Die 5 Stufen der Maslow’schen Bedürfnispyramide

· 22. April 2019

Was motiviert menschliches Verhalten? Dem humanistischen Psychologen Abraham Maslow zufolge basiere unser Handeln auf dem Wunsch nach der Befriedigung bestimmter Bedürfnisse. Um die Motivation unseres Handelns zu erklären, definierte Maslow 1943 eine sogenannte Bedürfnishierarchie, auch bekannt ist als Maslow’sche Bedürfnispyramide. Er ging davon aus, dass wir Menschen zunächst motiviert seien, Grundbedürfnisse zu befriedigen, bevor wir Interesse haben, weitere Bedürfnisse zu stillen.

Während damalige Schulen wie die der Psychoanalyse oder der Verhaltenslehre mehr daran interessiert waren, psychische Erkrankungen zu erklären, beschäftigte sich Maslow damit, die Motivation hinter den Handlungen der Menschen zu verstehen. Der Psychologe fragte sich auch, warum manche Menschen mit ihren Entscheidungen glücklicher waren als andere.

Als Humanist glaubte Maslow, dass der Einzelne ein angeborenes Verlangen nach Selbstverwirklichung habe: alles zu werden, was er sein wolle. Aber laut Maslow müsse der Mensch zuvor seine grundlegendsten Bedürfnisse wie Nahrung, Sicherheit und Liebe befriedigen, um dann sein endgültiges Ziel zu erlangen.

Eine Frau verwirklicht sich selbst - eine Stufe auf der Maslow'schen Bedürfnispyramide

Die Stufen der Maslow’schen Bedürfnispyramide

Maslow stellte fest, dass Menschen motiviert waren, bestimmte Bedürfnisse in einer hierarchischen Ordnung zu decken. Das grundlegendste Bedürfnis, das wir Menschen haben, ist unser Überleben. Nur wenn diese Stufe gesichert ist, wird den folgenden Stufen Priorität eingeräumt und so erklimmt der Mensch Schritt für Schritt die Bedürfnispyramide.

Im nächsten Abschnitt wollen wir über die 5 Stufen der Maslow’schen Bedürfnishierarchie sprechen. Die erste Ebene ist der Sockel der Pyramide und die restlichen Stufen sind über dieser Grundstufe angeordnet.

Die 5 Stufen der Maslow’schen Bedürfnishierarchie

  • Physiologische Bedürfnisse: Biologische Anforderungen, die unser Überleben sichern, wie: Luft, Trinken, Nahrung, Wärme, Schlaf, Kleidung, Wohnung und – für den Einzelnen nachgeordnet, für die Spezies unabdingbar – Sex. Der Mensch kann nicht überleben, wenn er diese Bedürfnisse nicht deckt. Maslow war der Ansicht, dass die physiologischen Bedürfnisse die wichtigsten seien.
  • Sicherheitsbedürfnisse: Sie umfassen Schutz vor Gefahr, Sicherheit, Ordnung, Gesetze, Stabilität, Freiheit und Gesundheit.
  • Soziale Bedürfnisse: Hierzu zählen Freundschaft, Intimität, Vertrauen, Annahme, Geben und Empfangen von Zuneigung und Teil einer Gruppe zu sein.

Wenn also physiologische und Sicherheitsbedürfnisse gestillt sind, rücken die sozialen Bedürfnisse in den Vordergrund. Diese Ebene hängt mit sozialen Aspekten zusammen und beinhaltet das Gefühl der Zugehörigkeit. Die Notwendigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen herzustellen, motiviert unser Verhalten auf dieser Ebene.

  • Individualbedürfnisse: Maslow unterteilt diese Stufe in zwei Kategorien: Auf der einen Seite ist das Selbstwertgefühl (Würde, Errungenschaften, Unabhängigkeit und Kontrolle), auf der anderen das Verlangen nach Ansehen oder Respekt seitens unserer Mitmenschen (Status, Prestige). Maslow wies darauf hin, dass das Bedürfnis nach Respekt oder Reputation für junge Menschen wichtiger sei und dem nach Selbstwertgefühl und Würde vorausgehen.
  • Selbstverwirklichung: Das individuelle Potenzial ausschöpfen und persönliches Wachstum und bemerkenswerte Erfahrungen machen wollen, steht hier im Vordergrund. Maslow sagte dazu: „Was ein Mann sein kann, muss er sein.“  Damit verwies er auf die Notwendigkeit, dass Individuen ihr Potenzial entwickeln müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Selbstverwirklichte Menschen sind sich ihrer selbst bewusst, kümmern sich um ihr persönliches Wachstum, lassen sich nicht von den Meinungen anderer ablenken und wollen ihr Potenzial voll ausschöpfen. 

Von Defizitbedürfnissen und Wachstumsbedürfnissen

Die Maslow’schen Bedürfnisse können weiter in Defizitbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse unterteilt werden. Die ersten vier Stufen beziehen sich auf die Defizitbedürfnisse, während die oberste Stufe vor allem Wachstumsbedürfnisse betrifft. Defizitbedürfnisse entstehen durch Entbehrung. Maslow ging davon aus, dass es Menschen motiviert, zu handeln, wenn diese Bedürfnisse nicht gedeckt werden. Darüber hinaus steige die Motivation, diese Bedürfnisse zu erfüllen, je länger sie unerfüllt bleiben.

Maslow war überzeugt, dass Menschen zunächst die Defizitbedürfnisse auf niedrigerem Niveau befriedigen müssen, bevor sie sich um Wachstumsbedürfnisse kümmern können. Später stellte er jedoch klar, dass die Befriedigung eines Bedürfnisses kein Alles-oder-Nichts-Phänomen sei.

