Sozialpädagogik im Strafvollzug

7. Mai 2019

Die Debatte über Bildung hinter Riegeln, etwa in Gefängnissen, und ihre Wirksamkeit hält an. Ist sie eine Utopie? Bringt sie Ergebnisse? Obwohl zu diesem Thema alle möglichen Meinungen geäußert werden, sollten wir uns wohl auf die Sozialpädagogik im Strafvollzug konzentrieren, einen spezifischen Zweig der Sozialpädagogik, um etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

„Es wird ständig diskutiert, ob es möglich ist, im Kontext der Haft zu unterrichten. Die befreiende pädagogische oder sozialpädagogische Praxis in einer geschlossenen, bestrafenden und gewalttätigen Umgebung zu posieren, ist es eine Utopie, ist es ein Paradoxon, ist es ein Widerspruch?“

José del Pozo und Fanny T. Añaños

Weiter wird erklärt, dass Bildung die Grundlage der Bürgeridentität sei: Wer dieses Recht nicht erhält oder nutzt, verliert die Chance, der Gesellschaft anzugehören, sich wirklich zu beteiligen und ein Bürger zu werden, der von seinen Rechten Gebrauch macht und seine Pflichten zugunsten der Entwicklung der Gesellschaft erfüllt.

So entstand die Resolution zur Bildung in Strafvollzugsanstalten, die auf dem 5. Weltkongress der Bildungsinternationalen (Berlin, Juli 2007) verabschiedet wurde. Diese Resolution erklärt die Notwendigkeit der Einbeziehung von Fragen der sozialen Bildung in Gefängnissen.

Im Falle der Sozialpädagogik im Strafvollzug ist Bildung nicht nur eine Herausforderung. Sie ist auch ein Recht und ein deontologisches Prinzip, das darauf abzielen muss, die Autonomie des Einzelnen im Gefängnis trotz strafrechtlicher Hindernisse zu entwickeln.

Eingesperrter Mann

Theorien der Sozialpädagogik im Strafvollzug

Im Allgemeinen und mit dem Ziel, die Grundlagen dieses Zweiges der Sozialpädagogik zu verstehen, stellen wir im Folgenden einige Theorien vor, auf denen sie basiert.

Psychopathologische Theorien

In der Sozialpädagogik im Strafvollzug interpretieren solche Theorien die Straftat aus individuellen psychopathologischen und biologischen Umständen heraus. Sie sind in der Geschichte der Kriminalität und in der Ausarbeitung von Therapieansätzen sehr relevant. Autoren wie Eysenck geben gute Beispiele für diese Modelle.

Darüber hinaus ist es erwähnenswert, dass andere Autoren aus dem Bereich der Sozialpsychologie Ansätze beitragen, die nicht nur individualistische Faktoren der Persönlichkeit berücksichtigen.

Soziologische Theorien

Diese Theorien beinhalten mehrdimensionale und strukturelle Faktoren. Sie basieren also auf der Tatsache, dass soziale, Bildungs-, Kultur- oder Familiensysteme und -beziehungen Komponenten haben, die die kriminelle Ätiologie beeinflussen. Als Beispiele seien die Theorie der Chancenungleichheit oder die Theorie der sozialen Abkehr genannt.

Sozioedukative Theorien

Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden Perspektiven und Modelle entwickelt, die die Methoden der sozioedukativen Intervention bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen auf bemerkenswerte Weise bereichert und verbessert haben.

Einige der Disziplinen, die eine Rolle bei der Bildung von sozioedukativen Modellen in der Sozialpädagogik im Strafvollzug gespielt haben, sind folgende:

  • Verhaltensansätze
  • Dynamische Ansätze
  • Konstruktivismus
  • Systemische Familientherapie
  • Kompetenzmodell
  • Populärpädagogik

Sozioedukative Programme im Strafvollzug

Die Gefängnisintervention konzentriert sich traditionell auf wissenschaftlich-technische Modelle, umrahmt von medizinischen Ansätzen zu Verhaltensmustern, mit deren Hilfe versucht wird, den Betroffenen wieder auf die rechte Bahn zu lenken, und Prinzipien der positivistischen Pädagogik. So wird versucht, soziale Schemata zu reproduzieren und mit Verhaltensmustern zu assoziieren, auf Basis einer Bildung, die weder kontextuelle noch soziokulturelle Variablen berücksichtigt.

Die am häufigsten verwendeten Programme in Gefängnissen sind sogenannte Korrekivprogramme. Diese fokussieren sich Verstärkung und Bestrafung zur Verhaltenskorrektur. Den Umsetzenden scheinen diese Modelle gut geeignet zu sein. Sie werden in vier Gruppen eingeteilt:

  • Psychologisches und psychoanalytisches Verhaltensmodell
  • Biologisches Verhaltensmodell
  • Faktorenmodelle
  • Humanistische Modelle

Weitere aktuelle Modelle, mit humanistischeren Visionen, sind im Folgenden dargestellt:

Partizipatives Modell

Basierend auf dem partizipativen Modell sollte die Strafvollzugsbehandlung die Beteiligung der gesamten Haftgemeinschaft, insbesondere der Insassen, an der sozialpädagogischen Aktion umfassen.

So ist die Idee, den Prozess gemeinsam mit den Haftinsassen, die freiwillig die Behandlungsprogramme in Anspruch nehmen, durchzuführen.

Modell für Autonomie

Dieses Modell wird in individualisierten und gruppenbezogenen Bildungsprogrammen umgesetzt.

Modell für Empowerment und/oder Geschlecht

Diese könnten mit einem doppelten Ansatz angegangen werden: erstens, indem wir die soziokulturelle und strukturelle Überwindung der Kriminalisierung, die bei weiblichen Straftätern vorgenommen wird, berücksichtigen, und zweitens, über Maßnahmen zur Gleichstellung, die Prozesse zur Erhöhung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Strafvollzugsumfeld anstoßen.

Modelle der Kenntnis über Menschen und über pädagogische Maßnahmen

In ihnen ist der kollektive Konsens der Arbeit wichtig. Dabei wird auch Wert auf die Freude an dem, was getan wird, und auf die erzieherische Beziehung zwischen dem Gefangenen und dem Erzieher gelegt.

Gefängniszellen

Modelle zur Entlassung

In Modellen zur Entlassung wird erwogen, dass die Integration die Intervention im Strafvollzug in der beruflichen und strukturellen Dimension umgestaltet. Damit wird der Herausforderung Rechnung getragen, Gefängnisräume und -konzepte in Möglichkeiten der Freiheit umzuwandeln.

Wie wir sehen können, nutzt die Sozialpädagogik im Strafvollzug eine Reihe von alternativen Modellen, wie die oben genannten. Es scheint jedoch, dass bei der Gefängnisintervention Verhaltensmodelle, die auf individuellen Faktoren beruhen, von größerer Effektivität wären. Wird es in Zukunft möglich sein, diese Modelle weiterzuentwickeln?

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