Das Ende einer Fernsehserie und das Gefühl von Leere

7. Oktober 2019
Wenn eine Fernsehserie, die du regelmäßig gesehen hast, zu Ende geht, dann wird dir sicherlich etwas fehlen. Du hast einige Jahre und zahlreiche Stunden mit diesen Charakteren verbracht, mit ihnen gefühlt und sie bei ihren Erlebnissen begleitet.

Das Ende einer Fernsehserie, die du mit großem Interesse und viel Begeisterung gesehen hast, kann dazu führen, dass du dich leer und traurig fühlst. Dabei ist es nicht nur der Abschied, den du von den lieb gewonnenen Charakteren und ihren Erlebnissen nehmen musst, der diese Situation schwierig macht.

Es kann außerdem passieren, dass die Geschichte nicht so zu Ende ging, wie du gehofft oder es erwartet hast. Auch darüber kannst du dich beklagen und traurig sein. Aufgrund der großen Anzahl an Fernsehserien, die es gibt, werden wir in unserem Leben immer häufiger mit derartigen Situationen konfrontiert. Deren Auswirkungen auf uns sind für Psychologen von großem Interesse.

Stephen King sagte kürzlich, dass wir nur selten mit dem Ende eines Buches oder einer Fernsehserie vollkommen zufrieden sein werden, wenn wir sie mit einer großen Leidenschaft und Begeisterung gelesen oder verfolgt haben. Der Grund hierfür ist der, dass Menschen nur schwer etwas aufgeben können, wenn sie eine emotionale Bindung dazu aufgebaut haben. Daher ist das Gefühl, dass du etwas verloren hast, absolut real. Gleiches gilt auch für die Frustration und die Trauer, die du empfinden wirst.

Fernsehserien sind ein soziales Phänomen

In der Psychologie geht man davon aus, dass wir direkt von der Welt der Pop-Kultur (im Sinne aller künstlerischen und kulturellen Manifestationen, die uns umgeben) beeinflusst werden. Daher ist die durch das Fernsehen erschaffene Welt sehr mächtig und einflussreich. Wir haben es dabei mit Medien zu tun, die wir direkt in unsere Privatsphäre hineinlassen.

Das ist auch der Grund dafür, dass Fernsehserien und ihr jeweiliges Ende ein soziales Phänomen sind. Durch sie kann ganz einfach das Interesse der Menschen für andere soziale, politische oder wirtschaftliche Themen abgeschwächt oder ersetzt werden. Selbst, wenn dieser Effekt nur für wenige Tage andauert, sind viele Menschen darüber sehr besorgt. Allerdings sehen andere dieses Phänomen lediglich als Spiegelbild einer Gesellschaft, die einen Teil ihres Lebens in Fernsehserien wiederfindet.

“Ich verabscheue Fernsehen genauso wie ich Erdnüsse verabscheue. Aber dennoch kann ich nicht aufhören, Erdnüsse zu essen.“

-Orson Wells-

Das Ende einer Fernsehserie und unsere Gefühle dabei

Fernsehserie - Lost

Das Phänomen, dass wir nach dem Ende einer Fernsehserie widersprüchliche Gefühle haben, ist nicht neu. Bereits Arthur Conan Doyle machte diese Erfahrung. Der Schriftsteller war sehr erfolgreich dank seiner Abenteuergeschichten, die er wöchentlich im The Strand Magazine publizierte. Seine charismatische Hauptfigur, die stets neue kuriose Geschichten erlebte, begeisterte tausende von Lesern: Sherlock Holmes.

Trotz des großen Erfolges, den er mit seinen Geschichten hatte, fühlte sich Doyle dem von ihm geschaffenen Charakter nie wirklich sehr nahe. Er hatte das Bedürfnis, sich anderen Themen zu widmen; er wollte eine andere Art von Literatur schreiben.

Daher entschied er sich, Sherlock Holmes in der Geschichte Der Reichenbachfall sterben zu lassen. Als die Geschichte erschienen war, erlebte Arthur Conan Doyle etwas für ihn völlig Unerwartetes. Die Leser des Magazins bedrohten ihn und mehr als einmal musste er sogar um sein Leben fürchten. Er hatte so viel Angst, dass er schließlich keine andere Wahl hatte, als den Nachbarn von der Baker Street wieder zum Leben zu erwecken.

Die Leser von Sherlock Holmes waren die ersten Fans, die dieses doppelte Leiden erlebten, welches heutzutage so weit verbreitet ist:

  • Zunächst einmal mussten sie sich von den lieb gewonnenen Charakteren verabschieden.
  • Und darüber hinaus mussten sie dieses völlig unerwartete Ende der Geschichte akzeptieren.