Die Maslow'sche Bedürfnispyramide auf einer Tafel aufgemalt

Wenn wir ein Defizitbedürfnis befriedigen, beeinflusst es nicht mehr unser Handeln und wir richten unser Verhalten an den nächsthöheren Bedürfnissen aus, die wir erfüllen müssen oder möchten. Diese werden dann zu unseren wichtigsten Bedürfnissen. In diesem Sinne streben wir immer nach Selbstverwirklichung, auch wenn diese nicht unsere nächste Priorität ist.

Auf der anderen Seiten entstehen Wachstumsbedürfnisse nicht aus Mangel, sondern aus dem Wunsch heraus, sich als Mensch weiterzuentwickeln. Wenn wir unsere Wachstumsbedürfnisse befriedigt haben, können wir das höchste Niveau erreichen, das die Selbstverwirklichung darstellt.

Jeder Mensch ist dazu in der Lage und kann die Ebene der Selbstverwirklichung auf der Maslow’schen Bedürfnispyramide erlangen. Es ist aber nicht immer einfach, da die Erfüllung der untergeordneten Anforderungen die meisten unserer Ressourcen erfordert. Andererseits können unterschiedliche Erfahrungen dazu führen, dass ein Individuum zwischen den Hierarchieebenen schwankt und daher durch unterschiedliche Bedürfnisse motiviert wird.

Deswegen funktioniert die Hierarchie nicht immer nur in eine Richtung. Eine Person kann zwischen verschiedenen Arten von Bedürfnissen hin- und herwechseln und die Pyramide auch hinabsteigen. Maslow wies darauf hin, dass die Reihenfolge, in der unsere Bedürfnisse erfüllt werden, nicht immer seiner Hierarchie entsprechen. Er erklärte zum Beispiel, dass manche Menschen mehr Wert auf ihr Selbstwertgefühl legen als dass sie ein Verlangen nach Liebe verspüren. Für andere Menschen kann die Notwendigkeit der kreativen Verwirklichung sogar die Grundbedürfnisse übertreffen.

Grenzen in Bezug auf die Maslow’sche Bedürfnispyramide

Einer der größten Kritikpunkte an dieser Theorie ist ihre Methodik. Maslow überprüfte die Biografien und Schriften von 18 Probanden, die sich laut dem Psychologen selbst verwirklicht hatten. Auf Basis dieser Quellen stellte er eine Liste von Eigenschaften zusammen, die diese bestimmte Gruppe von Menschen gemeinsam hatte.

Aus wissenschaftlicher Sicht hat diese Methodik verschiedene Defizite. Zunächst einmal lässt sich streiten über Maslows Objektivität in Bezug auf seine biografische Analyse, da sie praktisch nur auf seinem eigenen Urteil beruht. Die Kritik richtet sich darauf, dass die persönliche Meinung immer anfällig für Vorurteile ist, wodurch die Datenerhebung infrage gestellt wird. Darüber hinaus ist es äußerst schwierig, Maslows Konzept der Selbstverwirklichung empirisch zu beweisen. Daher sollte Maslows Definition von Selbstverwirklichung nicht blind als wissenschaftlich belegte Tatsache akzeptiert werden.

Darüber hinaus konzentrierte sich Maslows biografische Analyse auf eine Auswahl von selbstverwirklichten Individuen, die unter denen gebildete weißen Männer wie Thomas Jefferson, Abraham Lincoln, Albert Einstein und Aldous Huxley in der Überzahl waren. Frauen wie Eleanor Roosevelt und die Heilige Teresa von Kalkutta machten nur einen kleinen Prozentsatz seiner Stichprobe aus. Damit ist die Stichprobe sicher nicht repräsentativ für die Menschheit.

Der Psychologe Abraham Maslow

Weitere Kritikpunkte an Maslows Theorie

Forscher kritisierten Maslows Bedürfnishierarchie auch, weil der Psychologe davon ausging, dass eine Person zunächst ihre Bedürfnisse auf niedrigerer Ebene decken müsse, bevor sie ihr volles Potenzial und ihre Selbstverwirklichung erreichen könne. Aber das ist nicht immer der Fall.

Es gibt verschiedene Studien, die in ärmeren Gegenden der Welt durchgeführt wurden. Diese haben gezeigt, dass Menschen tatsächlich in der Lage sind, übergeordnete Bedürfnisse (wie Zugehörigkeit und Liebe) zu befriedigen, ohne all ihre Grundbedürfnisse zu decken. Diese Tatsache widerspricht Maslows Theorie. Denn der Psychologe stellte fest, dass diejenigen, die Schwierigkeiten haben, grundlegende physiologische Bedürfnisse (wie Nahrung, Unterkunft usw.) zu stillen, nicht in der Lage seien, sich auf Wachstumsbedürfnisse zu konzentrieren.

Viele kreative Menschen, wie Rembrandt und van Gogh, lebten jedoch ihr ganzes Leben in Armut, und vielleicht haben sie einfach einen Großteil ihrer Ressourcen für die Deckung der Wachstumsbedürfnisse aufgewendet.

Psychologen definieren Motivation heute als einen komplexeren Prozess: Unterschiedliche Bedürfnisse können eine Person gleichzeitig motivieren. So kann sich eine Person auf verschiedenen Ebenen zum Handeln motiviert fühlen.

Ungeachtet dieser Kritikpunkte ist die Maslow’sche Bedürfnispyramide der Ausgangspunkt für viele Studien, die verstehen wollen, warum wir uns so verhalten, wie wir es tun, oder warum dieselben Reize bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen können.