Cohousing: Ein neuer gemeinschaftlicher Lebensstil

24 Dezember, 2019
Cohousing ist weitaus mehr als nur ein Zukunftsprojekt für Seniorenwohngemeinschaften. Auch jüngere Generationen interessieren sich zunehmend für diesen Lebensstil. In unserem heutigen Artikel wirst du alles darüber erfahren!
 

Cohousing ist viel mehr als nur ein neuer Trend. Es ist der zukünftige Lebensstil für viele Senioren. Eine Cohousing-Siedlung besteht aus mehreren Häusern, die durch gemeinschaftlich genutzte Räumlichkeiten und Freiflächen ergänzt werden.

Hier werden alle in der Gemeinschaft anfallenden Aufgaben organisiert und gemeinschaftliche Aktivitäten unternommen. Und all das befindet sich in einer natürlichen Umgebung, in der du sowohl die Natur, deine Privatsphäre und gleichzeitig auch die Gemeinschaft genießen kannst.

Warum probierst du das nicht einfach einmal aus? Was spricht dagegen, ein solches Projekt gemeinsam mit deinen Freunden zu planen? Kleine und komfortable Privathäuser und gleichzeitig viele Einrichtungen in einer Seniorengemeinschaft, die du zusammen mit anderen Menschen nutzen kannst. Das ist eine sehr verlockende Vorstellung, denn in unserer heutigen Gesellschaft leiden viele ältere Menschen sehr unter Einsamkeit.

Dennoch sind derartige Projekte keine neue Erfindung. Bereits in den 1970er Jahren entstand Cohousing in Dänemark. Während der 1980er Jahre gab es zahlreiche Cohousing-Gemeinschaften in Städten wie Oakland, Berkeley, Bellingham und Washington. Sie befinden sich in einigen der landschaftlich schönsten Gegenden der USA. Heute gibt es Cohousing-Siedlungen in Europa und Japan.

 

Ein gut organisiertes Cohousing-Projekt kann sich sehr positiv auf deinen allgemeinen Gesundheitszustand auswirken. Heutige Gemeinschaftsmodelle fördern nur selten menschliche Interaktionen. Allerdings scheinen in unserer schnelllebigen, sich permanent verändernden, hochentwickelten und fortschrittlichen Gesellschaft unsere Vorstellungen davon, wie wir im Alter leben wollen, wieder traditioneller zu werden.

Cohousing - Menschen im Garten

Cohousing, Gemeinschaft und Lebensqualität

Unsere heutige Welt ist extrem vernetzt und unser Lebensstil ist von Eile und Hektik geprägt. Daher sind die meisten Menschen beinahe permanent im Zeitdruck und gestresst. Außerdem können wir oftmals unser Privatleben nur noch schwer mit unserem Berufsleben vereinbaren. Wir eilen von einem Termin zum nächsten, pendeln zur Arbeit und leben in kleinen und anonymen Wohnungen.

 

Daher ist Cohousing auch für jüngere Menschen eine sehr gute Alternative zu ihrem bisherigen Lebensstil. Das Interesse dieser Generationen an solchen Projekten steigt zunehmend. Eine von Dr. Jo William an der Universität von Manchester durchgeführte Studie zeigt, dass sich Menschen nach positiven sozialen Interaktionen sehnen.

Cohousing verfolgt sowohl ein architektonisches als auch ein ökologisches Ziel:  die Nachbildung eines bewussten Lebensmodells in einer sozial vernetzten Gemeinschaft.

Kollaborative Umgebungen für alle Bedürfnisse und alle Altersgruppen

Daher ist das Modell des Cohousing nicht nur für ältere Menschen geeignet. In den vergangenen Jahren haben Menschen unterschiedlicher Altersgruppen derartige Gemeinschaften erschaffen. Es gibt Cohousing-Siedlungen, in denen junge Menschen wohnen, die diesen Lebensstil schätzen. Außerdem entscheiden sich viele junge Familien und auch beruflich sehr erfolgreiche Menschen (beispielsweise nach einer Scheidung oder im Ruhestand) dazu, in diesen Gemeinschaften zu leben.

 

Darüber hinaus gibt es einige Gemeinschaften, in denen die Privatsphäre die oberste Priorität hat. Andere wiederum legen besonders viel Wert auf soziale Interaktionen und gemeinschaftliche Aktivitäten. Da es viele unterschiedliche Cohousing-Siedlungen gibt, kannst du dir diejenige aussuchen, die deinen Bedürfnissen und Vorstellungen am besten entspricht. Allerdings solltest du stets bedenken, dass die grundlegende Idee dieser Cohousing-Siedlungen immer die Gemeinschaft, Zusammenarbeit und das Teilen von Zeit und Ressourcen ist.

Cohousing - Frau

Entscheidend ist das Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft

Es gibt einige Cohousing-Gemeinschaften, die von einer Gruppe von Freunden aufgebaut wurden. Sie kauften sich Grundstücke und begannen einfach damit, Häuser zu bauen. Außerdem gibt es Cohousing-Siedlungen, die bereits komplett bezugsfertig sind.

 

Das Beste an all diesen Siedlungen ist das perfekte Gleichgewicht zwischen der eigenen Privatsphäre und der Gemeinschaft. Im Gegensatz zu anderen Projekten behält jeder Bewohner seine Einkünfte für sich und niemand muss Produkte mit dem Nachbarn verkaufen, um dadurch die Gemeinschaft zu finanzieren.

Diese Siedlungen haben einige architektonische Grundsätze und Richtlinien:

  • In der Cohousing-Siedlung muss es ein Gemeinschaftshaus geben. Hier befinden sich gemeinsam genutzte Bereiche und Räume wie Esszimmer, Küche, Spielplatz, Musikzimmer, Büros, Bibliothek, Arbeitszimmer, Waschmaschinen und soziale Treffpunkte.
  • Alle Bewohner einigen sich über die gemeinsamen Instandhaltungs- und Hausarbeiten. Dazu werden regelmäßige Treffen abgehalten, in denen die Aufgaben organisiert werden. Außerdem werden gemeinsame Veranstaltungen, Projekte und andere Aktivitäten geplant.
Cohousing - Luftaufnahme
 

Cohousing und Ökologie

Einer der interessantesten Aspekte des Cohousing ist die Umweltfreundlichkeit dieser Projekte. Diese Häuser befinden sich meist in sehr natürlicher Umgebung. Darüber hinaus sind sie so aufgebaut, dass Gemeinschaft und Solidarität unter den Bewohnern sehr stark gefördert wird. Außerdem verwenden viele Gemeinschaften natürliche Ressourcen wie beispielsweise Solaranlagen zur Stromgewinnung.

Du siehst, Cohousing ist bereits eine gelebte Realität. Diese Siedlungen existieren auf der ganzen Welt und verschiedene Generationen genießen es, ein Teil dieser Gemeinschaften zu sein.

 
  • Lietaert, M. (2010). Cohousing’s relevance to degrowth theories. Journal of Cleaner Production18(6), 576–580. https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2009.11.016
  • Williams, J. (2005). Designing neighbourhoods for social interaction: The case of cohousing. Journal of Urban Design10(2), 195–227. https://doi.org/10.1080/13574800500086998