Carl Gustav Jungs Vermächtnis für die spirituelle Psychologie

29. Juni 2017 en Psychologie 170 Geteilt

Das Werk von Carl Gustav Jung ist ein konstanter Findungsprozess, eine wundervolle Alchemie zwischen analytischer Psychologie, Anthropologie und Philosophie, der uns so interessante Konzepte hinterlassen hat wie „das kollektive Unterbewusstsein“, „die Archetypen“, „die Synchronizität“ oder die Grundlagen eines spirituellen Vermächtnisses, das ein enormes Gedankengut beinhaltet.

Wenn von berühmten Psychologen die Rede ist, denken die meisten von uns an das ikonische Antlitz von Sigmund Freud. Doch für viele hinterließ Carl Gustav Jung in Bezug auf die Erforschung der Persönlichkeit und der menschlichen Psyche eine wesentlich tiefere Spur.

„Wenn du ein talentierter Mensch bist, bedeutet das nicht, dass du etwas erhalten hast; es bedeutet, dass du etwas tun kannst.“

Carl Gustav Jung

Auch wenn Jung natürlich jahrelang sehr eng mit Sigmund Freud zusammengearbeitet hat, war für letzteren die Sexualität ein relevanterer, sich auf das menschliche Verhalten auswirkende Faktor, was für den Schweizer Psychiater eine nur schwer zu schluckende Pille war. In dem wunderbaren Verstand dieses freien Denkers, des Begründers der Analytischen Psychologie, kreisten ganz andere Gedanken, die die theoretischen Grundlagen, auf die sich Freud berief, überstiegen. Trotz der Tatsache, dass er ein klinischer Psychologe war, widmete er einen Großteil seines Lebens der Erforschung neuer Gebiete, ließ sich von der orientalischen und westlichen Philosophie, von der Kunst, der Literatur, der Astrologie, der Soziologie und sogar der Alchemie leiten.

Darauf beruht dieses Vermächtnis voller interessanter Kenntnisse, von dem wir die im weiteren Verlauf dieses Artikels berichten wollen.

Ein Kindheitstraum, der ihm die Augen öffnete

Carl Gustav Jung sagte einmal, dass der Mensch drei Mal geboren würde. Die erste Geburt sei die reale, physische Geburt. Die zweite finde mit der Entwicklung des Egos statt, und die dritte beschrieb er als „spirituelles Bewusstsein“.  Laut Meinung von Jung würde diese letzte Geburt niemals stattfinden, wenn sich der Mensch ausschließlich auf sein Ego, sein konditioniertes Verhalten oder auf diese festgefahrenen und wenig flexiblen mentalen Gewohnheiten konzentriere.

„Der Traum ist diese kleine versteckte Tür im tiefsten und intimsten Inneren der Zufluchtsstätte der Seele.“

Carl Gustav Jung

Dennoch scheint es, als hätte der schweizerische Psychiater diese dritte Geburt selbst bereits als Kind erlebt, dank eines seltsamen, symbolischen und gleichzeitig faszinierenden Traums. Er träumte von einem großen Saal mit einem roten Teppich darin, wo sich ein außergewöhnliches Wesen erschöpft auf einen Thron erhob. Es war ein baumähnliches Monster mit einem riesigen Auge. Es hatte menschliche Haut und rührte sich kaum, als sich der kleine Carl ihm näherte. Doch kurz darauf konnte er die Stimme seiner Mutter hören, die aus einem nahegelegenen Grab zu ihm rief, dass er sich diesem Monster nicht nähern solle, da es ein Menschenfresser sei.

Obwohl ihm dieser Traum zuerst als ein schrecklicher Albtraum vorkam, dauerte es nicht lange und er entwickelte ein großes Interesse für die Traumwelt und deren Symbolik. Jahre später wurde ihm bewusst, dass dieser Traum wie ein Aufruf, wie eine direkte Einladung dazu war, das zu erforschen, was zukünftig von Psychoanalytikern als das „Unterbewusstsein“ beschrieben werden würde.

