei vielen Gelegenheiten konzentrieren wir uns auf die Fehler, die wir im Leben begehen und vergessen dabei sehr einfach das Gute. Unser Leben ist voller guter Momente, die wir vergessen, wenn wir den Blick zurück richten und uns nur auf das Schlechte fokussieren.

Es ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, sich all die wichtigen Momente und kleinen Details ins Gedächtnis zu rufen, die unser Leben geprägt haben. Unser Gedächtnis funktioniert selektiv, es wählt Erinnerungen aus, die es behalten will und andere werden dagegen einfach vergessen.

Die Erinnerungen unseres Lebens

Erinnerungen sind solche Bilder, Worte, Gerüche, Empfindungen und Emotionen, die wir in unserem Rucksack mit uns tragen. Wir können eine sehr schwere Last tragen oder, ganz im Gegenteil, mit leichtem Gepäck unterwegs sein. Das Schlechte ist nicht, mit vielen Dingen beladen zu sein, sondern deren Gewicht zu spüren.

Frau-mit-Papiervoegeln

Wir spüren ein großes Gewicht, wenn wir uns die schweren Steine der Schuld, der Trauer und des Scheiterns in Erinnerung rufen. Wir spüren eine leichte Last, wenn wir wissen, dass wir mit all dem beladen sind, aber sollten uns besser gut dabei fühlen, wenn wir den Rucksack aufgesetzt haben. Es ist nicht schlecht, mit einem Rucksack voller Erinnerungen loszuziehen, es ist schlecht, sich immer das schwerste Gewicht auszusuchen.

Wir müssen uns darüber klar werden, dass unsere Erinnerung und unser Verstand wunderbar sind, aber manchmal  auch verräterisch. Unser Verstand kann uns schlecht mitspielen und deformierte Erinnerungen in uns aufkommen lassen und es manchmal schlimmer aussehen lassen, als es wirklich war. Außerdem wissen wir, dass unser emotionaler Zustand sehr stark beeinflusst, welche Informationen wir aus unserem Gedächtnis hervorholen. Wenn wir uns schlecht fühlen, dann erinnern wir uns auch an Schlechtes.

„Wenn ich in meinen Erinnerungen nach dem suche, was mir einen dauerhaften Eindruck hinterlassen hat, wenn ich die Stunden abwiege, die sich gelohnt haben, dann finde ich mich doch immer mit denen wieder, die mir überhaupt nicht wohlgetan haben.“

Antoine de Saint-Exupery

Leben heißt, das Gute zu nutzen, um so mit dem Schlechten umzugehen

Wohl wissend, dass unser Gedächtnis nicht immer auf die beste Art und Weise funktioniert, sollten wir uns dies am besten ins Bewusstsein rufen, wenn wir uns dabei ertappen, dass wir uns wieder und wieder an Szenen erinnern, die nichts anderes tun als uns zu verletzen. Denke über deine Erinnerungen nach und analysiere sie etwas objektiver.

Es ist auch fundamental wichtig, sich daran zu erinnern, dass im Leben nicht immer alles so ausgeht, wie wir uns das wünschen und dass Fehler Teil unseres Lernprozesses sind. Du bist, was du bist und du hast es bis hierhin wegen dem geschafft, was du gelernt hast.

All diese Zweifel á la „Und wenn ich das gemacht hätte…“, „Wenn ich dass gesagt hätte…“ und „Wenn ich nicht hingegangen wäre“. All dies sind Möglichkeiten, Wege, die wir aus irgendeinem Grund nicht gegangen sind. Sich alternative Lösungen vorzustellen und sich selbst dafür zu beschuldigen, sie nicht genommen zu haben, schadet unserer Gegenwart.

Denke an den Weg, der noch vor dir liegt und daran, mit welchen Erinnerungen du deinen Rucksack des Lebens beladen willst. Die Reise endet nicht, bevor wir ganz gehen, und die Erinnerung selbst ist nur ein Teil des zurückgelegten Weges. Lauf nach vorn, es gibt noch mehr Erinnerungen, die deinem Lebenslauf hinzugefügt werden müssen.

 „Die Erinnerungen des Lebens zu genießen ist wie ein zweites Mal zu leben.“
 
Marco Valerio Marcial
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Dein Lebenslauf

Wir sind nur ein Entwurf. Eine Skizze, die entworfen wird und die wir mit unseren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen ausbauen, die wir ihr hinzufügen. Lasse nicht zu, dass dein Lebenslauf mit Frust geschrieben wird. Es ist keine einfache Aufgabe, uns selbst aufzubauen. Es braucht mehrere Versuche, man liegt mal richtig und mal falsch, aber das Leben ist kein Examen mit nur einer richtigen Antwort. Niemand wird geboren und weiß sofort, wie man ein erfülltes Leben führt.

Um seinen Lebenslauf etwas zu ordnen, sollte man einfach mal versuchen, ihm Ausdruck zu verleihen. Ihn aufschreiben, ihn singen, ihn anfassen oder ihn sogar mit unseren Händen bauen, sind eine der besten Arten, dem Ausdruck zu verleihen, was wir sind. Die künstlerische Expression ist eine der besten Formen, deinen Lebenslauf auszudrücken.

Wenn wir das Gute im Leben dafür nutzen, um mit dem Schlechten umzugehen, dann akzeptieren wir uns selbst und auch all das, was wir erlebt haben. Und dies ist das größte Geschenk, was wir uns machen können, um an das Ende des Weges zu gelangen und wir selbst zu sein.

“Ich habe genug davon, mich zu rechtfertigen.
Und wenn sie mich einberufen, um über meine Taten Rechenschaft abzulegen,
auch wenn mir nur ein leerer Stuhl zuhört,
wird meine Stimme entschlossen sein.

Nicht wegen dem, was der Tod mir verspricht,
sondern wegen all dem, was er mir nicht wegnehmen kann.“

Luis García Montero

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