Coronavirus: 7 psychologische Konsequenzen

06 Juni, 2020
Es ist nicht nur wichtig, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um eine Ansteckung mit dem COVID-19 zu verhindern. Auch die mentale Gesundheit sollte gepflegt werden. Denn in dieser schwierigen Situation leiden wir häufig auch an den psychologischen Konsequenzen, denen wir jedoch vorbeugen können.
 

Gesundheitszentren, Krankenhäuser und Regierungsbehörden informieren uns kontinuierlich über die Schutzmaßnahmen, die wir befolgen müssen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus im Rahmen des Möglichen zu bremsen. Doch relativ selten hört man davon, wie sich psychologische Konsequenzen in dieser schwierigen Situation auswirken können. Soziale Abschottung, Ausgangssperre und die große Unsicherheit und Ungewissheit können unsere mentale Gesundheit sehr negativ beeinflussen.

Darüber hinaus müssen wir eine weitere entscheidende Variable berücksichtigen. Viele Menschen leiden an Depressionen und Angststörungen, die sich in dieser ernsten Situation weiter verschlimmern können. 

Deshalb ist es maßgeblich, psychologische Hilfe und unterstützende Strategien zur Verfügung zu stellen, um jenen Menschen während dieser Pandemie zu helfen, die es brauchen.

Wir müssen uns zum ersten Mal dieser schwierigen Situation stellen. Doch dies sollte nicht dazu führen, dass wir uns von negativen Gedanken mitreißen lassen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen jetzt aktiv bleiben, nicht nur um uns vor dem Virus zu schützen und zu verteidigen, sondern auch, um seine “Nebenwirkungen” (irrationales Verhalten, unbegründete Angst usw. ) zu verhindern.

Wir sind dazu verpflichtet, zu reagieren, zu handeln, Brücken zu bauen und Hilfe zu leisten. Denn jetzt braucht die Familie besonderen Zusammenhalt. Wenn jeder alleine und schweigend die meiste Zeit in seinem Zimmer verbringt, kann dies sehr üble psychologische Konsequenzen haben und großes Leid verursachen.

 
psychologische Konsequenzen durch Coronavirus

7 psychologische Konsequenzen infolge des Coronavirus, die wir kennen sollten

Die Fachzeitschrift The Lancet hat vor einigen Tagen eine Studie über die psychologischen Folgen des Coronavirus veröffentlicht. Um diese Studie durchführen zu können, wurden auch andere, ähnliche Situationen (die allerdings weniger weitreichend waren) analysiert. So zum Beispiel die Quarantäne in verschiedenen Städten Kanadas während des SARS-Ausbruchs im Jahre 2003.

Die Bevölkerung wurde damals gezwungen, 10 Tage nicht außer Haus zu gehen und verschiedene Psychologen nutzten diese Situation, um sie wissenschaftlich zu untersuchen. Die erfassten Daten sowie Beobachtungen der derzeitigen Situation lassen auf die psychologischen Folgen des Coronavirus schließen. 

1. Psychologische Konsequenzen durch eine mehr als 10 Tage dauernde Ausgangssperre: Stress

Eine der Maßnahmen, um Ansteckungen durch den Coronavirus zu verhindern, ist die Quarantäne. Sowohl gesunde Menschen, als auch infizierte Patienten mit nur leichten Symptomen bleiben in dieser Zeit zu Hause.

Diese Isolierung dauert in der Regel zwei Wochen lang, doch diese Zeit kann verlängert werden, wenn die Regierung dies für notwendig hält. Die Wissenschaftlerinnen Samanta Brooks und Rebecca Webster vom Kings’s College London, die an der erwähnten Studie teilhatten, konnten erkennen, dass die mentale Gesundheit ab einer Isolierung von zehn Tagen leidet. 

 

Ab dem 11. Tag leiden Betroffene an Stress, Nervosität und AngstWenn die Quarantäne also auf über 15 Tage verlängert wird, sind die Konsequenzen noch viel komplexer und schwieriger zu handhaben.

2. Die Angst vor einer Ansteckung wird irrational

Eine offensichtliche psychologische Folge des Coronavirus ist die Angst, sich damit zu infizieren. Wenn wir uns einer Epidemie oder Pandemie stellen müssen, die länger anhält, entwickeln viele irrationale Ängste. 

Dabei spielt es keine Rolle, ob seriöse Informationen zur Verfügung stehen oder nicht. Es ist nicht relevant, die Vorsorgemaßnahmen (Händewaschen, über einen Meter Abstand halten usw.) zu kennen. 

Wir entwickeln trotzdem Ängste, auch wenn diese grundlos sind. Irrationale Angst vor einer Infektion durch Lebensmittel, die wir essen, durch unser Haustier oder andere Situationen, die uns bis zur Grenze bringen, die wir nie erreichen sollten.

