Das Experiment von Quattrone und Tversky zum Thema Selbstbetrug

30 Juli, 2020
Das Experiment von Quattrone und Tversky zeigte, dass Menschen stark dazu neigen, sich gegenseitig Lügen zu erzählen und diese zu glauben. Wir verändern oder unterschlagen Informationen bewusst oder unbewusst, um innere Konflikte und Probleme zu vermeiden.
 

Wenn jemand dich fragen würde, würdest du vermutlich sagen, dass du niemals lügst oder andere Menschen täuschst. Die meisten Menschen glauben, dass wir in der Wahrheit leben und dass die meisten unserer Worte und Handlungen aufrichtig sind. Allerdings zeigte das Experiment von Quattrone und Tversky, dass dies überhaupt nicht der Fall ist.

Das Experiment von Quattrone und Tversky wurde im Jahr 1984 durchgeführt und wurde erstmals im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht. Das Ziel dieser Studie war es, das Vorhandensein einer kognitiven Verzerrung zu beweisen, der sogenannten Bestätigungsverzerrung. Diese hängt mit unserem Bedürfnis zusammen, uns davon überzeugen zu müssen, dass das, was wir für wahr halten, auch wahr ist. Ob dies nun stimmt oder nicht.

Bei dieser Bestätigungsverzerrung geht es um Lügen und Täuschung. Allerdings handelt es sich in diesem Fall um Lügen, die sich hauptsächlich auf uns selber beziehen. Wir sprechen über Selbstbetrug. Dies ist ein Prozess, bei dem wir Aspekte, die unseren Überzeugungen widersprechen oder uns unangenehm sind, einfach nicht mehr sehen oder nicht mehr in Betracht ziehen.

 

Das Experiment von Quattrone und Tversky zeigt, dass wir uns häufig selber täuschen. Allerdings tun wir dies nicht mit schlechten Absichten oder aus Respektlosigkeit der Wahrheit gegenüber. Es ist vielmehr ein Mechanismus, der uns dabei hilft, uns nicht mit schmerzhaften oder unangenehmen Aspekten der Wahrheit konfrontieren zu müssen.

Experiment von Quattrone und Tversky - Frau mit bedeckten Augen

Das Experiment von Quattrone und Tversky

Das Experiment von Quattrone und Tversky wurde mit 34 Teilnehmern durchgeführt. Die Forscher erzählten den Probanden, dass sie eine Studie über die „medizinischen und psychologischen Aspekte der Leichtathletik“ durchführten. Obwohl dies nicht stimmte, war es für das Experiment sehr wichtig, dass die Teilnehmer dies glaubten.

Anschließend forderten die Wissenschaftler die Probanden dazu auf, ihren Arm in kaltes Wasser zu tauchen. Sie erzählten den Teilnehmern, dass ihre Widerstandsfähigkeit gegen das kalte Wasser ein entscheidender Indikator für ihren allgemeinen Gesundheitszustand sei. Aber auch dies entsprach nicht den Tatsachen. Darüber hinaus mussten die Freiwilligen noch weitere Aufgaben durchführen. Dabei ging es unter anderem um Fahrradfahren und ähnliche Aktivitäten, die lediglich zur Ablenkung gedacht waren.

 

Zum Abschluss sprachen die Forscher mit den Freiwilligen über die „Lebenserwartung“. Sie erzählten den Probanden, dass es zwei verschiedene Arten von Herzen gäbe. Der Typ I sei widerstandsfähiger und daher weniger anfällig dafür, Herzerkrankungen auszubilden. Typ II sei hingegen schwächer und daher anfällig für Erkrankungen.

Eine Wendung im Experiment

Nach Abschluss dieser ersten Phase wurde das Experiment von Quattrone und Tversky verändert. Die Freiwilligen wurden nun in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Forscher erzählten beiden Gruppen getrennt voneinander, dass die Arme im kalten Wasser ein Indikator dafür seien, ob sie ein Typ I- oder Typ II-Herz hätten.

Darüber hinaus erwähnten sie, dass diejenigen, die ein Typ I-Herz hätten, also das starke und widerstandsfähige Herz, dazu in der Lage wären, ihren Arm für längere Zeit im kalten Wasser zu halten. Der anderen Gruppe erzählten die Forscher genau das Gegenteil – nämlich, dass diejenigen mit den starken Herzen ihren Arm nur für kürzere Zeit im kalten Wasser halten könnten.

 

Nach diesen Informationen wurden die Freiwilligen erneut dazu aufgefordert, ihren Arm in kaltes Wasser zu halten, damit die Forscher sie entsprechend bewerten könnten. Die Ergebnisse waren verblüffend. Die Mitglieder der ersten Gruppe hielten ihren Arm für längere Zeit im Wasser, als sie dies in der ersten Phase des Experimentes getan hatten. In der anderen Gruppe passierte genau das Gegenteil.

Experiment von Quattrone und Tversky - zwei Wassereimer

Die Schlussfolgerungen aus diesem Experiment

Durchschnittlich hielten die Teilnehmer ihren Arm für 10 Sekunden kürzer oder länger im Wasser. In der ersten Gruppe hielten diejenigen, die ihren Arm anfänglich für 35 Sekunden im Wasser hielten, in der zweiten Phase des Experimentes 45 Sekunden aus. Und die Teilnehmer der Gruppe 2, die anfänglich 35 Sekunden aushielten, hoben ihren Arm in der Phase 2 des Experiments bereits nach 25 Sekunden wieder aus dem Wasser.

 

Welche Schlüsse konnten die Forscher aus diesen Ergebnissen ziehen?

Bevor sie ihre abschließenden Schlussfolgerungen aus dem Experiment zogen, stellten die Forscher allen Teilnehmern eine Frage. Sie fragten, ob die Informationen über die zwei unterschiedlichen Herz-Typen dazu geführt hätten, dass die Probanden ihre Arme länger oder kürzer unter Wasser gehalten hätten, um dadurch zu beweisen, dass sie ein starkes Herz hätten.

29 der 34 Probanden verneinten diese Frage. Anschließend fragten die Forscher, ob sie der Meinung wären, ein starkes Herz zu haben. Sechzig Prozent derjenigen, die zuvor verneint hatten, dass sie von der Information beeinflusst worden seien, bejahten diese Frage.

Nach Angaben der Forscher haben diese Ergebnisse gezeigt, dass wir eine starke Tendenz zum Selbstbetrug haben. Einige Menschen ignorieren wahre Informationen vollständig, nur um sich selber (oder anderen) zu beweisen, dass sie Recht haben. Durch dieses Verhalten vermeiden sie Situationen, die übermäßig unangenehm oder beängstigend sein könnten.

 

Trivers, R. (2013). La insensatez de los necios. La lógica del engaño y el autoengaño en la vida humana. Katz Editores.