5 faszinierende Kurzgeschichten, die dir helfen, zu fantasieren und zu träumen

· 27. August 2018

Es gibt viele Kurzgeschichten, die uns helfen können, uns etwas vorzustellen und zu träumen. Das Interessante an ihnen ist, dass ein guter Teil von ihnen Geschichten im engeren Sinne des Wortes sind. Sie umfassen eine Einleitung, Spannung, einen Klimax und ein Ende. Charaktere, Raum und Zeit. Alles in wenigen Sätzen zusammengefasst.

Es gibt viele große Schriftsteller, die Kurzgeschichten geschrieben haben. Im Handumdrehen entführen sie uns in eine Welt der Fiktion und verblüffen uns mit ihrem witzigen, aber oft zum Nachdenken anregendem Ende. Ihre Autoren waren wahre Zauberer des Wortes.

Diese Kurzgeschichten sind ein Balsam für den Geist und das Herz. Sie laden uns ein, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Sie haben die Fähigkeit, vertraute Situationen aus einer neuen Perspektive darzustellen. Hier ist eine kurze Sammlung dieser kleinen Juwelen der Literatur.

„Gott hat die Welt noch nicht erschaffen, er stellt sie sich nur vor, wie in Träumen. Deshalb ist die Welt perfekt, aber verwirrend.“

Juan José Arreola

1. Wer träumt von wem?

Die folgende ist eine wunderbare Kurzgeschichte von Ana María Shua. Da steht: „Wach auf, es ist spät, ein merkwürdiger Mann schreit mich von der Tür aus an. Wenn du aufwachst, bist du derjenige, der es braucht, ich antworte ihm. Aber dieser dickköpfige Mann träumt weiter.“

Diese Geschichte versetzt uns an die Schwelle zur Realität. Sie verwischt die schmale Grenze zwischen Schlafen und Aufwachen. Es ist eine dieser Geschichten, die die dich vorstellen und träumen lassen kann, einfach, weil sie die Welt des Surrealen öffnet.

Ein Wal schwebt im Himmel

2. Sich selbst erfüllende Prophezeiung mal anders

Diese Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges ist einer Dissertation in Literatur gewidmet. Sie ist wirklich außergewöhnlich: „In Sumatra will jemand als Wahrsager promovieren. Der Zauberer fragt ihn, ob er bestehen werde oder nicht. Der Kandidat antwortet, dass er scheitern werde …“

Was Borges hier tut, ist, mit Logik zu spielen und ein Paradoxon mit enormem Einfallsreichtum zu kombinieren. Der Vorschlag ist faszinierend, weil er die Charaktere und Leser an einen Scheideweg bringt. Du weißt nur nicht, wer mit wem spielt.

3. Das Problem des Blinden

Die folgende ist eine der vielen Kurrzgeschichten, die Alejandro Jodorowsky uns mit auf den Weg gegeben hat, um uns vorstellen und träumen zu lassen: „Ein Blinder mit seinem weißen Stock mitten in der Wüste schreit, weil es keine Hindernisse gibt, um ihm auf seinem Weg zu helfen.“

Auch in diesem Fall haben es mit einem Paradoxon zu tun. Der Blinde muss den Hindernissen ausweichen, um vorwärtszukommen. Sie sind für ihn eine Barriere, aber auch ein Bezugspunkt. Der blinde Protagonist entdeckte das erst, als sie nicht mehr da waren.

Eine Brille auf einem Berg

4. Der Mangel an Liebe, ein ewiges Thema

Liebesgeschichten gehen immer unerwartet aus. Zumindest die Guten. In dieser Kurzgeschichte von Gaspar Camerarius, die sich auf halbem Weg zwischen Poesie und Erzählung befindet, ist der Abdruck von Herzschmerz perfekt gezeichnet: „Ich war so viele Männer, aber ich war nie derjenige, in dessen Umarmung Matilde Urbach ohnmächtig wurde.“

Man könnte sagen, er fasst ein ganzes Leben in nur einem Satz zusammen. Er synthetisiert die Idee der vielfältigen Veränderungen, die um uns herum existieren. Wir sind eins und wir sind viele – wir waren so viele Menschen. Gleichzeitig zeigt er, dass etwas gefehlt hat. Er steckte in den Schuhen vieler Menschen, außer in denen, in denen er von jemandem geliebt wird.

5. Die Bitte des Waisen

Das Außergewöhnlichste an all diesen Kurzgeschichten ist die Art und Weise, wie sie unsere alltägliche Logik herausfordern. Mit großer Gnade zeigen sie uns, dass es Grenzen der Realität gibt, die sich miteinander verbinden.

Wir sehen das auch in dieser Kurzgeschichte von Carlos Monsivais: „Und dann war da noch der neunjährige Junge, der seine Eltern tötete und den Richter um Gnade bat, weil er ein Waisenkind war.“  In dieser Geschichte sind zwei Realitäten, die auf einer Ebene kohärent und auf einer anderen widersprüchlich sind, miteinander verflochten. Der Mörder behauptet, ein Opfer zu sein. Und das ist er auch. Er ist aber vor allem ein Opfer seiner eigenen Handlungen.

Schiff segelt auf einem Tischtuch

Diese Kurzgeschichten sind da, um sie zu genießen. Sie sind wie Türen, die sich zu anderen Dimensionen des Denkens öffnen. Ihr Hauptwert ist, dass sie uns helfen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Augen, die uns mit Intelligenz, Weisheit und Sensibilität erfüllen.