Antonio Gramsci: Sieben denkwürdige Zitate

20. Oktober 2019
In diesem Artikel wollen wir dir sieben der besten Zitate von Antonio Gramsci vorstellen. Lies weiter und erfahre mehr darüber!

Viele der Zitate von Antonio Gramsci haben einen ganz speziellen Charme. Beinahe alle verkörpern die perfekte Mischung aus Politik, Philosophie und Lyrik. Sie sind daher ein gutes Spiegelbild dessen, wer er war: ein sehr vielseitiger und leidenschaftlicher Intellektueller.

Die meisten seiner Werke verfasste Antonio Gramsci im Gefängnis. Du kannst beruhigt sein, er hat niemanden ermordet. Er war vielmehr ein Opfer des Faschismus und wurde während des Regimes von Benito Mussolini in Italien politisch verfolgt. Um seine Verurteilung zu bewirken, sagte der Staatsanwalt damals: „Wir müssen sein Gehirn für zwanzig Jahre daran hindern, weiter zu funktionieren.“

Antonio war körperlich entstellt, da er einen Buckel hatte. Außerdem lebte er am Rande der Gesellschaft, weil er sehr arm war. Dennoch zählt er zu den einflussreichsten italienischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Er war ein eingefleischter Kommunist, aber seine Denkweise war trotzdem offen und universell. Dies wird auch in vielen seiner Zitate deutlich. Entdecke sieben seiner besten Zitate in unserem heutigen Artikel!

Antonio Gramsci - Kerze

1. Antonio Gramsci über die Fehler der Intellektuellen

Eines der Themen, für die sich Gramsci besonders interessierte, waren die Intellektuellen und ihre Rolle in der Gesellschaft. Über sie schrieb er Folgendes: „Der Irrtum der Intellektuellen besteht in ihrem Glauben, dass es möglich sei, sich Wissen anzueignen, ohne es zu verstehen und darüber hinaus, ohne es zu fühlen und sich dafür zu begeistern.“

Antonio war ein großer Gegner all derer, die nur zum Zweck der Bildung oder aus einfacher Pedanterie Intellektuelle wurden. Er glaubte vielmehr daran, dass Intellektuelle sich in den Dienst derer stellen sollten, die keinen oder nur wenig Zugang zur Welt der Ideen und Gedanken hatten. Dieses Ziel kann nur durch eine wahre Leidenschaft für diese Themen erreicht werden, auf die dann die entsprechenden Handlungen folgen.

2. Zwischen der alten und der neuen Welt

“Die alte Welt liegt im Sterben und die neue Welt kämpft darum, zum Leben zu erwachen: momentan ist die Zeit der Monster.“

In der Realität führen solche geschichtlichen Übergangsphasen oftmals zu großem Chaos und vielen Unsicherheiten. Die Ursache hierfür ist, dass das Alte neben dem Neuen nach wie vor weiterexistiert, ohne, dass sich eine der beiden Realitäten voll umfänglich durchsetzen kann. Solche Rahmenbedingungen führen oftmals zur Entstehung widernatürlicher Situationen und Phänomene.

3. Falsche Originalität

Gramsci war ein wahrer Revolutionär im Umgang mit Worten. Das war auch einer der Gründe, warum das faschistische Regime so große Angst vor ihm hatte und ihn letztendlich im Gefängnis sterben ließ. Er schrieb, obwohl er viele Demütigungen erleiden musste. Dennoch blieb er seinen Überzeugungen stets treu. In einem seiner Zitate warnt er vor falscher Rebellion und falscher Originalität.

“Es ist zu einfach, originell zu sein, wenn du dich nur darauf beschränkst, einfach das Gegenteil von dem zu tun, was andere tun. Dieses Verhalten ist lediglich mechanisch. Genauso, wie es nicht unbedingt bedeutet, dass du ein Kämpfer bist, wenn du gegen alles bist, bedeutet es auch nicht automatisch, dass du einzigartig bist, wenn du das Gegenteil von dem tust, was alle anderen tun.“

4. Antonio Gramsci über kulturelle Macht

Dieses Zitat verdeutlicht die Denkweise von Antonio Gramsci besonders gut:

“Die Eroberung der kulturellen Macht erfolgt vor der Übernahme der politischen Macht. Diese wird durch eine konzertierte Aktion intellektueller „organischer“ Aufrufe erreicht. Sie infiltrieren jegliche Kommunikation, jede Ausdrucksform und die akademischen Medien.“

Im Gegensatz zu anderen Marxisten seiner Zeit legte Gramsci großen Wert auf kulturelle Werte. Für ihn hatten sie einen größeren Stellenwert als Wirtschaft und Politik. Letztendlich trugen seine Gedanken zur Begründung des demokratischen Kommunismus bei, der später zum Eurokommunismus wurde.

5. Das tote Gewicht der Geschichte

Wenn man über „totes Gewicht“ spricht, dann ist damit all das gemeint, das eine Last schwerer und schmerzhafter macht. Etwas, das eine Person wie eine Last mit sich herum trägt, ohne, diese dabei von einem Platz zu einem anderen zu bewegen, damit sie etwas Wertvolles beiträgt.

In diesem Sinne lautet ein Zitat von Antonio Gramsci folgendermaßen: „Gleichgültigkeit ist das tote Gewicht der Geschichte.“ Das bedeutet, dass trotz des Mangels an Engagement und Verbindlichkeit, der sich hinter der Handlung oder Untätigkeit der Gleichgültigen verbirgt, zur rechten Zeit Fortschritte erzielt werden.

Antonio Gramsci - Meer

6. Das Klagen über die eigenen Feinde

In diesem Zitat zeigt sich Antonio Gramscis gesunder Menschenverstand und sein Humor. Er sagte Folgendes: „Wenn dir ein Feind Schaden zufügt und du dich darüber beklagst, dann bist du dumm, denn es war genau die Absicht deines Feindes, dir Schaden zuzufügen.

Dieses Zitat scheint geradezu perfekt auf all diejenigen zuzutreffen, die heutzutage übermäßig empfindlich auf Trolle und Mobber in sozialen Netzwerken reagieren. Denn genau dieses Verhalten solltest du von einem Kontrahenten oder Gegner erwarten: einen Mangel an Einfühlungsvermögen und wenig oder gar keine Rücksichtnahme.

7. Antonio Gramsci über das Wesen des Krieges

“In jedem Krieg ging es stets um Religion”.

In dieser Aussage liegt viel Wahrheit. Er hat sich hier nicht spezifisch auf Religion als Dogma bezogen, sondern vielmehr auf den Fanatismus. Der Mechanismus ist vergleichbar: wenn fanatisches Denken auf einem Glaubenskonstrukt beruht, das religiösen Dogmen ähnelt und diese Dogmen so gestaltet sind, dass sie den Dialog unterbrechen, dann kann das zu einem Krieg führen. Krieg entsteht, wenn ein Dialog nicht mehr möglich ist.

Antonio Gramsci verstarb im Alter von nur 46 Jahren im Gefängnis. Er war in medizinischer Behandlung, obwohl die Tuberkulose, unter der er einige Monate litt, dabei nicht wirklich therapiert wurde. Glücklicherweise hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits seine Gefängnishefte verfasst, obwohl er diese eigentlich nie veröffentlichen wollte.

  • Fiori, G. (2014). Vida de Antonio Gramsci. Conflicto Social, 7(11).