Bist du süchtig nach Liebe?

18. November 2015 en Psychologie 92 Geteilt

Wir Menschen entwickeln Süchte, um uns vor unerträglichen und schmerzhaften Gefühlen wie Angst, Komplexen, Unsicherheit usw. zu schützen. Wir sehen sie als Ausweg und vermeiden somit, dass wir uns mit unseren Gefühlen, Schmerzen und Unbehagen auseinanderzusetzen.

Eine Sucht zieht in jeglicher Hinsicht negative Konsequenzen nach sich, auch wenn diese oft ignoriert werden. Das passiert vor allen Dingen in den ersten Momenten, in denen sich die schlechte Angewohnheit entwickelt.

Wenn jemand bemerkt, dass er von etwas abhängig ist, dann kann er die Sucht angehen und versuchen, sie zu bekämpfen, bei Familienangehörigen um Hilfe bitten oder sich professionelle Hilfe suchen. Es gibt jedoch viele Menschen, die es vorziehen, sich selbst zu helfen und dabei machen sie sich leider viel zu oft nur etwas vor.

Süchtig nach Liebe

Wer süchtig nach Liebe ist, so wie alle anderen Suchtopfer, bemüht sich sehr und ständig um die Person, die er liebt und nach der er süchtig ist. Diese Personen schätzen die Liebe des anderen mehr als sich selbst, sind von ihr abhängig und ihr Fokus auf den geliebten Menschen ist zwanghaft.

Die Sucht nach Liebe muss nicht unbedingt durch eine romantische oder sexuelle Beziehung ausgelöst werden. Man kann auch süchtig nach Liebe in Bezug auf seine Freunde, Kinder, Arbeitgeber, Vorbilder oder religiöse Figuren, und sogar auf Personen sein, die man nicht einmal kennt, wie bekannte Filmstars.

Woran erkenne ich, ob ich süchtig nach Liebe bin? Das Suchtopfer erwartet vom anderen, dass der seine Probleme lösen kann, denkt über die geliebte Person in jeder Lebenslage immer nur positiv und nimmt sie ihn Schutz. Das bedeutet, dass der Partner oder die andere Person denkt, dass der nach Liebe süchtige Partner auch der Mittelpunktes seines Lebens sei. Wenn er diesem irrealen Bedürfnis nicht nachkommen kann, können Liebessüchtige schnell beleidigt reagieren und das kann dann wiederum bei seinen Beziehungen zu anderen zu Konfliktsituationen führen.

Wenn sich ein Liebessüchtiger in einer Beziehung befindet, beschäftigt er sich so sehr mit ihr, bis er irgendwann an einem Punkt angekommen ist, an dem er sein eigenes Wohlbefinden komplett vergisst.

Woher kommt diese Sucht nach Liebe?

Menschen, die in ihrer Kindheit von den wichtigsten Bezugspersonen verlassen wurden, werden oft süchtig nach Liebe. Liebessüchtige Erwachsene sind häufig als Kinder in ihren damaligen Bedürfnissen, was Liebe und Beziehung anbelangt, von einem oder beiden Elternteilen vernachlässigt worden.

Dies kann sich im Erwachsenenalter dann besonders nachteilig auf das Selbstbewusstsein auswirken. Der Betroffene wird von der ständigen Angst begleitet, verlassen oder als nebensächlich betrachtet zu werden. Ihnm fehlt Nähe und Vertrautheit. Jemand, der regelrecht süchtig nach Liebe ist, verwechselt häufig die Intensität einer Beziehung mit Intimität.

Wie kann man sich von dieser Abhängigkeit befreien?

So wie bei jeder anderen Sucht auch liegt die Heilung eines Liebessüchtigen im Prozess der Selbstfindung und -wahrnehmung verborgen.