Das spirituelle Vermächtnis von Jung

Carl Gustav Jung war stets bewusst, dass er sich nicht mit dieser bekannten, beschränkten Vision über das menschliche Wissen zufriedengeben wollte. In seine Theorien flossen daher anthropologische Ansätze, Konzepte der Kunst, Spiritualität und Kultur ein, in denen sich aufschlussreiche Kenntnisse über das Unterbewusstsein verbargen.

  • Jung studierte das Christentum, den Hinduismus, Buddhismus, Gnostizismus, Taoismus und andere Religionen sehr genau, denn für ihn bestand die Wurzel des psychischen Lebens in der Spiritualität.
  • Um den menschlichen Verstand zu verstehen, studierte er unter anderem auch die Konsequenzen der Spiritualität, also ihre kulturellen Erzeugnisse.
  • Gleichzeitig verteidigte er die Theorie, dass jegliche spirituelle Erfahrung essenziell für unser Wohlbefinden sei, womit sich Sigmund Freud nicht einverstanden zeigte.
  • Im Jahr 1944 veröffentlichte Jung Psychologie und Alchemie,  um zu demonstrieren, wie sich in vielen der häufigsten Träume Symbole verstecken, die von Alchemisten benutzt werden, so wie auch mythologische Bilder, die wir alle in unserem Unterbewusstsein tragen.

Mit diesen Ideen verstärkte Jung den universellen Charakter seiner Theorie des Archetyps und verteidigte daneben den Wert der Spiritualität als Werkzeug, um die psychische Gesundheit des modernen Menschen zu verbessern.

Jung und die Studie der Mandalas

Carl Gustav Jung, in seiner unendlichen Leidenschaft für dieses mit unseren früheren Kulturen in Zusammenhang stehenden Wissen, entdeckte bald darauf die psychologischen Effekte von Mandalas, während er sich für die Erforschung der orientalischen Religion begeisterte. Seiner Meinung nach sei ein Mandala eine heilige geometrische Zeichnung, die etwas in uns auslöse und gleichzeitig eine therapeutische Wirkung auf unser Inneres habe. Jede kreisförmige Darstellung bedeute nicht nur eine kosmische Repräsentation, sondern sei auch eine konkrete Einladung, unserem Sein zuzuhören, unsere Harmonie wiederzufinden und ein Erwachen, ein Wachstum zu fördern.

Jung verwendet Mandalas, um seinen Patienten dabei zu helfen, ihrer inneren Stimme zu lauschen. Sein Ziel war es, das Ego abzuschalten, dem Lärm der obsessiven Gedanken zu entkommen, damit der Mensch neue Wege der Befreiung finden und eine neue Bewusstseinsebene erreichen konnte.

„Was du unterdrückst, verfolgt dich; was du akzeptierst, verändert dich.“

Carl Gustav Jung

Abschließend können wir sagen, dass Carl Gustav Jungs Vermächtnis zweifellos eines der umfassendsten und reichsten an Kenntnissen und neuen Konzepten ist. Trotz der Tatsache, dass seine theoretischen Beiträge im Bereich der Psychoanalyse noch heute von großer Bedeutung sind, gibt es auch Menschen, die sich auf sein spirituelles Gedankengut konzentrieren.

Wir möchten dich dazu einladen, die Gesamtheit seiner Arbeiten kennenzulernen. Bücher, wie Das rote Buch, Der Mensch und seine Symbole  oder Erinnerungen, Träume, Gedanken  sind Zeugnisse eines multidisziplinarischen Fokus, einer Vielzahl an Kenntnissen und neuer Ansätze, die bis in die Gegenwart Experten, Interessierte und die Allgemeinheit inspirieren.

Die Persönlichkeitstheorie nach Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung ist zweifellos eine der bedeutendsten Referenzen,
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