Zerstörerische Beziehung: Warum lösen wir uns nicht?

· 25. März 2018

So sehr du auch versuchst, deinen Kurs zu wechseln, du endest immer wieder in Beziehungen mit derselben Art von Mensch. Mit Personen, die dich mit so viel Unbehagen überschwemmen, dass man euer Verhältnis zueinander nur als eine zerstörerische Beziehung bezeichnen kann. Aber hast du dich jemals gefragt, warum du Leute anziehst, die nicht zu dir passen? Ist das einfach Pech? Auf keinen Fall. Was dir passiert, hat einen Namen und ist bekannt als der Teufelskreis der Retraumatisierung.

Wenn wir bei der Partnerwahl ständig gleiche Entscheidungen treffen, hat das eine bestimmte Ursache. Es ist nicht so, dass die Personen zu uns kämen, sondern dass wir sie aus irgendeinem Grund auswählen und anziehen. Anstatt sie aufzuhalten, laden wir sie ein, in unser Leben zu treten. Etwas an ihnen zieht uns an, obwohl wir ahnen, dass sich unsere Geschichte wiederholt …

Jeder erfährt die Liebe, von der er denkt, dass er sie verdiene. Jeden ereilt das Schicksal, von dem er glaubt, dass er es verdiene. Und jeder führt das Leben, von dem er denkt, dass er es verdiene.

Was übersehen wir in der Verliebtheitsphase? In welche Falle tappen wir immer wieder, wenn wir jemanden treffen? Um die Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen wir nicht nur beobachten, wie wir uns verhalten, wenn wir jemanden kennenlernen, sondern müssen auch einen Blick auf unsere Kindheit werfen. Denn aus irgendeinem Grund wiederholen wir unsere Vergangenheit und erschaffen noch einmal, was uns in einem anderen Moment verletzt hat.

Die Geschichte von Laura und ihren zerstörerischen Beziehungen

Laura ist eine junge Frau, die im Alter von 18 Jahren begann, ernste Liebesbeziehungen zu führen. Sie hatte ein geringes Selbstwertgefühl, aber durch soziale Netzwerke und Chats bekam sie das aufbauende Gefühl, dass andere Menschen sie bemerkten. Tatsächlich verliebte sie sich in den ersten Jungen, der ihr Beachtung schenkte. Obwohl er sie im ersten Moment äußerlich nicht ansprach, glaubte sie, dass sich dies im Laufe der Zeit ändern konnte.

Silhouetten vor einer Stadt

Dieser Junge hat Laura allerdings betrogen. Sie entdeckte mehrere Nachrichten von anderen Mädchen auf seinem Handy. Sie schrieben Dinge wie „Ich hatte eine sehr schöne Zeit“. Laura aber sagte nichts, bis sie das Schweigen schließlich nicht mehr aushielt. Die Beziehung war am Ende, doch bevor sie Schluss machte, hatte sie bereits eine andere Person, mit der sie ausging. Jemanden, der verheiratet war und mit dem sie ihren Partner, der sie selbst betrog, hintergehen konnte.

Lauras Beziehungen waren allesamt katastrophal, doch sie war süchtig nach Gesellschaft. Sie nahm sich nie die Zeit, um allein zu sein, und begann Beziehungen mit Personen, die sie nicht einmal mochte. Es war keine Liebe, die sie fühlte, sondern das Bedürfnis nach Bestätigung. Sie suchte jemanden, um nicht allein sein zu müssen.

“Zerstörerische Beziehungen sind unendlich.”

Bibiana Faulkner

Alle Beziehungen von Laura waren destruktiv und umfassten ähnliche Ereignisse, die sich auf stets gleiche Weise aneinander reihten. Die Personen, mit denen sie eine Beziehung begann, waren verheiratet oder untreu. Das heißt, Laura warf sich in Beziehungen, in denen sich ihre Partner von ihr entfernten, sie allein ließen. Sie ersetzten sie durch eine andere Person, sie betrogen sie und logen … Wo konnte all das herkommen?

Schauen wir in die Vergangenheit: Laura erlebte, wie ihr Vater ihre Mutter betrog. Diese ließ den Betrug zu und hinterging ihren Mann ebenfalls. Ihre Eltern wollten sich trennen, blieben aber schlussendlich doch zusammen, bis sie sich nach 20 Jahren des Leidens endgültig scheiden ließen. Die Mutter fühlte sich immer betrogen und allein, so als ob sie „die Andere“ wäre. Ihr Vater betrog die Mutter ständig und führte ein Doppelleben. Er hatte sogar einen Sohn aus einer seiner anderen Beziehungen.

Den Teufelskreis der Retraumatisierung durchbrechen

Laura war sich nicht bewusst, wie sehr ihr familiäres Umfeld sie beeinflusst hatte. In ihren Beziehungen wählte sie Partner, die ihrem Vater ähnelten. Auf irgendeine Weise durchlebte sie noch einmal diese Einsamkeit, das Gefühl „die Andere“ zu sein, und die Ängste ihrer Kindheit.

Immer wieder das gleiche Unglück anzuziehen ist ein Warnsignal, dass uns auf das hinweist, was mit uns passiert, und uns auffordert, dementsprechend Entscheidungen zu treffen. Es wird uns nichts nützen, anderen die Schuld für das zu geben, was uns geschieht. Wir sind für unser eigenes Leben verantwortlich und nur wir können entscheiden, auf welche Weise wir es leben wollen.

Paar aus Glas

Dies ist keine einfache Situation. Laura zum Beispiel hätte sich auch für den extremen Weg entscheiden können, auf dem sie allein geblieben wäre, um nicht auf Personen zu treffen, die ihr schaden. Dabei hätte sie jeden potenziellen Partner zurückweisen müssen, hätte aber so zumindest das bisherige Muster durchbrochen. Dennoch hätte sie das sehr eingeschränkt und wahrscheinlich nicht glücklich gemacht.

Deshalb ist es wichtig, nicht in die Extreme zu verfallen. Das Gleichgewicht finden, erkennen, was unsere Fehler sind und was uns dazu bringt, zerstörerische Beziehungen zu führen – darum geht es. All das ist von großer Bedeutung, um bereichernde Beziehungen aufbauen zu können.

Zerstörerische Beziehung höhlen dich aus, sie brauchen dich auf und rauben dir all deine Kraft. Du weißt jedoch nicht, dass du diese Entwicklung mit einer einzigen Entscheidung anhalten kannst. 

Man kann zerstörerischen Beziehungen entkommen. Wir müssen uns nur des Traumas bewusst werden, das uns umgibt und uns kennzeichnet. Unser Ziel muss es sein, es zu überwinden. Wir dürfen uns nicht die Schuld geben, uns nicht als Opfer fühlen und nicht anpassen. Mit einer Entscheidung können wir den bisherige Kurs ändern.

Aber sind wir bereit, uns der Angst zu stellen, die die Veränderung mit sich bringt?