Ausgeglichenes Denken: eine Perspektive im Einklang mit der Welt

· 12. August 2018

Ausgeglichenes Denken ermöglicht es uns, über die Welt nachzudenken, ohne viele Filter zu verwenden, was uns Verzerrungen vermeiden lässt. Außerdem hilft es uns, authentisch zu bleiben und uns nicht in Vorurteilen zu verlieren. Das Akzeptieren und Praktizieren eines solchen Ansatzes führt uns dazu, ein breites Spektrum an negativen Elementen hinter uns zu lassen. Diese reichen von Angst bis zu den Spiralen der Entmutigung, die uns manchmal gefangen nehmen können.

Wenn wir das Wort „ausgeglichen“ hören, kommen uns verschiedene Ideen in den Sinn. Eine von ihnen ist ohne Zweifel das klassische Bild der Person auf einem Drahtseil, die hoch in der Luft steht und versucht, nicht hinunterzufallen. Mit Geschick und Geduld geht sie langsam vorwärts und versucht, nicht in den Tod zu fallen. Ihr Gleichgewicht, weit von ihren Füßen entfernt, kann tatsächlich in ihrem Geist gefunden werden. Dieses Bild könnte passender nicht sein.

„Glück ist keine Frage der Intensität, sondern des Gleichgewichts, der Ordnung, des Rhythmus und der Harmonie.“

Thomas Merton

Wie ein Seiltänzer

In unserem Alltag befinden wir uns oft in der gleichen Situation. Unsere Realität ist manchmal chaotisch, anspruchsvoll, komplex und sogar schmerzhaft. Das Leben ist das Drahtseil und wir sind die Akrobaten, die ihre Balance halten müssen, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Ausgeglichenes Denken ist der Schlüssel dazu, denn damit finden auch unsere Emotionen Ruhe. Unsere „Füße“ finden Halt, um ein konkretes Ziel zu erreichen.

Man kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass es nicht einfach ist, dies umzusetzen. Unser Gehirn funktioniert im Wesentlichen unbewusst, über automatische Prozesse. Diese mentalen Abkürzungen ergeben sich oft aus Vorurteilen, einschränkenden Einstellungen und starren Schemata, die uns zuweilen zu Extremen führen. Darum müssen wir wieder die Kontrolle über unser Wesen übernehmen, um Flexibilität und das magische Gleichgewicht zu finden, das (fast) alles neu ordnet.

Mädchen balanciert auf einem Drahtseil

Ausgeglichenes Denken: Ruhe inmitten von Ungewissheit finden

Vor einigen Jahren wurde im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Deutschland) eine interessante Studie durchgeführt. Gruppen von Patienten mit Depressionen und Zwangsstörungen wurden zusammengeführt. Diese Patienten wurden in ein einjähriges metakognitives Trainingsprogramm aufgenommen. Das Ziel war konkret, aber auch herausfordernd: diese Menschen dazu zu bringen, Unsicherheit zu tolerieren, kognitive Verzerrungen zu reduzieren, sie zum Nachdenken über ihre eigenen Gedanken anzuregen und ihre Denkprozesse zu verbessern.

Das Ergebnis dieser Studie war sehr positiv, so sehr, dass die Dosierung der Medikamente in vielen Fällen reduziert werden konnte. All dies lädt uns ein, mit dem klassischen Satz „bessere Gedanken führen zu einem besseren Leben“ zu schließen. Ausgeglichenes Denken ist wirklich eine sehr nützliche Art und Weise, in sich selbst zu investieren, und eine unermessliche Hilfe bei der Konfrontation mit mentalen Mustern, die uns in schwarzen Löchern oder den bereits genannten Abwärtsspiralen gefangen halten.

Betrachten wir nun, welche inneren Prozesse unsere Lebensqualität mindern.

Viele unserer Gedanken sind verzerrt

Unsicherheit, ständige Besorgnis und Ängste wirken wie negative Anker. Wir wenden sie fast unbemerkt an, konzentrieren uns auf das, was passieren wird, auf die Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, auf die schlimmsten Szenarien, die wir uns vorstellen können … Dieses kognitive Muster basiert oft auf der Art von ausgefeilter und unerbittlicher mentaler Technik, auf verzerrten Gedanken. Darunter finden wir die folgenden, die wir in unserem Alltag häufig anwenden:

