Beziehungssucht: Sklaven der emotionalen Gebundenheit

30. Juli 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Beziehungssucht - Bärenfalle mit Herz steht auf dem Boden.

Liebeskummer ist real und Opfer gibt es Tausende. Es gibt Beziehungssüchtige, die jeden Tag Selbstachtung und Würde gegen giftige, zerstörerische Gebundenheit eintauschen. Diese Menschen sind durch offensichtliche emotionale Unreife charakterisiert, die Liebe schnell in etwas Schmerzliches, Schädliches verwandelt.

Beziehungssüchtige bauen keine gesunden, glücklichen Beziehungen auf; sie finden sich in der Unterdrückung wieder. Im alltäglichen Leben gehen diese Beziehungen in Kreisläufe des Leidens über, in denen sie permanent ihre Werte, Prinzipien, Moral und Emotionen opfern.

Deswegen ist es, wie üblich bei Suchtverhalten, nicht leicht, diese Gewohnheit, getrieben von wildem Bedürfnis, abzulegen: dem Bedürfnis, Teil von jemand anderem zu sein, ihm zu Füßen zu liegen und sich dadurch vollständig, stark und erfolgreich zu fühlen. Wenn das Gehirn sich an dieses Verhalten gewöhnt, wird die „giftige Liebe“ zur Droge. Es ist sehr schwer, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Gefesseltes Herz liegt auf Leinenstoff.

Woran Beziehungssucht zu erkennen ist

Beziehungssüchtige sind nach außen hin wie alle anderen. Sie haben Karrieren, Interessen, Hobbies, Leidenschaft, Werte und Mängel. Der Punkt, um den es geht: Liebessucht entsteht nicht durch Alter oder Status; vielmehr kann sie uns alle treffen, ohne dass wir es merken. Vielleicht haben sogar unsere jetzigen Beziehungen suchtähnliche Züge.

Wenn wir jetzt darüber nachdenken, was eine romantische Beziehung ausmacht, realisieren wir ein paar Dinge. Zuallererst gibt es zwei Arten von Süchtigen. Die erste Art sind diejenigen, die zu jeder Zeit ihren Partner brauchen. Die Gedanken dieser Menschen können so zusammengefasst werden: „Das Wichtigste ist, überhaupt jemanden zu lieben, jemanden zu haben.“

Die zweite Art beschreibt die Süchtigen wie Tiere in einer Falle. Sobald sie eine Beziehung eingehen, sind sie gefangen. Sie können nicht weg, auch wenn es ihnen schadet, auch wenn es die tiefsten Grundzüge ihrer Würde verletzt.

Diese zwei Arten haben vieles gemein: Die Angst vor Einsamkeit, das Fehlen von ungetrübter Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen, die dauerhafte Suche nach Zuneigung und die Bestätigung durch andere. Sie beide neigen zu extremem Verhalten, um die Beziehung um jeden Preis zu retten; starker Frust macht sich breit, wenn es scheint, als würde alles schieflaufen.

Sternenbilder in Menschenform umarmen sich.

All diese Symptome ähneln denen von Suchtmittelmissbrauch. Das Gehirn braucht diese Dosis zwanghafter Gebundenheit, diesen Stoff, mit dem der Partner uns versorgt, selbst in betrügerischem, schädlichem Umfeld. Stück für Stück werden wir so unfähig, unser eigenes Verhalten zu kontrollieren. Es kann sogar Extreme erreichen: Angstattacken, Essstörungen, Selbstmordversuche …

Was können Süchtige dagegen tun?

Es ist sehr schwer, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn man eine Zigarette in der Hand hält. Ähnlich schwer ist es, eine suchtbasierte Beziehung aufzugeben, wenn man an denselben Idealen festhält. Das emotionale Nikotin zerstört unsere Selbstliebe.

Manche klagen in Therapien darüber, dass sie sich immer in die Falschen verlieben – die, die sie am meisten verletzten. Es scheint, als wäre das Gehirn darauf ausgerichtet, immer in dieselbe Falle zu tappen. Anstatt aus der Vergangenheit und den schlechten Erfahrungen zu lernen, finden sie sich wieder und wieder in derselben Situation. Wieso passiert das? Wieso ist es so schwer für Beziehungssüchtige, dieses Verhalten zu ändern?

Hauptsächlich deswegen, weil sie die Auswirkungen dieser emotionalen Abhängigkeit noch nicht verstehen. Weil sie verletzlich sind, geringes Selbstvertrauen haben und den Drang nach Zuneigung verspüren, auch wenn er nicht gesund ist. Sie müssen einfach ein paar grundlegende Aspekte mit sich selbst klären. Hier sind ein paar dieser Aspekte.

  • Es ist notwendig, die eigene Beziehungssucht und deren Konsequenzen zu erkennen. Seien wir ehrlich zu uns selbst und geben zu, wenn nicht alles glatt läuft. Öffnen wir unsere Augen und akzeptieren die Realität.
  • Wir müssen verstehen, dass der emotionale und physikalische Kern jeder Beziehung Respekt und Selbstachtung ist. Ohne diese beiden verdienen wir es nicht, jemanden zu lieben oder selbst geliebt zu werden, denn wenn wir etwas nicht respektieren, geht es kaputt und zerbricht.
  • Außerdem gibt es einen weiteren, grundlegenden Aspekt. Emotionale Gebundenheit kann sich durch das krankhafte Bedürfnis ausdrücken, um jeden Preis jemanden an unserer Seite zu haben, ungeachtet dessen, wen wir damit verletzen. Extreme Gebundenheit schadet und erniedrigt uns. Sie zerstört unser Potential.
  • Oftmals behandeln wir unsere Wünsche wie Bedürfnisse. Hinter dem Satz „Ich will geliebt werden“  verstecken sich andere Verlangen, die wir identifizieren und verstehen müssen. Wenn wir uns nach Anerkennung, Bestätigung oder Schutz gegen Einsamkeit um jeden Preis sehnen, brauchen wir nicht eine Geisel, die diese Dinge erfüllt. Wir selbst müssen uns darum kümmern.

Herzschloss hängt an Zaun.

Beziehungssüchtige müssen den Sprung wagen und sich die einfache Frage stellen: „Will ich schädliche Liebe oder emotionale Gesundheit?“  Wählen sie letzteres, gibt es nur einen Weg. Der mag am Anfang einfach aussehen, benötigt aber viel Arbeit an sich selbst. Diese Arbeit betrifft das Selbstvertrauen und einen stärkeren, mutigeren Sinn für die eigene Würde – einen, der hilft, sich frei zu machen und neue, positive Verbindungen einzugehen. Anstatt Geiseln gibt es dann freie Menschen, die sich bewusst dazu entscheiden, gemeinsam etwas aufzubauen.

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