Carl Gustav Jungs Eudaimonie: Der Schlüssel zum Glück

17. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Baumfrau, die ihre Hände auf die Augen eines Mannes legt

Eudaimonie bedeutet, Glück, Gesundheit oder Glückseligkeit zu besitzen. Carl Gustav Jung glaubte, dass wir sie fördern sollten, in unserem Inneren. Er sagte, dass wir uns dafür zunächst mit unserem eigenen „Daimon“ verbinden müssen. Jungs Daimon ist unser inneres Genie, ein Archetyp, der unsere unbewussten Leidenschaften und Motivationen steuert. Er ist das Zentrum unseres Seins, auf das wir öfter hören sollten.

Wenn es eine Sache gibt, die wir fast überall im Überfluss sehen, dann ist es das Bedürfnis, glücklich zu sein. Unzählige Werbesports vermitteln uns, dass, wenn wir ein bestimmtes Getränk trinken oder ein bestimmtes Handy haben, neue wundervolle Gefühle in uns aufkommen würden. Heutzutage erreicht uns die Botschaft vom Glück im Befehlston.

„Der Charakter des Menschen ist sein Schicksal.“

Heraklit

In dieser postmodernen Welt führt das verpflichtende Gefühl, glücklich zu sein, ironischerweise Weise zum Unglück. Erinnere dich zum Beispiel daran, was Nassim Nicholas Taleb in seinem Buch Der schwarze Schwan  schreibt: Wir alle glauben noch immer, dass die Welt voller weißer Schwäne wäre. Wir denken, dass wir uns nur genug Mühe geben müssten. Dann würde alles, was man uns in der Kindheit versprochen hatte, wahr werden.

Laut Taleb sei unsere Welt jedoch unglaublich komplex. So komplex, dass wir nicht wüssten, wie wir reagieren sollen, wenn wir einen schwarzen Schwan sehen. Wir sind verwundbar, weil wir nicht wissen, wie wir mit dem Unerwarteten oder Ungewissen umgehen können. Demnach werden wir nie das Glück finden, wenn wir außerhalb unserer selbst suchen. Wir müssen unseren Charakter stärken, unseren Daimon, wie Carl Gustav Jung es bereits beschrieben hat.

Abstrakte Figuren, die miteinander verschmelzen

Eudaimonie und die Wichtigkeit, sich selbst zu kennen

Einer derjenigen, der Carl Gustav Jungs Vermächtnis übernommen hat, war James Hillman. Dieser Analytiker war einer derjenigen, der in das Konzept der Archetypen, und konkreter in die Idee des Daimons, eingetaucht ist. In seinem Buch Charakter und Bestimmung  erinnerte er uns an die Bedeutung dessen, sich mit seinem inneren Genie oder Daimon zu verbinden, um ein erfülltes und wirklich glückliches Leben führen zu können. Um diese interessante Theorie besser zu verstehen, lasst uns einen näheren Blick auf das werfen, worüber Professor Hillman in seinem Buch sprach.

Was ist ein Daimon?

  • Das Wort „Daimon“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet Dämon. Jedoch hat es keine negative Konnotation. Tatsächlich symbolisiert der Daimon die höchste Essenz eines Menschen. In Aristoteles Ethik war der Daimon Wirksamkeit und Weisheit im praktischsten Sinne.
  • Carl Gustav Jung erklärte, dass der Daimon in unserem unbewussten Geist lebe. Er steuere unsere Handlungen, motiviere uns, flüstere uns Ideen zu, inspiriere uns und gebe unserer Intuition eine Stimme. Jedoch lenken uns die moderne Gesellschaft und der Lebensrhythmus von ihm ab. Es komme häufig vor, dass wir uns von dieser inneren Stimme distanzieren.
  • Die Bildung zielt auf Einheitlichkeit und der Arbeitsmarkt schätzt Originalität nicht wert. Dies ermuntert nicht gerade dazu, dem eigenen Geist Raum zu geben. Doch das einheitliche Dasein ist ohne Lebensfreude. Originalität hingegen hat ein enormes Potenzial und möchte mehr als alles andere der Kreativität freien Lauf lassen.

