Eysencks Persönlichkeitstheorie

· 17. Oktober 2018

Hans Eysencks berufliche Karriere und seine über 700 veröffentlichten Artikel über Persönlichkeit sicherten ihm nach jahrelanger Arbeit schließlich einen Platz in der Liste der einflussreichsten Psychologen. Seine Persönlichkeitstheorie gilt als ein wahres Paradigma und als solide Theorie der Psychologie. Die Theorie erklärt, warum jeder Mensch seine eigene Persönlichkeit hat.

Die Theorie besagt, dass es in jedem von uns drei wesentliche Dimensionen gebe, nämlich Psychotizismus, Extraversion und Neurotizismus. Laut Eysenck habe jede Person jede dieser Eigenschaften in unterschiedlichem Grade. Die Niveaus dieser drei Eigenschaften schaffen unsere Persönlichkeit.

Porträt von Hans Eysenck

 

Eigenschaften: Persönlichkeitsscanner

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste der deutsche Psychologe nach England, ins Vereinigte Königreich, auswandern. In London arbeitete er als Notfallpsychologe im Mill Hill Emergency Hospital, wo er für die psychiatrische Behandlung von Soldaten verantwortlich war. Eysenck war zutiefst skeptisch, was die Anwendung von Psychotherapie und Psychoanalyse in klinischen Fällen betraf. Er verteidigte hingegen die Verhaltenstherapie als bestgeeignete Behandlung für psychische Störungen.

Eysencks Ansatz basierte auf seiner Persönlichkeitstheorie. Um diese zu verstehen, müssen wir berücksichtigen, dass menschliches Verhalten durch eine Reihe von Attributen bestimmt wird. Diese Eigenschaften oder genetisch determinierten Merkmale sind die Grundlagen der Persönlichkeit. Sie prädisponieren uns dazu, in einer bestimmten Weise zu handeln.

Darüber hinaus geht Eysencks Theorie davon aus, dass diese Merkmale zwischen Individuen variieren, sonst aber über verschiedene Situationen hinweg kohärent sind und innerhalb des Individuums über die Zeit stabil bleiben. Der Psychologe nahm weiterhin an, dass wir durch die Isolierung dieser Merkmale die tiefere Persönlichkeitsstruktur offenlegen können.

Eysenck und individuelle Unterschiede

Laut diesem Psychologen seien unsere Eigenschaften von der Genetik beeinflusst und die Quelle individueller Unterschiede. Natürlich hat Eysenck andere Arten von Umwelteinflüssen dabei nicht ausgeschlossen. Tatsächlich ist es so, dass bestehende Eigenschaften verstärkt werden können, während wir mit unserer Umgebung in Kontakt kommen.

Nehmen wir als Beispiel die familiären Interaktionen in der Kindheit. Zuneigung ist die Basis der Kommunikation, die zwischen Eltern und Kindern besteht, und sie kann sich stärker oder schwächer auf die kindliche Entwicklung auswirken. Eysenck zufolge wirke also eine Mischung aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Er kombinierte all diese Faktoren als Determinanten des Verhaltens in seiner Persönlichkeitstheorie.

Familie als Scherenschnitt

Persönlichkeitsstruktur nach Eysenck

Eysenck kategorisierte die Persönlichkeit in vier Stufen. An der Basis finden wir Antworten auf spezifische Fragen, die einmalig gegeben werden und eine Person charakterisieren können, aber nicht müssen. Auf der zweiten Ebene häufiger gegebene Antworten auf alltägliche Fragen. In der dritten Kategorie finden sich die Angewohnheiten, die den Menschen ausmachen. Schließlich, an der Spitze der Pyramide und in der vierten Kategorie, stehen die Superfaktoren, auf die wir weiter unten eingehen werden.

„Der Begriff der Persönlichkeit ist eng mit dem Begriff der Stabilität, Konsistenz und des wiederholten Auftretens von Handlungen verbunden. Er bezieht sich auf die Kovariation einer Reihe von Verhaltensakten.“

Eysenck, 1987

Eysencks Zwei-Faktoren-Theorie

Hans Eysenck begründete seine Zwei-Faktoren-Theorie auf diesen Ideen. Dazu analysierte er die Art, wie Menschen Fragebögen zur Persönlichkeit ausgefüllt haben. Eysenck führte eine faktorielle Analyse durch, die eine statistische Datenreduktion und technische Agglutination darstellt. In diesem Fall verwendete er die Technik, um Verhaltensweisen auf eine Reihe von Faktoren mit gemeinsamen Eigenschaften zu reduzieren: die Superfaktoren. Jede Gruppe von Faktoren ist dabei in einem Superfaktor vereint.

Eysenck identifizierte drei unabhängige Superfaktoren: Psychotizismus (P), Extraversion (E) und Neurotizismus (N); was wiederum Grund dafür ist, dass sein Modell auch PEN-Modell genannt wird. Seiner Meinung nach beschreiben diese drei Superfaktoren die Persönlichkeit angemessen.

Frau hält zwei Gesichter in ihren Händen

Neurotizismus (Stabilität vs. emotionale Instabilität)

Eysenck verstand den Neurotizismus als den höchsten Grad emotionaler Instabilität. Eysenck verwendete diese Dimension, um zu erklären, warum manche Menschen eher unter Angstzuständen, Hysterie, Depression oder Obsession leiden.

Er definierte neurotische Menschen als diejenigen, die häufiger stark emotional reagieren und Schwierigkeiten haben, zu normalem emotionalen Verhalten zurückzukehren. Am anderen Ende der Dimension stehen emotional stabile, ruhige, vernünftige Menschen, die einen hohen Grad an Selbstkontrolle aufweisen.

Extraversion (Extraversion vs. Introversion)

Darüber hinaus zeigen Menschen mit einem höheren Level der Extraversion eher Züge von Geselligkeit, Mangel an Hemmungen, Vitalität, Optimismus und Einfallsreichtum auf. Auf der anderen Seite sind introvertierte Menschen eher ruhig, treten passiv und weniger gesellig auf, und neigen zu Pessimismus.

Der Persönlichkeitstheorie zufolge sei dieser Superfaktor im Wesentlichen physiologisch bedingt. Er basiert auf der Intensität der kortikalen Stimmulierung.

Smileys im Gras

Psychotizismus

Drittens spiegelt das Niveau des Psychotizismus einer Person ihre Anfälligkeit für Impulsivität, Aggressivität und mangelnde Empathie wider. Psychotische Menschen sind tendenziell unsensibel, asozial, gewalttätig, aggressiv und extravagant. Weist du einen hohen psychotischen Wert auf, bist du möglicherweise anfällig für verschiedene psychische Störungen, wie beispielsweise für Psychosen.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Dimensionen kennt der Psychotizismus keinen Partner, kein gegenteiliges Extrem.

Zusammenfassend ist die Persönlichkeit eines der interessantesten und deshalb meistuntersuchten Studienobjekte in der Psychologie. Die Persönlichkeit wird intensiv erforscht, mit dem Ziel, zu erklären, warum Menschen sind, wie sie sind. Eine der wichtigsten Theorien in der Persönlichkeitspsychologie ist Eysencks Persönlichkeitstheorie, die zu einer tragenden Säule der Wissenschaft geworden ist. Als Eysenck seine Theorie vorstellte, legte er damit die Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen von Persönlichkeit und menschlichem Verhalten, wie sie bis heute durchgeführt werden.