Ausmalen, eine therapeutische Genugtuung

· 28. Januar 2016

Ausmalen, der simple Akt des Einfärbens nackter Oberflächen, ist mehr als nur die Absicht, etwas Neues zu schaffen. Es ist eine Übung zur Befreiung, zur Verbindung mit unserem Innern.

Wahrscheinlich verbindest du die Übung des Ausmalens mit deiner Kindheit. Der Geruch nach Buntstiften und diese Bilder, bereit zum Lebendig werden, sind ohne Frage Teil unserer geliebten Vergangenheit.

Eventuell interessiert es dich, dass diese Kunst in den vergangenen Jahren zu mehr als nur einer an Kinder gerichteten Hausaufgabe geworden ist. Ausmalen ist zu einer therapeutischen Übung geworden und wird in verschiedenen Arten von Rehabilitationsprogrammen zur Behandlung von Störungen und Krankheiten eingesetzt.

Und dabei ist es nicht geblieben: Außerhalb von Kliniken ist das Ausmalen ebenfalls in Mode gekommen und es wurden zahlreiche Ausmalbücher, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, veröffentlicht.

Und der Zweck des Ganzen? Man nennt es Anti-Stress-Kunst, aber in Wirklichkeit ist es viel mehr als das.

Bilder ausmalen bedeutet, unseren Geist in Fantasiewelten zu führen, magische Welten, in denen man für eine Weile Abstand von Alltagsproblemen nehmen kann und die simple Tätigkeit genießen kann, eine Reihe komplexer Bilder auszumalen.

Junge Autoren wie Johanna Basford stoßen heutzutage mit ihren Büchern auf sehr positive Resonanz. Zwei ihrer Bücher, „Secret Garden“  und „Enchanted Forest“ ,  sind Beispiele eines editorialen Erfolges, durch den Millionen von Erwachsenen sich von dieser therapeutischen und befreienden Kunst haben mitreißen lassen.

Eichhörnchen und Fuchs

Ausmalen, eine sehr wohltuende klinische Therapie

Auch wenn der neueste Erfolg dieser Art von Büchern auf ein neues Publikum zurückgeht, das nur die Einfachheit der Kunst des Zeichnens und des Malens genießen möchte, hat die Übung des Ausmalens bereits seit langer Zeit einen hohen Stellenwert im Bereich der kognitiven Rehabilitation.

-Menschen mit verschiedenen Arten von Demenz oder neurologischen Krankheiten können von dieser Übung, die die psyschomotorische Koordination oder die räumliche Orientierung verbessern, sehr profitieren.

-Es ist eine einfache Übung, die bei der Person einen Zustand innerer Ruhe und die Entwicklung grundlegender kognitiver Prozesse wie die Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe, die Kreativität und die Motivation, fördern.

Sie schafft eine innere Verbindung, durch die der Geist für einen Moment die Außenwelt hinter sich lässt, um sich vorübergehend dieser persönlichen Dimension hinzugeben, um Gefühle mithilfe von Farben zu verarbeiten und sich von Angst oder Stress zu befreien.

-Kinder mit verschiedenen Arten von Bedürfnissen oder Störungen können zum Beispiel vom Ausmalen von Mandalas profitieren, eine auf psyschopädagogischem Niveau bereits sehr hoch angesiedelte Aufgabe.

Ausmalen ist eine stille Tätigkeit, bei der man innere Poesie ausübt, man sich einer Vielzahl an Gefühlen hingibt, und bei der die Welt für kurze Zeit harmonisch erscheint. Jeder kann von dieser Übung profitieren.

Ausmalen, eine stille Tätigkeit alltäglicher Befreiung

Warum nicht? Anhänger dieser Kunstform beschreiben das Ausmalen als eine sehr entspannende und genussvolle Übung.

Mandalas

Schon allein die farblosen Seiten auzuschlagen, auf denen wir eingeladen werden, in komplexe Fantasiewelten einzutauchen, kann sehr aufregend sein.

Manche verwenden einen Filzstift, andere Buntstifte oder Wachsmalstifte. Egal wie sie malen, in ihrer Meinung stimmen sie alle überein: es handelt sich um eine Kunstform, durch die man auf einfachste Weise mit Stress umgehen kann, weil sie uns Folgendes bietet:

-Während des Ausmalens verwenden wir beide Gehirnhälften, wir steuern die Vorstellungskraft mit der logischen, die Präzision mit der erfinderischen und die Konzentration durch innere Befreiung.

-Man muss sich nicht unbedingt vom Stress befreien wollen, um mit dem Ausmalen anzufangen. Das heißt, nicht das Leben eines jeden, der diese Bücher kauft, ist von Druck oder Angst bestimmt. Auf keinen Fall! Die meisten Menschen malen wegen der Ästhetik und weil das Malen ihre künstlerische und kreative Seite anspricht, die jeder von uns hat.

-Jeder Mensch hat irgendwelche Probleme und wird deshalb in die Bilder eintauchen können, oder auch einfach nur weil man neugierig ist oder sich für Kunst begeistert. Egal was die Beweggründe sind, bezüglich der positiven, entspannenden Effekte, herrscht Übereinstimmung.

Manchmal, wenn andere Therapieformen versagen, ermöglichen Übungen wie Ausmalen der Person für einen kurzen Moment die Unabhängigkeit zu genießen. Diese mit unserem Inneren geschaffen Verbindung kann eine sehr reinigende Übung sein.

Ein Fun-Fact: Carl Gustav Jung übte sich in der Kunst des Ausmalens von Mandala. Für ihn hatten die kreisförmigen Bilder eine heilende Wirkung auf seine Seele. Deshalb beinhalten die meisten der heutzutage verkauften Bücher immer faszinierende Illustrationen, in denen Kreisformen enthalten sind.

Wenn jemand zeichnet oder malt, trainiert er seinen Geist. Zuallererst suchen wir Informationen, wir verinnerlichen die Zeichnung, und daraufhin suchen wir nach unseren persönlichen Vorlieben Farben aus. Und während wir dies tun, meditieren wir, organisieren unsere Ideen und befreien uns von Spannungen. Kann es etwas Schöneres geben?