Fernsehserien sind mehr als nur Unterhaltung

Fernsehserie - Game of Thrones

Doctor Who ist eine der ältesten Serien der Fernsehgeschichte. Sie läuft seit über 50 Jahren und mehrere Generationen wuchsen mit ihr auf und erlebten die Abenteuer des berühmten Zeitreisenden. Im britischen Fernsehen ist diese legendäre Serie zu einer echten Institution geworden.

Auch die Simpsons unterhalten uns bereits seit 1989. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Serien, die bereits mehr als 300 Folgen haben, wie beispielsweise CSI, Gray´s Anatomy oder Supernatural.

Während diese Serien Woche für Woche im Fernsehen oder anderen Medien ausgestrahlt werden, wachsen die Zuschauer heran, reifen, erleben Veränderungen im Leben, erleiden Verluste und feiern Erfolge. Und dabei erleben und durchleben sie auch diese parallelen Geschichten, die sich auf den Bildschirmen abspielen. Daher ist es beinahe unvermeidlich, dass wir zu diesen Serien eine Bindung aufbauen, sie werden zu einem Teil unseres Lebens.

  • Fernsehserien bieten vielen Menschen weitaus mehr als nur Unterhaltung. Sie können darin neue Hobbies oder Jobs entdecken, denen sie sich widmen können. Oder sie erfahren über Länder, in die sie reisen können. Einige Menschen lassen sich auch von neuen Lebenskonzepten, Schauspielern, Regisseuren und Drehbuchautoren inspirieren.
  • Außerdem bieten sie die Möglichkeit, sich für eine Weile von der Realität zu distanzieren. Durch die Identifikation und Beschäftigung mit den Geschichten anderer Menschen erfahren wir durchaus Erleichterung und können dadurch Stress abbauen.
  • Darüber hinaus dürfen wir auch die soziale Komponente nicht vergessen. Wenn die letzte Episode einer Serie ausgestrahlt wird, dann gleicht das beinahe einem Ritual. Dadurch haben wir beispielsweise am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis ein gemeinsames Thema, das wir besprechen können. Außerdem gibt es in den sozialen Netzwerken viele Fan-Gruppen von Fernsehserien. Wenn wir uns diesen anschließen, dann besteht dadurch auch die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen, mit denen wir gemeinsame Interessen teilen.

Die Trauer über das Ende einer Fernsehserie

Fernsehserie - Dexter

Bis heute stellen viele Menschen eigene Theorien über das Ende der Fernsehserie Lost auf. Und diese Serie ging bereits vor neun Jahren zu Ende. Es ist schon schwer genug, das Ende einer Fernsehserie zu akzeptieren, noch schwerer ist es allerdings, wenn man die Auflösung nicht verstanden hat.

Wenn wir über die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Enden von Fernsehserien sprechen, dann können wir dieser Auflistung noch weitere Serien hinzufügen: Game of Thrones, How I Met Your Mother, Dexter, House of Cards und natürlich Breaking Bad. All diese großartigen Serien haben uns mit ihren speziellen Charakteren überrascht und begeistert. Die Ernüchterung folgte, nachdem wir die letzte Folge der jeweiligen Serie gesehen haben.

Was können wir tun, um das Ende zu akzeptieren?

Wie gelingt es uns dennoch, das Ende einer Fernsehserie zu akzeptieren, wenn wir nicht mit dem Ende der Serie zufrieden sind?

Natürlich sollten wir nicht auf die gleiche Weise mit den Drehbuchautoren verfahren, wie Annie Wilkes dies in Misery mit ihrem Lieblingsschriftsteller getan hat. Auch, wenn wir eine emotionale Bindung zu den Charakteren dieser Serien aufgebaut haben, sollten wir uns bewusst machen, was sie wirklich sind: eine großartige Geschichte, die einen Anfang und ein Ende hat.

Wir können mit anderen Fans, Freunden, Weggefährten und Verwandten darüber jammern und klagen. Außerdem können wir uns gemeinsam noch einmal die besten Szenen und spannendsten Situationen ins Gedächtnis rufen.

Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Trost für uns: die Tatsache, dass die riesige Unterhaltungsindustrie uns schon sehr bald mit einer neuen Serie begeistern wird. Und bevor wir uns versehen, werden wir dann von dieser ganz in ihren Bann gezogen und der ganze Zyklus beginnt von Neuem, denn auch diese Serie wird irgendwann enden.