3. Psychologische Konsequenzen: Langeweile und Frust

Auch dies ist offensichtlich: Wir haben wenige Möglichkeiten für gesellschaftliche Kommunikation, auf den Straßen ist alles still und schweigsam, wir dürfen unser Haus nicht verlassen. Dies führt zu Langeweile, auch wenn wir viele Möglichkeiten haben, es nicht so weit kommen zu lassen.

Doch im Laufe der Tage nehmen die Unsicherheit und die Frustration zu. Wir können unserem gewohnten Lebensstil nicht nachgehen, haben keine Bewegungsfreiheit und dadurch entstehen komplexe und problematische Emotionen.

 

4. Wir haben das Gefühl, dass uns grundlegende Dinge fehlen und können panisch reagieren

Während einer Epidemie oder Pandemie reagiert unser Geist oft vernunftwidrig und spontan. Dies ist zum Beispiel auch bei Hamsterkäufen der Fall.

Wir müssen uns zum Beispiel an die klassische Maslowsche Bedürfnishierachrchie erinnern. Um sich wohl zu fühlen, benötigt der Mensch als Erstes Lebensmittel und grundlegende Dinge. In einer so unsicheren Situation, in der wir uns derzeit befinden, fokussiert unser Gehirn seine Aufmerksamkeit auf diese Priorität: Wir möchten auf keinen Fall auf Grundlegendes verzichten oder Mangel leiden. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Lebensmittelgeschäfte bestens versorgt sind und täglich Nachschub kommt.

Wir beachten dabei auch nicht, dass in den Apotheken alle Medikamente vorhanden sind und es nicht zu einem Mangel kommen wird. Unser Gehirn glaubt, dass diese grundlegenden Mittel, die wir für unser Wohlbefinden benötigen, fehlen könnten und wir sie auftreiben müssen.

5. Misstrauen: Wir erhalten nur einen Teil der Information

Eine weitere psychologische Folge des Coronavirus ist das Misstrauen gegenüber offiziellen Quellen. Gesundheitszentren, Politiker, relevante Wissenschaftler… irgendwann schaltet unser Gehirn ab und misstraut jeder Information.

Dies konnte auch beim SARS-Ausbruch im Jahre 2003 beobachtet werden. Doch warum? Zum Teil werden gegensätzliche Informationen verbreitet. Außerdem mangelt es oft an Koordination zwischen Regierung, Gesundheitssystem und anderen Stellen. 

 

Wir müssen darüber hinaus berücksichtigen, dass es sich um eine außergewöhnliche Situation handelt. Wir haben noch nie eine ähnliche Sachlage erlebt. 

Zudem ist unser Gegner, der gefürchtete COVID-19, neu und unsichtbar,  so wie es damals auch SARS war. Die Autoritäten reagieren auf die Ereignisse und Bedürfnisse. Doch das Misstrauen der Bevölkerung ist in diesem Kontext der schlimmste Feind. Schnell entstehen Konspirationstheorien, die eine Lösung nur zusätzlich erschweren.

6. Die Situation von Menschen mit psychologischen Störungen kann sich verschlimmern

Wir haben bereits anfangs darauf hingewiesen. Manche Menschen sind besonders empfindlich, vor allem jene, die bereits an einer Depression, einer Phobie oder allgemeinen Angststörung leiden. Diese Krankheiten können sich in einer so schwierigen Situation zusätzlich verschlimmern. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, ihnen zu helfen, sie zu unterstützen und zu vermeiden, dass sie diese Zeit in Einsamkeit verbringen.

psychologische Konsequenzen Coronavirus

7. Psychologische Konsequenzen: Der größte Feind sind negative Gedanken

Es gibt offensichtlich einen sehr gefährlichen Faktor des Coronavirus, der ernste psychologische Konsequenzen mit sich bringen kannNegative und katastrophale Gedanken nehmen schwierige Folgen vorweg: Viele glauben, ihre Arbeit zu verlieren, dass nichts wieder so sein wird, wie es war, dass wir uns alle infizieren werden, eine geliebte Person sterben wird oder die finanziellen Sorgen unüberwindbar sein werden.

 

Wir sollten in diesen Augenblicken solche und ähnliche negative Gedanken vermeiden. Sie helfen niemandem weiter, sondern machen die Situation nur noch schlimmer. Es ist wichtig, die Gesundheit zu pflegen, die entsprechenden Vorsorgemaßnahmen zu treffen und auch die geistige Gesundheit nicht zu vergessen.

In Krisenzeiten wie diesen, ist Ruhe und Gemeinsinn gefragt. Wir müssen uns gegenseitig helfen, um diese Situation erfolgreich überwinden zu können.

  • Brooks, S. K., Webster, R. K., Smith, L. E., Woodland, L., Wessely, S., Neil Greenberg, Fm., … James Rubin, G. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: Rapid review of the evidence. The Lancet6736(20). https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30460-8