Bleibe aufgeschlossen - die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen

18 Oktober, 2020
Wenn du aufgeschlossen und vorurteilsfrei bleibst und dich in Geduld und Neugier übst, kannst du alle Annahmen, die du möglicherweise treffen könntest, umgehend korrigieren. Wie du siehst, die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.

Du solltest aufgeschlossen und vorurteilsfrei bleiben, weil die Dinge nicht immer so sind, wie sie zu sein scheinen. Menschen, Situationen und bestimmte Ereignisse entwickeln sich oft ganz anders, als du sie wahrgenommen hast. Dann zeigt sich, dass deine Urteile und Bewertungen nicht immer richtig und auch deine Vermutungen häufig nicht angemessen sind.

Wenn du dir diese “Fehlkalkulationen deiner Wahrnehmung” bewusst machst, ist das ein Akt der Verantwortung. Allerdings solltest du auch bedenken, dass du nicht die alleinige Verantwortung dafür trägst; zumindest nicht bewusst. Denn dein Gehirn ist der eigentliche Verursacher dieser unausgewogenen Interpretationen. Dein Gehirn ist es, das die Entscheidungen im Autopiloten trifft und sich dabei von Vorurteilen anstatt von ausgewogenen Überlegungen leiten lässt.

Bleibe aufgeschlossen, denn die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen

Menschen, die ihr Leben der psychischen Gesundheit widmen, wissen sehr genau, wie wichtig das Wissen darüber ist, wie man den Schalter der Beurteilung umlegen und die Falle des Vorurteils vermeiden kann. Wenn du andere bei Veränderungen begleiten und inspirieren und ihnen bei der Heilung und beim Wachstum helfen möchtest, dann solltest du unbedingt vorschnelle Etikettierungen und Schubladisierungen vermeiden. Stattdessen solltest du quasi das Licht einschalten, wenn es um dein Verständnis geht.

Nur die Menschen, die aufgeschlossen und vorurteilsfrei sind, sind dazu in der Lage, authentisch zu sein und sich empathisch mit anderen Menschen zu verbinden. All das dient dazu, den Fortschritt zu begleiten und zu unterstützen, den ein bestimmter Mensch gerade benötigt. Denn die Erfahrung zeigt immer wieder, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Daher solltest du auch nicht alles glauben, was du hörst oder denkst.

Das versetzt dich zweifelsohne in einen Zustand permanenter Unsicherheit, in dem dir nur eine Option bleibt. Loslassen und dir erlauben, den anderen Menschen zu entdecken. Das ist in der Tat das Geheimnis des Lebens. Es geht darum, dass du es wagst, aufgeschlossen und offen zu sein und Türen zu öffnen, um zu entdecken, was sich dahinter verbirgt. Und dass du akzeptierst, dass es viele Realitäten und Perspektiven gibt.

aufgeschlossen bleiben- verschiedene Masken

Bleibe aufgeschlossen

Es gibt Zeiten, in denen das, was man wahrnimmt, nichts mit der wahren Realität zu tun hat. Aber wie kann das sein? Täuschen dich deine Sinne? Überhaupt nicht. Es ist vielmehr so, dass alles, was du wahrnimmst und alles, was außerhalb deines Geistes geschieht, den Filter deines Gehirns durchläuft. Dieses Organ interpretiert alles, was du siehst und erlebst. Außerdem schleust es jedes Ereignis, jede Person und jeden Umstand durch den Schleier deiner Erfahrung, Persönlichkeit und deiner einzigartigen individuellen Facetten.

Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Und die Erkenntnis, dass sie es nicht sind, kann überraschend sein. Das ist jedem schon einmal widerfahren. Wenn du dich beispielsweise mit Mobbing auseinandersetzen musst, ist es zunächst einmal sehr einfach, zu erkennen, wer das Opfer und wer der Täter ist. Allerdings sollte deine Wahrnehmung darüber hinaus gehen. Denn manchmal ist der Täter gleichzeitig auch Opfer seines eigenen familiären und sozialen Kontextes. Eines Mikrokosmos, in dem Gewalt die einzige bekannte Sprache ist.

