Der Dämon der Depression

· 4. Januar 2016

„Was passiert gerade?
Die Traurigkeit verwandelt sich gerade in etwas wie den Hass,
aber nicht gegen sie,
sondern mit meiner gesamten Umgebung
habe ich mich flüchtig und instabil gemacht.
Jetzt sehe ich mit Verachtung den Menschen an.“

Jordan Cortes

Andrew Solomon ist Schriftsteller und Psychologie-Professor und anerkannter Expertet zum Thema Depression. In seinem letzten Buch Saturns Schatten. Die dunklen Welten der Depression (im englischen Original: The Noonday Demon: An Atlas of Depression) zeigt er uns seine Sicht auf die Krankheit.

Um sein Buch zu schreiben, interviewte er fünf Jahre lang verschiedenste Person, die an Depression litten, und erzählt außerdem seine eigene, ganz persönliche Erfahrung, da er selbst an der Krankheit gelitten hatte. Er gewann damit den National Book Award und war für den Pulitzer-Preis nominiert.

Solomon definiert die Depression als „Riss der Liebe“, als einen Riss, der sich schließt, der vernarbt und der durch einen bestimmten Grund verursacht wird: eine Trennung, den Verlust eines geliebten Menschen, Schwierigkeiten auf der Arbeit…

Wenn dieser Riss der Liebe auftritt, schwächt er die Person in ihrem innersten Teil, indem die Fähigkeit, Zuneigung zu geben und zu erhalten, ausgestellt wird. Bei einer Depression zeigt sich eine innere Einsamkeit, weil nicht nur die Beziehungen zu anderen Menschen zerstört werde, sondern auch die Beziehung zu sich selbst, behauptet Solomon.

Sicher ist, dass die Depression wie fast alles im Leben von der Person abhängt. Während es Personen gibt, die in die Depression wegen sehr starker Auslöser fallen, wie zum Beispiel durch den Verlust eines Kindes, können andere Menschen wegen anscheinend nichtiger Gründe krank werden.

Unabhängig vom Grund treffen wir in der Depression auf ein viel offensichtlicheres Bedürfnis, zu lieben und im Einklang mit der Umwelt zu leben, als dies bei anderen Personen der Fall ist. Dem steht entgegen, dass die Fähigkeit, zu lieben, nicht mehr vorhanden ist. Solomon drückt es folgendermaßen aus: „Wenn jemand sich in einer Depression befindet, benötigt er die Liebe der anderen, aber die Depression begünstigt Handlungen, die diese Liebe zerstören.“

Wenn es für Andrew Solomon etwas gibt, das die Depression charakterisiert, dann ist es die Unfähigkeit, zu lieben, und die totale Erschöpfung, was bedeutet, nicht in der Lage zu sein, zu handeln, Appetitlosigkeit sowie Mangel an Zuneigung und an Willen.

Es gibt weitere Symptome, die unentdeckt bleiben können, aber die uns in einigen Fällen auf die Präsenz dieser Krankheit hinweisen können. Andrew Solomon zählt uns davon zehn auf:

1. Mehr zu trinken als gewöhnlich. Alkoholkonsum ist häufig eine der am weitesten verbreiteten Taktiken, um den Schmerz zu bekämpfen. Alkohol ist dann ein Versuch, die auftretenden Probleme zu lösen.

2. Davon besessen sein, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Du versuchst, alle Welt zu verführen, um deine Depression zu bekämpfen und um dich nicht allein zu fühlen.

3. Sich streiten. Du bist dauerhaft in der Defensive. Dies ist nicht mehr als eine Art und Weise, dein Gefühl der Wehrlosigkeit zu bekämpfen.

4. Nichts zu fühlen. Um dich nicht traurig zu fühlen, versuchst du, jede Art von Gefühlen zu vermeiden, als ob du ein Zombie wärest. Letzten Endes wird es darauf hinauslaufen, dass du dich von allen anderen entfernst.

5. Dich nicht in die Arbeit einzubringen. So sehr du dich auch anstrengst, du schaffst es nicht, einen guten Arbeitsrhythmus beizubehalten.

6. Konzentrationsmangel. Du denkst dauernd an andere Dinge, du kommst durcheinander, du vergisst Dinge.

7. Alles entgleitet dir. Nicht, dass du es absichtlich anstrebst, aber während die anderen versuchen, dich zu animieren, gleitest du an allem vorbei. Die Dinge verlieren ihre Wichtigkeit für dich.

8. Viel auszugehen. Du versuchst, vor deiner Depression zu fliehen, indem du zu jeder Art von Veranstaltung gehst, obwohl du dich nicht einmal amüsierst.

9. Du lachst und weinst wegen jeder Kleinigkeit. Du reagierst maßlos bei jeder alltäglichen Sache, bei guten wie bei schlechten Dingen. Du bewegst dich in einer dauerhaften emotionalen Instabilität.

10. Du bist kerngesund. Du versuchst, alles zu tun, weil du dich unbesiegbar fühlen möchtest, während in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist.

Was kann uns helfen, die Depression zu überwinden?

  • Uns mit Menschen zu umgeben, die uns lieben.
  • Gut zu schlafen.
  • Gesunde Ernährung und sportliche Betätigung.
  • Die vorgeschriebene Medikamentierung durch einen Arzt.
  • Eine Psychotherapie.
  • Andere Alternativen wie die Homöopathie, Hypnose, Literatur oder Musik.

Auch wenn Andrew Solomon behauptet, es gebe Ratschläge, die man allen Menschen geben könne, muss man beachten, dass jeder von uns anders ist, weshalb die Art und Weise unterschiedlich ist, wie wir uns der Depression stellen können.

Wir können sogar versuchen, die andere Seite der Depression zu sehen. Wir können uns darin vertiefen, beobachten und bewerten, was sie uns lehrt. Solomon erzählt uns, dass ihm dies geholfen hat, Mensch zu sein und zu verstehen, wie der Geisteszustand all das beeinflusst, was wir erleben.

Wie kann man einem Angehörigen helfen, der an Depressionen leidet?

Die Depression ist die Krankheit der Traurigkeit, welche die Interaktion mit anderen Menschen in stressige Situationen verwandelt.

Wenn wir etwas tun können, dann, sie nicht allein zu lassen. Ein depressiver Mensch muss auf diese oder jene Weise unsere Anwesenheit spüren. Wir können mit ihm reden, oder wenn er nicht reden will, können wir an seiner Seite sein, oder wenn er uns nicht an seiner Seite haben will, können wir ihm sagen, dass wir im Nachbarzimmer sind.

Jeden seiner Versuche zu loben, egal wie klein sie sein mögen, ihm zu helfen, ein gesundes Leben zu führen und seine Stressquellen zu entdecken, ebenso wie Informationen über Depression und deren Behandlung zu suchen, sind nur einige Dinge, die du tun kannst, um deinen depressiven Angehörigen zu unterstützen.

Und denk daran: Auch wenn die Depression nicht durch Liebe geheilt wird, ist es für den erkrankten Menschen die größte Hilfe, sich von anderen geliebt zu fühlen, um mit Motivation weiterhin zu versuchen, die Krankheit zu überwinden.