Tänzerin

Der Daimon und die Eudaimonie: Eine Frage der Tapferkeit

Hillman glaubte, dass einige Dinge im Leben genauso bedeutsam seien, wie zu lernen, auf diesen Geist zu hören. Auf dieses magische, farbenfrohe Wesen, das in unserer Motivation lebe. Und damit griff er uralte Traditionen auf, wie die Inschrift im Apollotempel von Delphi bezeugt: Erkenne dich selbst.

Wenn du aufhörst, außerhalb von dir nach Antworten suchen und dir darüber Sorgen zu machen, was andere wollen, wirst du endlich auf den Weg gelangen, dich selbst zu erkennen. Nur dann kannst du mit deinem Daimon in Kontakt treten. Demnach ist die Akzeptanz der Eudaimonie nicht immer einfach. Manchmal will dein Daimon Dinge, die die Menschen um dich herum nicht verstehen. Vielleicht will ein Anwalt nicht mehr als solcher tätig sein. Vielleicht will er eigentlich ein Künstler sein. Möglicherweise möchte ein berühmter Künstler nichts mehr kreieren. Sein Daimon fordert ihn vielleicht dazu auf, humanitäre Arbeit zu verrichten. Dein Daimon möchte vielleicht, dass du unabhängiger bist und deine eigenen Freiheiten findest, nach denen du dich nicht zu fragen traust.

Eudaimonie erfordert viel Mut. Dein Daimon ist ruhelos und hungrig nach neuen Erfahrungen. Wenn du demzufolge nicht auf diese innere Stimme hörst, wird er dich bestrafen. Jung erinnerte uns an Folgendes: Wenn du nicht in der Lage bist, auf die Bedürfnisse des Daimons zu hören, wird deine Seele erkranken. Warum? Weil es dich unglücklich macht, gegen deine Sehnsüchte und Motive zu handeln.

Frau, die sich mit ihren Händen die Augen verdeckt

Wie kannst du die Eudaimonie kultivieren?

Du weißt, dass nichts so wichtig ist, wie die Selbsterkenntnis. Dich mit deinen Wünschen, deinem Kern, deiner Identität und deinen persönlichen Werten zu verbinden ist ein Weg, um deinen Daimon anzunehmen und zu erkennen. Jedoch ist es nicht genug, nur zu sagen: „Ich weiß, dass du da bist.“  Du musst ihn befreien, damit er an die Oberfläche und zum Ausdruck kommen kann.

Eine authentische Eudaimonie zu kultivieren bedeutet, Veränderungen einzuleiten. Es bedeutet, das beiseitezulegen, was dir die Außenwelt aufdrängt. Stattdessen musst du lernen, deine eigene Realität zu erschaffen. Du musst dir vollkommen der Komplexität deiner Umgebung bewusst sein, wo Ungewissheit und unvorhersehbare Schwierigkeiten die einzigen Konstanten sind.

Dein Daimon hat Wünsche. Um jedoch Eudaimonie zu erreichen, musst du mit Situationen umgehen können, in denen es nicht so leicht ist, diese Realität werden zu lassen.

Mann in einem Feld unter zahlreichen Heißluftballons

Demnach ist es eine gute Idee, uns daran zu erinnern, was Immanuel Kant einmal gesagt hat: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“  In anderen Worten musst du die besten Methoden wählen, um dein Wohlbefinden auf das höchste Maß zu bringen. Es ist ziemlich offensichtlich, dass das nicht einfach ist. Doch dein Vorteil ist, dass du immer die Jung’sche Therapie zur Hilfe nehmen kannst. Das Ziel dieses therapeutischen Ansatzes es ist es, dich der Eudaimonie näherzubringen. Sie beabsichtigt, dir dabei zu helfen, deine Einzigartigkeit zu erkennen, sowie die Möglichkeit, auf deine eigene Weise glücklich zu sein.

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