Hierzu bedarf es der Anwendung spezifischer Maßnahmen: mit dem Gefühl von Ablehnung und Sucht nach Anerkennung lernen abzuschließen, Herr der verheerenden Auswirkungen der Sucht werden und im Allgemeinen Maßnahmen ergreifen, um dem Teufelskreis der Sucht ein Ende zu setzen.

Als Letztes sollten Personen, die mit dieser Sucht kämpfen, sich mit ihren Verlustängsten auseinandersetzen, um den tiefliegenden emotionalen Schmerz verarbeiten zu können, der die Ursache der Sucht ist, von der sich der Betroffene befreien möchte. Dazu gehört beispielsweise die Auseinandersetzung mit Gefühlen aus der Kindheit, die die Sucht nach Liebe hervorrufen.

Heilung durch Besonnenheit

Im Gegensatz zu einer substanziellen Sucht, z.B. nach Alkohol, Kokain oder Tabak, ist die Sucht nach Liebe besonders schwierig, da wir alle einfach Liebe brauchen, um als gesunde und glückliche Menschen leben zu können.

Damit sich ein Liebessüchtiger selbst heilen kann, muss er lernen und verstehen, dass Liebe gesund ist. Nur so kann er seine Bedürfnisse nach einer intimen Verbindung befriedigen, ohne der Abhängigkeit zu verfallen.

Die Welt der Beziehungen ist nicht immer schwarz oder weiß. Auch wenn wir eine Beziehung beenden, sehnen wir uns nach einer gewissen Zeit wieder nach einer neuen. Wie kannst du also wissen, ob du in einer neuen Beziehung nicht wieder liebessüchtig wirst?

Der Schlüssel liegt in der Besonnenheit der Handlungsweise der Person, so wie z.B. der Wunsch ihr suchtgestörtes Verhalten zu beenden. In diesem Fall können Tag für Tag Maßnahmen ergriffen werden, die dem Betroffenen im Hinblick auf die Liebe dienen. Beispielsweise könnte sich der Liebessüchtige eine persönliche Liste machen, in der er von der Sucht geprägte Handlungen und Verhaltensweisen analysiert und sich dadurch bewusst wird, wogegen er ankämpfen muss.

Doch Besonnenheit definiert jeder anders. Die persönliche Definition hängt davon ab, wie sich die Sucht nach Liebe bei dem Betroffenen äußert. Nimm dir hierfür die Zeit, um die Verhaltensweisen und Handlungen zu definieren, die dich eventuell in diese Sucht reißen könnten. Wann beginnt der Kontaktverlust zu sich selbst? In welchen Situationen bist du dazu in der Lage, loszulassen?

Besonnenheit bedeutet für mich:

– Ich höre auf meine Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen.

– Ich gebe darauf acht, was ich mir wünsche und was ich brauche.

– Ich kümmere um mich selbst.

– Ich definiere die „gesunden“ Grenzen und handle auch danach.

– Ich bin mir darüber bewusst, was gerade im Moment um mich herum geschieht und was ich dabei für ihn/sie empfinde.

– Ich akzeptiere die Tatsache, dass ich allein für mein Glück, meine Sicherheit und andere Bedürfnisse verantwortlich bin (das bedeutet, dass ich weiß, wie ich um die angemessene Hilfe bitten muss).

– Ich kenne und schätze meine Stärken, ohne dabei meine Schwächen zu vergessen.

– Ich bestimme meine Umstände selbst, unabhängig davon, ob es mir gefällt.

– All diese Punkte sollen stets von Liebe und Respekt begleitet werden.

Da es auch Tage geben wird, an denen deine Besonnenheit auf eine harte Probe gestellt wird, versuche diese Lösungsvorschläge:

– Meditieren

– Etwas Inspirierendes lesen

– Schlafen

– Etwas Gesundes essen

– Yoga praktizieren

– In die Welt hinausgehen

Jede Art von Sucht ist eine Flucht vor der Realität. Eines der Schlüsselmerkmale der Besonnenheit ist, dass sie uns auf den Weg der Selbstfindung zurückführt.

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