Ausweg aus der Depression

· 28. Februar 2016

„Tätigkeit ist, was den Menschen glücklich macht.“

Johann Wolfgang von Goethe

Wir begehen häufig den Fehler, zu denken, dass wir immer Lust haben müssen oder motiviert sein müssen, um ein Projekt zu Ende zu führen und Tätigkeiten zu verwirklichen. Wenn wir jedoch nicht motiviert sind, dann ziehen wir es vor, alles auf später zu verschieben, wenn wir wohl wieder mit mehr Elan bei der Sache sind.

Dieser Gedanke ist letztendlich eine Falle, vor allem für Personen, die in einem depressiven Gemütszustand sind. Motivation kommt nur von ständiger Aktivität und nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass die Aktion vor der Motivation kommt.

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Diese Erkenntnis wurde vor einigen Jahren erlangt, genauer gesagt in den neunziger Jahren, und zwar dank einer Studie über die Wirksamkeit der kognitiven Therapie von Beck, welche von Jacobson, Dobson und deren Mitarbeitern durchgeführt wurde.

Das Interessanteste daran war, herauszufinden, dass Verhaltensaktivierung an sich so effektiv war wie eine vollständige kognitive Therapie und auch wie eine medikamentelle Behandlung mit Antidepressiva.

Deshalb würde man von diesem Standpunkt aus einen depressiven Gemütszustand nicht als Krankheit ansehen, sondern als eine negative Situation ohne Anreiz und Energie, in der die Person sich befindet.

Das Ziel wäre, dass die Person mithilfe der Aktion feststellt, dass es unendlich viele Personen, Situationen, Orte, Momente, Erfahrungen gibt, die ihr helfen können, die Sicht auf das Leben zu verändern und ihr die Freude wiederzugeben.

Das Problem ist jedoch, dass eine Person mit Depression zu grundlegender Vermeidung neigt und damit zum genauen Gegenteil. Sie hört auf, auszugehen, die Aufgaben oder Tätigkeiten zu verwirklichen, die ihr vorher zufriedenstellend erschienen, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Dies bewirkt nichts, außer Traurigkeit, Apathie und negativer Gedanken über sich selbst, sodass sie beginnt, sich die Zukunft in den dunkelsten Farben zu malen.

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Wenn mir irgendetwas nicht gefällt oder ich keine Lust habe, fange ich an, träge zu leben, vermeide gar zu leben und mein Umfeld zu genießen. Klar, dass sich dadurch mein Gemütszustand unmöglich verbessern kann. Ebensowenig kann ich positiv über mein Leben denken, weil ich mir selbst nicht die Möglichkeit gebe, die Anreize des Lebens kennenzulernen, die wirklich da draußen sind und mich erwarten.

Sich selbst zu animieren ist der Schlüssel, um seinen emotionalen Zustand zu verbessern, weil es den Teufelskreis der Depression durchbricht und dafür sorgt, dass man aus dieser Falle herauskommt. Dadurch fängt man an zu sehen, dass es neben all der Ungerechtigkeit und den Widrigkeiten auch Freuden und Vergnügen im Leben gibt.

Hiermit versuchen wir nicht, depressive Personen von einem Tag auf den anderen zu motivieren, eine Party zu feiern. Das Ziel ist es, den Alltag mit realistischen und bestärkenden Tätigkeiten zu füllen, die die Person sich selbst zutraut. Es macht keinen Sinn, Aktivitäten vorzuschlagen, die der Person nicht helfen, weil sie nicht motivieren, sich neue Ziele setzen.

Später, wenn die Person aus der Passivität herausgetreten ist, kann man anstrengendere und fordernde Tätigkeiten angehen und sogar solche, die die Person nie zuvor gemacht hat, auf die sie aber Lust hat.

Bei dem Versuch, regelmäßige Aktivitäten zu unternehmen, tritt häufig das Problem auf, dass die Person eben wegen ihrer Depression die Tätigkeiten nicht ausführen kann. Sie fühlt sich nicht in der Lage dazu, glaubt, dass es nichts nützt und keinen Mehrwert hat.

Außerdem kann es passieren, dass die Person erwartet, die Aufgabe perfekt auszuführen, und sich selbst bestraft und schuldig fühlt, wenn das nicht gelingt.

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In diesem Sinne ist es wichtig, dem Betroffenen zu verdeutlichen, dass solche Gedanken sein Verhalten beeinflussen und das Resultat seiner negativen Ansichten sind. Deshalb muss er trotz der negativen Gedanken weiterhin versuchen, aktiv zu sein, und auch wenn das große Anstrengungen verlangt, wird die Belohnung sein, dass er nach und nach aus dem depressiven Zustand heraustritt.

Die Depression ist ein Teufelskreis, in dem die Person unaufhörlich ihre Bahnen zieht, bis sie es schafft, auszusteigen. Die Verhaltensaktivierung wird als ein Ausgang aus dieser Spirale angesehen, als ein Tor, das zur Wiederentdeckung der Wohlgefühls und des Glücks führt.