C. G. Jung: die "Schwarzen Bücher"

Carl Jungs "Schwarze Bücher" sind eine Sammlung von 7 Bänden, die in Form eines Tagebuchs in die unbewusste Welt des Schweizer Psychiaters führen.
C. G. Jung: die "Schwarzen Bücher"
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der psychologe Valeria Sabater am 15. November 2021.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Im Jahre 2009 war die Veröffentlichung des Roten Buches (Liber Novus) von C. G. Jung ein bedeutendes Ereignis. Nicht weniger wichtig war die Publikation der Schwarzen Bücher im Jahr 2020. Diese Notizen und Skizzen, die der bekannte Schweizer Psychiater zwischen 1913 und 1932 verfasste, bilden die Grundlage des Roten Buches.

Es handelt sich um handgeschriebene Tagebücher, in denen Carl Gustav Jung sein Selbstexperiment festhielt. Darin beschäftigte sich der Autor mit seinem Unterbewussten und hielt seine Fantasien und Visionen im Wachzustand fest: eine akribische und delikate Forschungsarbeit über seine eigenen mentalen Zustände und ihre möglichen Beziehungen zu der von ihm definierten kosmologischen Psychologie.

“Der Schlaf ist eine versteckte kleine Tür, die zu den geheimsten und intimsten Ecken der Seele führt und sich in die kosmische Nacht öffnet.”

Carl Gustav Jung

C. G. Jung: Die "Schwarzen Bücher"

Die “Schwarzen Bücher”

“Liber Novus” ist vielleicht das umstrittenste Werk des Psychiaters. Seine Familie verwahrte das Manuskript nach seinem Tod in einem Haus in Küsnacht, einer Gemeinte im Kanton Zürich, in der C. G. Jung seinen Tod fand. Die Familie wollte dieses seltsame, komplexe und sehr intime Werk, in dem der Psychiater eine Reise in die Unterwelt unternahm, um seine Seele zu retten, nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Das Ende des Ersten Weltkriegs und seine Meinungsverschiedenheiten mit Sigmund Freud versenkten C. G. Jung in einen Zustand tiefer Enttäuschung, der ihn in spirituelle, prophetische und mystische Welten eintauchen ließ. Denn er sehnte sich danach, Antworten und einen Sinn in einer Welt zu finden, die sich von ihrer gewalttätigsten und irrationalsten Seite zeigte.

Während C. G. Jung an “Liber Novus” arbeitete, verbrachte er auch Zeit mit seinen “Schwarzen Büchern”, die ihm als Grundlage für das Rote Buch dienten. Der Psychiater meditierte und experimentierte mit psychonautischen Techniken, um mit seinen Träumen in Kontakt zu kommen. Diese hielt er im “Roten Buch” fest. Die methodischeren und gründlicheren Analysen beschrieb er in seinen “Schwarzen Büchern”.

Eine ganz besondere Veröffentlichung

Die Philemon Foundation veröffentlichte Jungs “Schwarze Büchern” 2020 in einer siebenbändigen Ausgabe, die von Sonu Shamadasani, der auch für die Veröffentlichung von “Liber Novus” verantwortlich war, sorgfältig vorbereitet und produziert wurde.

Der erste Band ist eine Einführung, die als Leitfaden für die folgenden sechs Bücher dient. In letzterem finden wir eine Reihe von Schriften, die von anschaulichen Zeichnungen begleitet werden, mit denen Jung versuchte, sein Unbewusstes durch visionäre Vorstellungskraft, Schreiben und Malen zu erforschen.

Der Psychiater hält auch Überlegungen zu seiner eigenen psychologischen Entwicklung fest und beschreibt die Entwicklung seiner Theorie der analytischen Psychologie. Als kuriose Tatsache wird der Leser auf den Seiten dieser Bände auch die Dreiecksbeziehung zwischen ihm, Emma Jung und Toni Wolff entdecken.

Emma Jung war seine Frau,  Antonia Anna Wolff zuerst eine Patienten, später seine Geliebte und Jungianische  Analytikerin, eine unverzichtbare Stütze in seiner täglichen Arbeit. Tatsächlich veröffentlichte diese junge Frau später interessante Aufsätze über die weibliche Psyche, in denen sie die Archetypen der Amazone, der Mutter, der Kurtisane und des Mediums verarbeitete.

Jungs “Schwarze Bücher”, eine Reise ins Innere

Jungs “Schwarze Bücher” zeigen visionäre Begegnungen, die der Schweizer Psychiater mit mythologischen Wesen hatte. Darunter Phanes, der Gott des Lichtes, der altägyptische Gott Ha und auch eine für ihn entscheidende Figur: Philemon, der weise Heide, der zu seinem inneren Guru wurde. Im Ersten Weltkrieg verstärkten sich diese Erfahrungen in Form von lebhaften Vorstellungen und traumähnlichen Erlebnissen.

Carl Gustav Jung versuchte, allen seinen Erlebnissen einen Sinn zu geben, indem er bewusst Fantasien im Wachzustand heraufbeschwor und dann in sie eintrat, wie durch eine Leinwand, um zu versuchen, die Symbolik dieses abstrakten, surrealistischen Gemäldes zu verstehen.

Seele: Das große Werk beginnt.

Ich: Was für ein großes Werk?

Seele: Das Werk, das jetzt getan werden soll. Es ist ein großes und schwieriges Werk. […] Schon längst warst du zu unbewusst. Jetzt musst du zu einer höheren Stufe der Bewusstheit gelangen.

die Schwarzen Bücher von C G Jung

Die “Schwarzen Bücher”: Eine Botschaft für die Menschheit

An dieser Stelle stellt sich die Frage: Welche Botschaft haben Carl Jungs “Schwarze Bücher” für die Menschheit? Um dies herauszufinden, müssen wir die Theorie des Unbewussten des Vaters der analytischen Psychologie verstehen. Das Unbewusste beherbergt nicht nur unser Gedächtnis oder das kollektive Erbe, das die ganze Menschheit vereint: Es enthält auch kreative und transformative Grundlagen.

Was bedeutet das? Jung suchte auf dieser transformativen Reise in sein Inneres nach Antworten, um sich weiterzuentwickeln, um Erleuchtung und damit Freiheit zu finden. In einem konvulsivischen Kontext wie dem, der ihn umgab, sehnte er sich nach Weisheit, Sinn und Transzendenz.

Die Botschaft der “Schwarzen Bücher” ist einfach und klar: Wir müssen eine höhere Bewusstseinsebene erreichen, um ein als Menschheit ein besseres Werk zu schaffen.

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  • Jung, Carl (2020) The Black Books: Facsimile Edition. WW Norton & Co; Slipcased Edition. Slipcased 
  • Jung, Carl Gustav (2010, 2019). «Liber Novus: el Libro rojo de C. G. Jung: Sonu Shamdasani». El Libro rojo
  • Jung, Carl Gustav (1961). Aniela Jaffe, ed. Memories, Dreams, Reflections. pp. 170–198.
  •  Lance S. Owens, “The Hermeneutics of Vision: C. G. Jung and Liber Novus“, The Gnostic: A Journal of Gnosticism, Western Esotericism and Spirituality Issue 3, July 2010. ISBN 978-1906834043 Online edition, pg. 2