  • Filtern: Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf negative Details, um sie zu intensivieren.
  • Polarisiertes Denken: In unserer Realität gibt es kein Mittelmaß. Alles ist gut oder schlecht, schwarz oder weiß.
  • Übergeneralisierung: Aus den kleinsten und unbedeutendsten Gegebenheiten können wir enorme und dramatische Schlüsse ziehen.
  • Katastrophale Aussichten: Nichts Gutes wird jemals passieren. Egal, was wir tun, alles wird schiefgehen!
  • Personalisierung: Jedes zufällige Ereignis oder sogar alles, was wir tun, denken oder anderen sagen, hat mit uns zu tun.
  • Emotionales Denken: Was wir fühlen, ist das, was uns ausmacht. Wenn wir uns wie ein Versager fühlen, dann ist das so, weil wir wirklich ein Versager sind.
Frau mit Wolke aus negativen Gedanken über dem Kopf

Unter Berücksichtigung dieser Denkmuster ist es möglich, dass einige von uns sich fragen, was sie tun müssen, um es zu beheben. Müssen wir in die entgegengesetzte Richtung gehen und „positiv denken“? Nun, so seltsam es scheinen mag, das ist auch nicht die Lösung. Es geht nicht darum, extremen Positivismus zu demonstrieren oder sich selbst zu sagen, dass „alles gut wird“.

Wenn wir versuchten, das zu tun, würden wir anders verzerrtes Denken anwenden. Es geht also nicht darum, ins Extreme zu gehen, nur an das Gute oder Schlechte zu denken. Der Akrotbat behält einen kühlen Kopf, macht einen Schritt nach dem anderen und übernimmt die volle Verantwortung für sich selbst. Er behält seine Umgebung mit Aufmerksamkeit und Objektivität im Auge.

Wie wir ausgeglichenes Denken anwenden

Ausgeglichenes Denken im Alltag reduziert nicht nur das Risiko von Stress, Ängsten oder Depressionen. Ausgeglichenes Denken verbessert auch unser Zusammenleben, weil es uns hilft, Vorurteile, Egoismus und Fanatismus zu vermeiden.

Eine ausgeglichene Denkweise hilft uns, viele innere Fallen zu entschärfen, die uns daran hindern, ein erfülltes Leben zu führen. Wir können uns selbst ein bisschen mehr lieben und auch die Menschen um uns herum respektieren. Lasst uns also lernen, wie man diese Art des Denkens einsetzt.

„Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um das Gleichgewicht zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“

Albert Einstein

Ausgeglichenes Denken, symbolisiert durch einen Mann im Bücherkreis

  • Der erste Schritt ist, ruhig zu bleiben. Manchmal leben wir in Eile, weil wir uns daran gewöhnt haben, auf Autopilot maximale Produktivität zu erreichen. Diese Art von Leben verstärkt die Entstehung von „unausgeglichenen“ Gedanken. Das heißt, sich ohne zu denken mitreißen zu lassen, ohne nachzudenken, zu sehen oder zu schätzen … Verlangsamen wir uns und gönnen wir uns Momente der Stille und Ruhe.
  • Der zweite Schritt ist, keine Annahmen zu treffen. Dies zu erreichen, mag ein wenig schwierig sein, aber versuchen wir, es zu vermeiden, vorschnelle Urteile zu fällen und Leute einen Stempel aufdrücken. Dadurch kann die Arbeit schneller erledigt werden. Aber es erhöht auch unsere Fehlerquote.
  • Hören wir auf, uns selbst zu sabotieren. Sagen wir nein zur Verzerrung der Realität und dazu, immer das Opfer zu sein. Respektieren wir uns selbst, arbeiten wir an unserem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, und wir werden Gelegenheiten sehen, wo wir zuvor nur geschlossene Türen erblickten.
  • Akzeptieren wir Unsicherheit. Eine ausgeglichene Denkweise toleriert Unsicherheit, weil sie weiß, dass nicht alles, was vor ihr liegt, schlecht ist. Wie auch immer, wenn es anders kommt, als geplant, haben wir die richtigen Strategien, um uns dem zu stellen.
  • Verzerren wir nicht die Realität, lernen wir, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Seien wir nicht besessen davon, wie es uns gefällt. Seien wir empfänglicher und bescheidener.
  • Setzen wir mehr Vertrauen in andere. Schließen wir nicht jene aus, die anders denken als wir. Fühlen wir uns niemandem überlegen oder unterlegen. Üben wir Akzeptanz und lassen wir alte Ressentiments beiseite.

Abschließend sei gesagt, dass wir uns bewusst sind, dass eine ausgewogene Denkweise nicht einfach anzuwenden ist. Das bedeutet, dass wir unser Wesen umstrukturieren, Mauern niederreißen, Ansätze korrigieren und uns ein wenig „freier“ machen müssen, wenn wir ausgeglichenes Denken anstreben. Setzen wir uns dieses Ziel als tägliche Übung. Lernen wir, einen ruhigeren, aufnahmefähigeren und ausgeglicheneren Ansatz zu wählen.