Was du wahrnimmst, muss in der Tat nicht immer der wahren Realität entsprechen, aber deine Wahrnehmung ist die Linse, durch die du die Welt beinahe täglich betrachtest. Der Kristall, aus dem sie besteht, ist in keinster Weise scharf und durchsichtig. Sie ist getrübt durch deine früheren Erfahrungen, Emotionen, Vorurteile, Interessen und kognitiven Verzerrungen.

Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen, weil dein Gehirn eine Fabrik ist, die Annahmen produziert

Der menschliche Geist besteht aus vielen Annahmen, irrationalen Schemata, vorgefertigten Ideen und Vorurteilen, derer du dir nicht bewusst bist. Wenn du dich fragst, wer all diese Dinge in deinem Geist abgelegt hat, dann ist die Antwort darauf ganz einfach: du warst das.

Daniel Kahnemann, der berühmte Psychologe, der im Jahr 2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde, erinnert die Welt durch seine Bücher und Arbeiten daran, dass Menschen aus Hunderten von kognitiven Vorurteilen bestehen. Diese entstehen durch subjektive (und häufig fehlerhafte) Methoden, die Realität zu interpretieren, welche vollkommen von der objektiven Realität abweichen.

Daher wirst du möglicherweise früher oder später erkennen, dass bestimmte Dinge gar nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein schienen. Und sie sind es nicht, weil du bei der Betrachtung völlig falsch ausgerichtete Vorurteile anwendest.

aufgeschlossen bleiben - Mann mit vernebeltem Kopf

Das Gehirn möchte Zeit sparen und füllt daher alles, was es nicht versteht, mit Vorurteilen

Das Gehirn arbeitet häufig im Autopiloten, während es gleichzeitig kognitive blinde Flecken verwendet. Das sind Situationen, in denen, du wieder einmal viel zu schnell ein Urteil fällst. Anstatt dich in die Sichtweise anderer Menschen zu versetzen und dich nur darauf zu beschränken, einfach da zu sein und dem Menschen, der vor dir steht, einfach nur ruhig zuzuhören.

Du gibst weder Raum noch Zeit. Darüber hinaus verwehrst du dem Menschen noch etwas viel Wertvolleres: dein Verständnis. Vielleicht bist du wieder einmal in diesem kognitiven blinden Fleck gefangen, in dem du dir deiner Vorurteile, unbegründeten Ideen und Fehlinterpretationen gar nicht bewusst bist. Manchmal dauert es Tage oder Wochen, bis du erkennst, dass bestimmte Dinge gar nicht so sind, wie sie zu sein scheinen.

Antizipiere nicht, bleibe stattdessen aufgeschlossen und vorurteilsfrei!

Versuche jedes Mal, wenn du mit jemandem sprichst oder dich in einer schwierigen Situation befindest, eine einfache Visualisierungsübung durchzuführen. Dazu benötigst du zwei sehr konkrete Bilder in deinem Gehirn. Das erste (Vorurteile oder Gedanken, die bedeutungslose Interpretationen vorwegnehmen wollen) schaltest du mit einem Schalter einfach aus.

Das zweite Bild ist einfach: Stelle dir vor, wie du ein Fenster öffnest. Das große Fenster ist dein Geist. Hell, immens und verbunden mit all den Wundern, die ihn umgeben. Dieses Gefühl sollte dich mit einer guten Portion Neugier, Perspektive und positiver Einstellung erfüllen.

Auf diese Weise kannst du wesentlich empfänglicher für andere Menschen sein. Du kannst sie mit all ihren Nuancen verstehen. Gleichzeitig wird deine Neigung, sie zu bewerten und Annahmen zu treffen, ausgelöscht. Allerdings erfordert dieser mentale Fokus natürlich Anstrengung und Engagement. Darüber hinaus kannst du dich dann aber auch von dem zusätzlichen Gewicht der Vorurteile und Urteile befreien, die dir überhaupt nicht dabei helfen, andere Menschen zu verstehen.