Asiatische Weisheit: die Tiefe und der Hintergrund

6. Oktober 2018

„Die Tiefe“ und „der Hintergrund“ sind Begriffe, die in verschiedenen orientalischen Philosophien asiatischer Weisheit auftauchen. Man ist dabei der sogenannten „Psychologie der Selbsterkenntnis“ gewichen. Nach diesem Konzept sind die verschiedenen Ebenen des Bewusstseins und ihre Wechselwirkungen untereinander wichtig. Es herrscht der Glaube, dass, wenn diese Ebenen erobert würden, ein Zustand des Wohlbefindens erreicht würde.

Das ist streng genommen keine Erkenntnis wissenschaftlicher Forschung, aber dennoch sind die Ähnlichkeiten asiatischer Weisheit mit westlichem Wissen interessant. Das gilt umso mehr, da viele dieser Konzepte Jahrtausende alt sind. Deshalb ist es faszinierend, dass sie so eng mit dem verwandt sind, was in der westlichen Welt als Schule der Psychologie bezeichnet wird und erst in den letzten Jahrhunderten entstanden ist.

„Das Bewusstsein ist die Stimme der Seele. Leidenschaften sind die Stimme des Körpers.“

William Shakespeare

Hier wie dort nimmt das Bewusstsein einen wesentlichen Platz ein. Das Endziel sowohl im Orient als auch im Okzident ist ein höherer Bewusstseinsgrad. Die implizite Idee wird geteilt, dass Unwissenheit die Quelle von Fehlern und Unglück sei. Aus diesem Grund vermutet man das Wohlbefinden in der Selbsterkenntnis, seinen Ausdruck im Bewusstsein. Schauen wir uns das genauer an.

Formen und Leben in der asiatischen Weisheit

Objekte, Orte und Situationen, mit denen wir uns ständig konfrontiert sehen, entsprechen dem, was wir im Westen „Wahrnehmung“ nennen. Der Kontakt mit der Realität erfolgt hier über die Sinne. Für die sogenannte „Psychologie der Selbsterkenntnis“ ist die Welt der Formen allerdings eine Welt des Scheinbaren.

Buddhist neben einem Baum symbolisiert asiatische Weisheit

Die orientalische Sichtweise besagt, dass diese Dimension unser Verhalten einschließen müssen. Unsere Routinen und die Art und Weise, wie wir täglich mit anderen umgehen, sind es, was wir der Welt von uns zeigen. Die Welt der Formen hingegen ist eine Welt der Täuschung, denn sie lässt uns nur die Oberfläche erkennen. Die Wahrnehmung wird im Westen auch als primärer Quelle des Wissens angesehen, ist aber voller Fehler.

Die Tiefe – eine Grauzone

Nach asiatischer Philosophie entspricht die Tiefe einem Bereich unseres Seins, in dem unsere unbewussten Gedanken liegen, einschließlich problematischer Aspekte unserer selbst, wie Komplexe und Phobien. Sie entspricht dem, was wir im Westen „das Vorbewusste“ nennen. Das heißt, die Tiefe ist alles, was wir intuitiv über uns selbst wissen, dessen wir uns aber nicht bewusst sind.

Die asiatische Weisheit besagt, dass die Tiefe von dichten Schwingungen geprägt ist. Diese haben Auswirkungen darauf, wie wir uns selbst wahrnehmen und wie wir mit anderen umgehen. Sie bedingen einen Großteil unseres Verhaltens. Der größte Teil unserer Ängste, Sorgen und Schwächen sei dort zu finden. Wir können diese nur durch Selbsterkenntnis überwinden.

Der Hintergrund – die Welt des Unbekannten

Die östliche Philosophie beinhaltet die Vorstellung, dass der Hintergrund die tiefste und unbekannteste Region aller Menschen sei. Nichtsdestotrotz residieren dort eine dunkle Kraft und eine Kraft des Lichts. Alle Laster und Defekte befinden sich in der dunklen Zone. Die größten Tugenden eines jeden Menschen hingegen liegen im Licht.

Mann, der einen Sonnenaufgang beobachtet

Im Hintergrund finden wir daher die Gründe für all unser Verhalten. Defizite sind die Kräfte, die unser Wachstum begrenzen. Sie wirken wie eine verborgene Energie, die uns zerstörerisch handeln lässt. Sie können agieren, ohne dass wir jemals erkennen, warum oder wie sie das tun. Tugenden ihrerseits entstehen in Zeiten der Extreme. Sie werden zum Beweis unserer Größe. Das Konzept des Hintergrunds entspricht dem, was das westliche Denken als das „Unbewusste“ bezeichnet.

Die Tiefe und der Hintergrund: der bewusste Geist

Die orientalische Sichtweise legt offen, dass, wer in der Lage ist, Harmonie herzustellen, ein höheres Bewusstsein erreicht. Dies kann auch durch die Verbindung von Tiefe und Hintergrund geschehen, als Frucht der Selbsterkenntnis. Es erlaubt den höchsten Werten der Menschheit, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Der bewusste Geist entspricht der höchsten Leistung im Leben und führt zum Glück.

Die Tiefe und der Hintergrund sind zwei Ebenen des Bewusstseins, durch die wir uns ständig bewegen. Wenn sie in Einklang gebracht werden, entwickeln sich Werte und Ideale. Dazu gehören unter anderem Liebe, Aufrichtigkeit, Empathie, Tapferkeit, Demut, Spiritualität und Brüderlichkeit – Ideen, die bereichern, sowohl uns selbst als auch andere.

Illustration von Bewusstsein

Es ist interessant, zu beobachten, wie östliche Philosophien der vorbewussten oder unbewussten Weisheit großen Wert zuschreiben, also dem, was in der Tiefe und im Hintergrund liegt. Es ist nicht die reine Vernunft, die uns zur Wahrheit und zum Wohlbefinden führt. Vielmehr ist es jene Vernunft, die auf das Gelernte angewendet wird. Und alles Gelernte verweilt in den grauen und dunklen Zonen latent in uns.

Zum Schluss wollen wir erwähnen, dass asiatische Philosophen auch großen Wert auf eine der Maximen, die die westliche Kultur begründet haben, legen: Erkenne dich selbst. Wir sind durch große Entfernungen und zeitliche Dissonanzen vom Orient getrennt, aber es gibt so viele Aspekte, die uns zu den gleichen Schlussfolgerungen bringen.